Sterbenskalt – Tana French

30. Juli 2012 § Ein Kommentar

Undercoverpolizist Frank Mackey will eigentlich nur ein entspanntes Wochenende mit seiner kleinen Tochter verbringen, als ihn seine Schwester Jacky anruft: Er sollte dringend nach Hause kommen, es wäre etwas passiert. Dazu muss man sagen: Frank war nicht mehr zu Hause, seit er vor 22 Jahren abgehauen ist. In der Zwischenzeit hat er Karriere bei der Polizei gemacht und sich nur ab und zu mit Jacky getroffen. Geplant war damals eigentlich, zusammen mit seiner großen Liebe Rosie nach England auszuwandern und dort im Musikbusiness Fuß zu fassen. Doch Rosie ist an ihrem vereinbarten Treffpunkt nie aufgetaucht, Frank fand nur einen Abschiedsbrief, der offenbar an ihn gerichtet war. Rosie hat ihn ganz klar versetzt und ist alleine nach England gegangen. Seitdem hat nie wieder jemand etwas von ihr gehört.

Nun der Grund für Jackys Anruf: In einem alten Abbruchhaus haben Arbeiter in einem Kamin Rosies Koffer gefunden, den sie damals für den Neustart in England gepackt hatte. Als wenig später im Keller des selben Hauses ihre Leiche gefunden wird, ist klar: Rosie hat Frank gar nicht versetzt, sie wurde vorher abgefangen und ermordet.

Frank ist zwar offiziell gar nicht für diese Ermittlungen zuständig, stellt aber trotzdem seine Nachforschungen an. Gar nicht so leicht, wenn er zusätzlich noch mit den Geistern seiner Vergangenheit konfrontiert wird, die in Form seiner Familie auf ihn losgehen. Als da wären: Seine stets mürrische und gemeine Mutter, sein trinkender und aggressiver Vater, seine Brüder Shay und Kevin sowie die Schwestern Carmel und Jacky. Als die Familie zu ersten Mal seit 22 Jahren wieder zusammensitzt, kommen alte Konflikte wieder hoch und in dem Maße, in dem sich Frank an seine Jugend im Viertel erinnert, kristallisiert sich allmählich heraus, was damals tatsächlich passiert sein muss. Und das gefällt ihm ganz und gar nicht.

Ich bin sehr angetan gewesen von diesem Krimi, insbesondere weil es kein reiner Krimi ist, sondern zusätzlich noch eine tragikomische Familiengeschichte mit ordentlich Lokalkolorit. Die Mackeys sind ein ziemlich dysfunktionaler Haufen und ich hatte viel Spaß daran, ihnen zuzusehen. Bei aller Komik wirkten die Figuren nie überzeichnet oder grotesk – wir alle wissen, es gibt solche Leute tatsächlich (manche haben sie ja sogar selbst in der Familie).

Die Auflösung des Falles fand ich bei aller Heftigkeit wohltuend realistisch. Es kristallisiert sich recht schnell heraus, dass Rosie ihren Mörder gekannt haben muss, und das ist ja im wahren Leben leider in den meisten Fällen ebenfalls so.

ISBN: 978-3596188345
624 Seiten
Originaltitel: Faithful Place
Fischer Taschenbuch
€9,99
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