Animal Farm – George Orwell

22. Februar 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

img_3536Wie man schon auf dem Foto sieht: Es geht um böse Schweine. Das auch, aber da wir es hier mit einer Fabel zu tun haben, ist das eigentliche Thema natürlich ein ganz anderes. Aber lest doch selbst:

Um was gehts? Die Tiere auf Manor Farm haben die Herrschaft von Farmer Jones satt und beschließen eines Tages, eine Rebellion anzuzetteln und Jones zu vertreiben. Dies gelingt, und die Tiere wollen von nun an ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen. Unter der Führung einiger Schweine werden Regeln aufgestellt: Alle Tiere sind Freunde, alle Menschen Feinde, kein Tier soll ein anderes töten, alle Tiere sind gleich, kein Tier soll menschliche Gewohnheiten annehmen (z.B. Kleidung tragen oder Alkohol trinken). Zunächst herrschen wahrhaft paradiesische Zustände: Alle Tiere arbeiten, aber freiwillig, es gibt genug zu essen und vor allem keinen ungerechten menschlichen Herrscher mehr, der über seine Tiere nach Gutdünken verfügt.

Nach und nach aber beginnen einige der Schweine, allen voran der Eber Napoleon, sich an die Spitze der Tiere zu stellen, ihnen Befehle zu erteilen und selbst ihren Lebensstil immer mehr zu verfeinern: Sie ziehen bald vom Stall ins Bauernhaus, teilen sich bessere Speisen zu und verrichten keine körperliche Arbeit mehr. Am Ende haben die Schweine auch noch die letzten Tabus gebrochen: Sie treiben Handel mit den Menschen, tragen Kleidung und gehen auf zwei Beinen. Das Futter ist knapp, dennoch werden von den anderen Tieren immer größere Arbeitsanstrengungen erwartet. Doch die manipulierten Tiere sind sich nicht sicher: Früher, unter der Menschenherrschaft, ging es ihnen da nicht noch viel schlechter?

Fazit: Man ahnt es schon: George Orwells großes Thema, der Totalitarismus, wird auch hier wieder angeprangert. „Animal Farm“ ist jedoch explizit auf den Sowjetkommunismus Stalinscher Prägung bezogen. Es fällt nicht schwer, in Napoleon die Figur Stalins zu erkennen, und die Schweine praktizieren genau die Methoden von Geschichtsfälschung, Personenkult und Manipulation der Untertanen, wie sie auch in der Sowjetunion angewandt wurden. Teilweise schien mir deren Umsetzung und Anwendung auf die Tiere etwas konstruiert, so als wollte Orwell diesen und jenen Aspekt auf jeden Fall noch unterbringen.

Will man denn unbedingt einen Vergleich zu „1984“ ziehen (für mich hat sich dieser immer wieder aufgedrängt, da es zu meinen absoluten Lieblingsbüchern zählt), so hat mir „1984“ besser gefallen: Es ist bedrückender, realistischer als „Animal Farm“ – zum einen, weil vielleicht die Sowjetunion mittlerweile untergegangen ist und es „Animal Farm“ dadurch an der Aktualität fehlt, wohl eher aber auch, weil „1984“ die umfassendere Utopie und längst noch nicht Geschichte ist; auch wird hier mehr abstrahiert als in „Animal Farm“, wo man wirklich fast jedem Ereignis im Buch mit ein wenig Geschichtswissen ein reales historisches Ereignis zuordnen kann. Was mir auch noch aufgefallen ist: Das ernste Thema in „Animal Farm“ wird irgendwie etwas verharmlost dadurch, dass hier Tiere über Tiere herrschen – weitaus schlimmer wirkt es (auf mich jedenfalls), wenn Menschen über Menschen herrschen und dadurch selbst zu Tieren werden. Aber das ist vielleicht auch die Intention Orwells gewesen?

Ich möchte nicht pauschal von der Lektüre abraten, denn auch aus heutiger Perspektive ist das Thema ein durchaus interessantes. Und auch die Leute, die es lieber dünner mögen, kann ich beruhigen: Mit knapp 100 Seiten nimmt man sich nicht zuviel vor.

ISBN: 0-582-53008-3

97 Seiten

Deutscher Titel: Farm der Tiere

Longman Group Ltd

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