Die Leiden des jungen Werther – Johann Wolfgang von Goethe

17. Mai 2010 § 6 Kommentare

Nachdem ich das Stück in der innen wie außen wunderschönen Lettischen Nationaloper in Riga gesehen hatte (auf Französisch mit lettischen und englischen Übertiteln), rutschte dieser Klassiker um einiges weiter hoch auf meiner Leseliste (dort stand er auch schon, seitdem klar war, dass ich ihn während meiner Schulzeit nicht mehr lesen würde). Und irgendwie finde ich, dass es mal ganz gut tut, Klassiker für sich, also ohne den Schulunterricht zu entdecken. Ich für meinen Teil kann jedenfalls so ein Stück Literatur viel mehr genießen – womit wir eigentlich wieder bei der alten Diskussion über Sinn und Unsinn der Klassikerlektüre in Klassen mit pubertierenden, aufgrund ihrer momentanen Lebenssituation an anderen Dingen als an Literatur aus dem 18. Jahrhunder interessierten Schülern wären… Wobei, wenn man es genau nimmt, hat der Werther ja genau die Probleme, die auch so manchen Teenie umtreiben – unerwiderte Liebe und darauf folgender Weltschmerz sind ja nix Neues (ja, auch Nicht-Emos werden davon wohl das ein oder andere Liedchen zu singen wissen).

Und da ich grade merke, da sich meine aktuelle Lektüre (vorwiegend theoretische Texte für meine Soziologiehausarbeit) irgendwie schon wieder auf meinen Schreibstil auswirkt (laaaaange, umständliche Sätze), komme ich lieber mal zum eigentlichen Thema.

Als Werther Lotte sieht, ist er eigentlich postwendend unsterblich in sie verliebt. Und das Schöne: Sie scheint seine Gefühle auch zu erwidern! So schwebt der gute Werther auch zunächst auf Wolke 7, wie er seinem Freund Wilhelm in zahlreichen Briefen mitteilt. Dass Lotte aber bereits mit Albert verlobt ist, tut dem zunächst keinen Abbruch. Doch je mehr sich Werther in seine Gefühle hineinsteigert, desto mehr wird ihm die Aussichtslosigkeit seiner Gefühle bewusst, und so kippt seine Stimmung schnell hin zur Todessehnsucht, die dann auch, wie bekannt sein dürfte, in einem Selbstmord mündet, der zur Erscheinungszeit viele junge Menschen zur Nachahmung inspirierte.

Klar, Werther ist manchmal ganz schön anstrengend: Diese überbordenden Gefühle, dieses ständige Auf und Ab, das mag den heutigen Zeitgenossen, der es gewohnt ist, die Liebe bisweilen rational und abwägend zu betrachten, etwas irritieren. Aber wer gerade diese ganz großen Emotionen sucht, dem will ich Werther empfehlen. Gerade weil uns heute diese Art ziemlich fremd ist (alleine, dass Werther als Mann soviel weint, mag den ein oder anderen Leser befremden – wobei gegen das Prinzip ja nun wirklich nichts einzuwenden ist!), hat mir die Lektüre sehr gut gefallen. Meine Empfehlung, wenns mal wieder etwas Klassisches sein darf!

ISBN: 978-3150000670

154 Seiten

Reclam

€3,20

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§ 6 Antworten auf Die Leiden des jungen Werther – Johann Wolfgang von Goethe

  • Krümel sagt:

    Hallo Julia.

    Goethe hat mit dem „Werther“ seinen eigenen Liebesschmerz verarbeitet, und sich selber nicht das Leben genommen hat. Einer seiner Freunde gab ihm diese Vorlage. Nach dem Werther brach ein regelrechtes Selbstmordfieber aus, junge Männer kleideten sich wie der Protagonist und gaben ihr Leben für die Liebste hin … Ja, das waren noch Zeiten 😉

    Liebe Grüße
    Krümel

  • nantik sagt:

    Och, solche Zeiten gibt es heute aber auch noch mit dem Werther. Immerhin hat sich Ulrich Plenzdorf von diesem wundervollen Briefroman für „Die neuen Leiden des jungen W“ inspirieren lassen. Und dieses Buch erreichte auch ganz schnell einen Kultstatus. Vom Original-Goethe gibt es zudem inzwischen total viele interessante Bühnen-Adaptionen, die zeigen, dass Werthers Gefühlswelt auch heute noch topaktuell ist. Aber das hatte Julia ja auch schon geschrieben…. 😉

  • Falballa sagt:

    Das Buch liegt auch bei mir im Regal, ich habe es sogar mal angefangen, aber dann wieder zur Seite gelegt…

    Hmmm…

  • buecherwiese sagt:

    Habe das Buch in der Schule gelesen – und wie so viele Bücher, die man zwangsweise in der Schule liest, fand ich es nachher nur noch ätzend (mit ein paar Ausnahmen wie Effi Briest oder Faust). Aber vielleicht sollte ich die Leiden des jungen Werther jetzt mit einigen Jahren Abstand doch nochmal lesen.

  • Martin Jost sagt:

    Bist du ein Thomas-Mann-Typ oder ein Thomas-Mann-geht-gar-nicht-Typ? Im ersteren Fall könnte dir «Lotte in Weimar» von Mann gefallen, eine Art versöhnliches Sequel zum «Werther».

  • Julia sagt:

    Ich bin da noch etwas indifferent, wobei ich Thomas Mann bisher nie so wirklich toll fand. Aber deinen Tipp werd ich trotzdem mal beherzigen.

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