Der Jakubijân-Bau – Alaa al-Aswani

23. Mai 2009 § Ein Kommentar

IMG_3727Die zweite Empfehlung von Freunden in Folge – Jessi hatte mir dieses Buch schon vor einiger Zeit wärmstens empfohlen, und da man einer fast-fertigen Arabistin in ihrem Urteil auf diesem Gebiet schließlich trauen darf, hatte ich den Titel seit einiger Zeit im Hinterkopf. Als wir dann vor einiger Zeit im schönen Basel unterwegs waren und dort eine sehr nette Buchhandlung fanden, habe ich den Jakubijân-Bau im Regal gesehen, mich an Jessis Empfehlung erinnert und das Buch mitgenommen. Und nach all der schweren Kost der letzten Wochen war das nun genau das Richtige.

Um was gehts? Der Jakubijân-Bau ist ein großer Wohnblock in Kairo, mit Büros und Wohnungen, in dem alle Schichten und Milieus der ägyptischen Gesellschaft leben und arbeiten. Hier kreuzen sich die Lebensgeschichten einiger Menschen, die in diesem Roman episodenhaft charakterisiert werden: Der alternde Saki Bey al-Dassûki trauert der guten, alten Zeit nach, als seine Familie noch dem Adel zugehörte und noch nicht enteignet war – doch nagt er zwar nicht am Hungertuch, muss sich jedoch mit seiner streitsüchtigen Schwester herumschlagen, die ihn entmündigen will, um an sein Geld zu kommen. Taha al-Schâsli würde gerne Polizist werden, wird aber trotz seiner guten Noten abgelehnt, weil sein Vater „nur“ Türhüter ist. In Reaktion darauf knüpft Taha Kontakt zu Islamisten, was zur Entfremdung von Buthaina führt, seiner Liebsten. Diese wiederum muss als Halbwaise dringend Geld verdienen, so dass sie es zulassen muss, auf jeder Arbeitsstelle von ihren Chefs gegen Geld begrapscht zu werden, und Hâtim Raschid, der Chefredakteur einer französischsprachigen Zeitung, versucht, seinen armen Liebhaber Abduh mit Geldgeschenken und Jobangeboten bei sich zu halten. Dann gibt es noch skrupellose Aufsteiger wie Hagg Asâm, denen jedes Mittel recht ist, um ihre Reichtümer zu mehren und viele mehr.

Fazit: Ein schöner Schmöker! Man begleitet jeden der verschiedenen Charaktere ein paar Seiten lang, ehe die Handlung wieder zu den nächsten Geschehnissen springt. In Ägypten hat das Buch scheinbar für einen rechten Skandal gesorgt, was aufgrund der Tatsache, dass es hier offen um Sex, Korruption, Islamismus und Polizeigewalt geht, nicht verwundern dürfte. Trotzdem wird alles rechtzeitig immer wieder aufgelockert durch lustige Szenen und sympathische Charaktere, die meistens doch mit diesen Missständen irgendwie zurechtkommen oder es jedenfalls auf ihre Weise versuchen.

Dem ein oder anderen mag das Ganze dann doch etwas zu locker geschrieben sein – so schrieb ein Rezensent, das Ganze sei eher eine ägyptische Seifenoper – aber für mich war es einfach eine schöne Möglichkeit, einen allerersten Einblick in die ägyptische Gesellschaft bekommen, in die Strukturen und Probleme. Da dieser Einblick auch noch schön und flüssig zu lesen ist, hab ich auch erstmal nichts zu meckern.

ISBN: 978-3-85787-381-2

365 Seiten

Originaltitel: ‚Imârat Ya’qûbyân

Lenos Verlag

€12,90

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§ Eine Antwort auf Der Jakubijân-Bau – Alaa al-Aswani

  • adlerauge sagt:

    Hallo, ich bin gerade auf Entdeckungstour durch diverse Literaturblogs und so auch auf „Besser lesen“ gestoßen.
    Das Buch „Der Jakubijan-Bau“ hat mir auch sehr imponiert, weil es einen ungeschönten Einblick in das Leben im heutigen Ägypten bietet – und das sehr gut lesbar. Man versteht nach der Lektüre auch die Ursachen besser, die junge Menschen in die Arme radikaler Islamisten treiben.

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