Sturmzeit – Charlotte Link

23. September 2010 § 5 Kommentare

„Sturmzeit“ ist der erste Teil der gleichnamigen Trilogie, die zusätzlich noch „Wilde Lupinen“ und „Stunde der Erben“ umfasst.

Vor Jahren hatte ich die mehrteilige Verfilmung gesehen, und mir dann letztes Jahr – ganz entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten – gleich die komplette Trilogie besorgt. Ich habe überlegt, ob ich alle drei Teile in einem besprechen soll, aber da jedes Buch auch einzeln gelesen werden kann, werde ich auch jede Rezension einzeln veröffentlichen. Es tauchen natürlich immer die gleichen Personen auf, aber in jedem neuen Band werden wieder die Zusammenhänge und Entwicklungen erklärt, so dass es m. E. nach kein Problem ist, der Handlung zu folgen, selbst wenn man ein Teil nicht kennt.

Ich will den Inhalt auch recht kurz halten – wieso, erkläre ich gleich. Hauptperson ist Felicia, die Ende des 19. Jahrhunderts auf Lulinn, einem ostpreußischen Gut geboren wird und dort eine recht sorglose Kindheit hat. Doch mit dem Ersten Weltkrieg ist es damit vorbei, denn in den kommenden Jahren sollen die politischen Umwälzungen der Zeit immer wieder auch Felicias Leben durcheinanderwirbeln.

Felicia schafft es jedoch immer wieder, auf die Beine zu kommen – sie behauptet sich als skrupellose Geschäftsfrau, und ihre einzige Schwäche (wenn man es denn so nennen will) ist, dass sie scheinbar nicht das richtige Händchen für Männer hat: Mit Maksim ist sie gemeinsam in Ostpreußen aufgewachsen, sie verbindet die Liebe zu ihrer Heimat – doch Maksim ist überzeugter Kommunist, und mit diesen Idealen zieht es ihn nach Russland, um bei der Oktoberrevolution und dem folgenden Aufbau der Sowjetunion mit dabei zu sein. Felicia landet nach abenteuerlicher Flucht aus Ostpreußen in München, wo sie Alex kennenlernt und bald darauf heiratet – aber auch diese Ehe steht unter keinem guten Stern, zumal Felicia noch nicht über Maksim hin weg ist.

Das hier ist jetzt nur ein Bruchteil der Handlung, und diese Zusammenfassung trifft es auch nur grob. Natürlich hat Felicia nicht nur Glück mit ihrem Geschäft, natürlich ist Maksim nicht für immer in Russland verschwunden, und natürlich muss die große, weitverzweigte Familie im Krieg Verluste verkraften. Aber das müsst ihr schon selbst lesen.

Die Handlung setzt 1914 ein, kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs, und endet Anfang der 1930er Jahre. Teilweise werden zwischendrin Zeitsprünge von mehreren Monaten oder Jahren gemacht, wodurch eigentlich keine Längen bleiben und es spannend bleibt – wodurch aber auch manche Handlungsstränge mitten am spannendsten Punkt abgebrochen werden und es im nächsten Kapitel heißt: „Damals, als sie…, da waren sie nur durch viel Glück davongekommen, und dann passierte…“. Manche historische Zusammenhänge schienen mir etwas konstruiert, so als wollte Link dieses und jenes auch noch unbedingt mal erwähnt haben. Aber das sind nur Kleinigkeiten.

„Sturmzeit“ ist genau das richtige für die jetzt kommenden dunklen, verregneten Abende und Sonntage – man kann wunderbar ein paar Stunden mit der Lektüre zubringen und ziemlich die Zeit vergessen. Dass ich mich für Felicia nicht wirklich erwärmen konnte, lag daran, dass sie als komplett kaltherzige, berechnende Person entworfen ist – klar, manchmal wird sie hart vom Schicksal getroffen, aber das trifft einen nicht wirklich als Leser, weil sie keiner ist, mit dem man Mitleid haben kann. Ist wohl auch so gedacht.

Große Literatur sollte man naturgemäß nicht erwarten, aber zumindest werden uns die sonst bei dieser Art von Literatur üblichen kitschig-klischeehaften Liebesszenen erspart (und nur angedeutet) – sowas finde ich ja immer ziemlich übel und bin froh, wenn das Liebespaar vielleicht noch verzaubert auf die Couch (ins Feld/ins herrschaftliche Himmelbett) sinken darf und dann in Ruhe gelassen wird.

Das Richtige ist „Sturmzeit“ für alle Familiensaga-Fans, Freunde der eher leichten Unterhaltung und der großen Gefühle sowie für Ostpreußen und deren Nachkommen.

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§ 5 Antworten auf Sturmzeit – Charlotte Link

  • gabelingeber sagt:

    Sehr schöner Blog, Kompliment – ich habe ihn in meinem eigenen Blog verlinkt.
    Und danke für die Sturmzeit-Besprechung. Meine Schwiegermutter stammt aus Ostpreussen, im Moment verschlingt sie alles zum Thema. Ich werde ihr dieses Buch empfehlen.

  • Julia sagt:

    Dankeschön für Kompliment und Verlinkung! 🙂

  • Ich möchte auch nicht immer so etwas wie eine Familiensaga lesen. Aber mal für zwischendurch haben mir die drei Bände gefallen. Überhaupt habe ich viel von dieser vielseitigen Autorin gelesen.

  • Julia sagt:

    Ja, ich lese auch immer mal wieder gerne was von ihr. Ist, wie du sagst, oft was für Zwischendurch bei mir, aber dann immer wieder gerne.

  • Andrea sagt:

    Ich mag die erstens beiden Bücher der Trilogie, den dritten Band weniger. Die Hauptfigur ist mir auch unsympathisch. Mir tun die Männer in der Geschichte leid.

    Herzliche Grüße

    Andrea

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