CHILD 44 – Tom Rob Smith

15. April 2009 § 2 Kommentare

Um was gehts? Moskau, 1953. Leo Demidow ist ein sowjetischer Geheimdienstoffizier, dessen Arbeit daraus besteht, Dissidenten und Spione aufzuspüren, zu verhaften und Beweise für deren Schuld zu sammeln – die meisten sind natürlich unschuldig, die Beweise gegen sie konstruiert.  Leo hat im Zweiten Weltkrieg ehrenhaft gekämpft, er hat Karriere gemacht, sieht gut aus und führt eine gute Ehe mit der Lehrerin Raissa. So scheint es jedenfalls. In Wahrheit zweifelt er jedoch an dem System, dem er dient: Kann er wirklich uneingeschränkt loyal bleiben, wenn er doch von der Unschuld der Verhafteten überzeugt ist? Da wird ein Kind tot neben den Bahngleisen aufgefunden, schrecklich zugerichtet, den Mund voller Erde – die Familie ist überzeugt, dass es sich hier um einen Mord handelt. Aber Mord darf es in der Sowjetunion, dieser schönen neuen Gesellschaft, nicht mehr geben – wieso auch, jedem geht es doch gleich gut. Leo soll die Familie durch Einschüchterung dazu bringen, die offizielle Version, dass es sich um einen Unfall handelte, zu akzeptieren. Dennoch ist er selbst nicht von dieser Version überzeugt und er beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Er fällt jedoch einer Intrige zum Opfer, wird degradiert und in eine Industriestadt im Ural strafversetzt. Auch dort geschehen zwei Morde an Kindern, immer nach dem gleichen Muster, und auch in anderen Städten in der Sowjetunion scheint der Mörder sein Unwesen zu treiben. Leo ermittelt weiter, dieses Mal mit Hilfe von Raissa, doch beide wissen: Sie stehen unter Beobachtung, und jeder Fehler könnte sie beide das Leben kosten.

Fazit: Ich darf gar nicht zuviel verraten, obwohl es mich grade in den Fingern juckt, noch die ein oder andere Wendung wiederzugeben… Fest steht jedenfalls: Das hier ist ein richtig spannender Thriller! Wobei: Das Genre kann man gar nicht so recht zuordnen: Es beginnt als eine Erzählung aus dem Stalisnismus, als Menschen wahllos verhaftet wurden und jeder bereit war, seine Freunde und Familienangehörigen zu denunzieren, um selbst lebend davonzukommen. Erst recht spät setzt die eigentliche Krimihandlung ein: Die Jagd nach einem grausamen Mörder, der scheinbar wahllos kleine Kinder in den Wald lockt und dort ermordet. Die letzten Seiten erinnern dann an einen Agententhriller, in dem die Helden immer nur auf die letzte Sekunde ihren Verfolgern entkommen können. Teilweise sind manche Wendungen schon fast ein wenig zu fantastisch, aber um ehrlich zu sein: Das, was einem James Bond manchmal gelingt, das war doch so realistisch auch nicht, oder?

Man erfährt nach etwa zwei Dritteln bereits, wer der Mörder ist, was ein klein wenig Spannung rausnimmt (jedenfalls, wenn man selbst miträtseln möchte), aber keine Angst: Leicht weglegen lässt sich das Buch trotzdem nicht! Ich sollte wohl auch noch auf die düstere, beklemmende Grundstimmung hinweisen, die gerade in der ersten Hälfte vorherrscht: Das ist sicherlich nichts für zartbesaitete Gemüter.

Übrigens ist „Child 44“ meiner Meinung nach gut zum Englisch-Auffrischen geeignet, da es sich leicht und flüssig lesen lässt (und man es nur in der Originalversion bereits als Taschenbuch bekommt).

Ach ja: Einen Nachfolgeband gibt es bereits, wieder mit Leo in der Hauptrolle, besprochen z.B. bei Liisa.

ISBN: 978-1-84739-373-9

470 Seiten

Deutscher Titel: Kind 44

Simon & Schuster

€9,30

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