Hiob – Joseph Roth

9. März 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

img_3575So, zu diesem Buch gibts jetzt auch wieder ein Foto – bei der letzten Rezension war meine Kamera grade ausgeliehen.

Um was gehts? Mendel Singer führt in Ostgalizien (was meines Wissens nach in der heutigen Ukraine liegt) ein bescheidenes Leben als Lehrer. Die Leidenschaft für seine Frau Deborah ist längst erloschen, und die vier Kinder Jonas, Schemarjah, Mirjam und Menuchim sind ihm vor allem ein Quell der Sorge: Jonas wird ins Heer des Zaren eingezogen, Schemarjah desertiert nach Amerika, Mirjam lässt sich von russischen Soldaten im Kornfeld verführen und Menuchim scheint behindert zu sein, ohne Hoffnung auf Heilung. Der Vergleich mit dem biblischen Hiob liegt also nahe, und Mendel nimmt sein Schicksal als gottergeben auf sich – ändern lässt sich sowieso nichts, viel eher wird er irgendwelche Sünden begangen haben, damit Gott ihn derart straft.

Eines Tages kommt eine Nachricht von Schemarjah aus Amerika: Er nennt sich jetzt Sam und scheint es zu einigem Reichtum gebracht zu haben – er bittet nun seine Familie, nachzukommen. Menuchim allerdings muss in der Obhut von Nachbarn zurückgelassen werden. In Amerika beginnt alles recht verheißungsvoll, ehe das Schicksal schlimmer zuschlägt als vorher: Sam fällt im Ersten Weltkrieg, Jonas bleibt verschollen – als Deborah diese Nachricht erhält, stirbt auch sie, und Mirjam wird psychisch krank. Doch bei all dem Unglück: Ein großes Wunder wartet noch auf Mendel.

Fazit: Durchwachsen. Anfangs nimmt die Geschichte Fahrt auf, nicht zuletzt wegen der bildhaften Sprache macht das Lesen Spaß, doch gegen Ende hin zieht sich alles etwas, weil es nur noch um den eintönigen Alltag und das Unglück Mendels geht. Als moderner, nicht oder nur moderat gläubiger Mensch kann man die Gedankengänge Mendels nicht wirklich nachvollziehen – jedenfalls ging mir das so, was es mir auch etwas schwer gemacht hat, mich wirklich in die Geschichte hineinzufühlen.

Mendels Schicksalsergebenheit steht in direktem Kontrast zu der Lebensauffassung der Amerikaner: Eben Dinge in die eigene Hand nehmen, des eigenen Glückes Schmied zu sein, all das, was auch weithin bekannt ist. Im Gegensatz zu z.B. Sam, der ja sogar einen amerikanischen Namen annimmt, fügt er sich kaum in die neue Gesellschaft ein, er trägt seine alten Klamotten, lernt kaum Englisch und bleibt vorwiegend distanziert gegenüber seiner neuen Heimat. Lediglich, als er aufgrund der letzten Schicksalsschläge vom Glauben abfällt, nicht mehr betet und Schweinefleisch isst, bricht er aus seinen alten Verhaltensmustern auf und wird etwas interessanter, gerade weil er sich offensichtlich auflehnt und nicht mehr alles duldet. Am Ende wird er jedoch mit dem Schicksal, mit sich selbst und mit Gott versöhnt, und so endet das Buch – trotz allem – positiv.

Und wie schon gesagt: Die Sprache hat was. Es gibt einige Sätze, die man sich gerne merken würde (bzw. die man unterstreichen würde, hätte man denn immer einen Stift zu Hand…). Wer das zu schätzen weiß, schafft es auch über die etwas zähen Stellen hinweg.

ISBN: 978-3-423-13020-2

188 Seiten

Deutschen Taschenbuch Verlag

€7,90

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