Die Brandmauer – Henning Mankell

1. März 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Um was gehts? In Ystad wird ein Taxifahrer brutal von zwei Mädchen ermordet. Vor einem Geldautomaten stirbt ein Mann namens Tynnes Falk, dessen Leiche später aus der Gerichtsmedizin entwendet und an ihren ursprünglichen Fundort gebracht wird. Wenig später wird eine weitere Leiche gefunden – sie liegt vollkommen verkohlt in einer Transformatorstation und sorgt so für einen massiven Stromausfall in halb Schonen. Kommissar Wallander und sein Ermittlerteam ahnen mehr als dass sie wissen, dass diese Fälle irgendwie miteinander zusammenhängen – aber wie? Eine heiße Spur scheint sich in Falks Rechner zu finden, der extrem gut gesichert ist und in dem scheinbar eine Art Countdown läuft. Mit Hilfe des vorbestraften Hackers Robert Modin kommt die Polizei dem Geheimnis immer näher, doch als sowohl Modin als auch Wallander direkt bedroht werden, ist allen klar: Die Täter schrecken vor nichts zurück, um ihre Pläne zu verwirklichen. Und die Pläne sind keine geringeren, als die Weltwirtschaft ins Chaos zu stürzen.

Fazit: Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass gerade im beschaulichen Ystad* immer wieder die Fäden von internationalen Verbrechen zusammenlaufen – das halte ich dann doch nicht für so ganz realistisch, und ich finde Mankell auch dann am besten, wenn er sich auf die psychologischen Abgründe seiner Charaktere konzentrieren kann. „Die fünfte Frau“ ist dafür ein wunderbares Beispiel. Außerdem gibt es zahlreiche Detailfragen, die am Ende des Buches nicht aufgelöst bzw. in Verbindung mit dem Fall gebracht werden und die Mankell damit abhandelt, dass auch die Ermittler das alles nicht rausfinden. Aber wer sich an solchen Schwächen nicht stört (oder es einfach als „schriftstellerische Freiheit“ betrachtet), wird mit „Die Brandmauer“ einen gewohnt soliden, spannenden Krimi bekommen, den man wirklich nur sehr schwer aus der Hand legen kann. Oberthema ist auch hier wieder die Kritik an der schwedischen Gesellschaft, die scheinbar immer kälter und roher wird und durch die zunehmende Technisierung und Vernetzung auch immer verletzlicher (in einigen amazon-Kommentaren wurde das allerdings als „Jammerei“ bezeichnet – ist sicherlich Geschmackssache).

Ach ja, noch ein kleines unlogisches Detail: Welche IT-Spezialistin wird als Passwort zu ihrem Rechner (an dem ihre Existenz hängt) bitteschön „Keks“ wählen, was zugleich der Spitzname ist, mit dem sie Mails an Freunde unterschreibt?

Die Verfilmung, die ich irgendwann im letzten Jahr gesehen hatte, habe ich auch gut in Erinnerung, meines Erachtens nach ist sie eine der besseren Mankell-Verfilmungen, auch wenn sie mit der Vorlage relativ frei umgeht.

* Im vergangenen Sommer waren wir in Schonen und haben auch Ystad einen Besuch abgestattet, und lasst mich sagen: Es ist wirklich überaus beschaulich. Aber nett. Und Schonen ist sowieso definitiv eine Reise wert.

ISBN: 3-423-20661-6

571 Seiten

Originaltitel: Brandvägg

Deutscher Taschenbuch Verlag

€10,95

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