Gestatten: Elite – Julia Friedrichs

25. August 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Ja, ich weiß, ich mache mich zur Zeit etwas rar. Das liegt vor allem daran, dass ich am Donnerstag für ein dreimonatiges Praktikum nach Berlin ziehe und daran, dass ich vorher, wie das nun mal immer so ist, natürlich noch sooo viel zu tun habe… Und Vodafone lässt sich noch schön Zeit damit, uns endlich, endlich mal unseren Anschluss freizuschalten… Wenn ich etwas gelesen habe, dann meistens „The Whisperers“, welches ich jetzt aber erstmal unterbrochen habe – auch ich schaffe es nicht immer, ein fast 700 Seiten starkes Sachbuch am Stück durchzulesen… Eingeschoben habe ich zwar wieder ein Sachbuch, dieses ist jedoch a) dünner und b) schneller zu lesen. Also:

Um was gehts? Julia Friedrichs geht der Frage nach, was heute in Deutschland das Wort „Elite“ bedeutet. Wer gehört dazu, was zeichnet die Elite aus und welche Funktion hat sie oder sollte sie haben? Sie besucht dazu verschiedene Institutionen, die gemeinhin als Ausbildungsinstanzen der zukünftigen Elite gelten: Die European Business School, das Internat Schloss Salem, das Maximilianeum in München und so weiter. Sie spricht mit Schülern, Studenten, Sozialforschern, Schulrektoren und sammelt deren Ansichten.

Fazit: Man könnte dieses Buch natürlich als Aneinanderreihung von Klischees lesen. Natürlich ist es den meisten Leuten bekannt, dass in Deutschland eben immernoch die Herkunft entscheidend ist für den Aufstieg in die Elite, das Leistung oft gar nicht mal das Wichtigste ist, und dass die Reichen und Mächtigen manchmal die gleichen Probleme haben wie Otto Normalverbraucher. Richtig neue Erkenntnisse gibt es also nicht, aber trotzdem fand ich die Lektüre interessant und etwas beklemmend. Friedrichs versucht eben, die Klischees, die natürlich auch bei ihr – wie sie auch frei zugibt – im Kopf herumspuken, zu hinterfragen. Dass sie dann doch wieder am Ausgangspunkt ankommt, weil sich eben das Meiste so bestätigt, was man als diffuse Ahnung schon wusste, liegt wohl in der Natur der Sache.

Welche Schlüsse der Leser daraus dann ziehen will, das bleibt jedem selbst überlassen. Friedrichs selbst bezeichnet den Elite-Begriff als zu ungenau, instrumentalisierbar für jeden Zweck, weiß aber selbst keine Alternative. Elite bedeutet eben immer auch Macht, und diese wird es immer geben, in jeder Gesellschaft.

Es gibt keine politischen Handlungsanweisungen, keine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Aber dafür sollte man dann auch andere Bücher lesen. Dieses hier macht jedenfalls neugierig darauf, sich mal genauer mit solchen Fragen auseinanderzusetzen.

ISBN: 345550051X

255 Seiten

Hoffmann & Campe

€17,95

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