Die Stunde der Erben – Charlotte Link

1. Oktober 2010 § Ein Kommentar

Hier ist es jetzt endlich der dritte und letzte Teil der Sturmzeit-Trilogie.

Die Erbin ist Belles Tochter Alex, die Felicias Unternehmen übernimmt, als diese so allmählich zu alt dafür wird. Alex selbst ist mit Markus verheiratet, der um einiges älter ist als sie. Die Ehe ist auch hier nur am Anfang glücklich: Markus hat es eilig mit der Familiengründung, drängt Alex, doch endlich mit ihm ein Kind zu bekommen, obwohl sie doch ersteinmal ihr Studium abschließen will. Außerdem verschuldet sich Markus immer mehr und verliert so langsam die Kontrolle über seine Finanzen.

Alex‘ Bruder Chris ist ein Gegenentwurf zu den geldgierigen Frauen seines Clans: Er lebt lieber links-alternativ in seiner Schwabinger WG, als ebenfalls in Felicias Geschäft einzusteigen. In Simone, einer Taxifahrerin, die er nachts vor einem Angreifer rettet, hat er scheinbar die Frau seines Lebens gefunden. Scheinbar aber eben nur.

In diesem Band bekommen außerdem auch einige Nebenfiguren einen größeren Platz eingeräumt für ihre Schicksale: Sigrid, die Enkelin von Felicia zum Beispiel, oder Julia, die Tochter von Felicias Cousine. Und Schicksale, das muss wirklich betont werden. Eigentlich jeder in der Familie wird mindestens einmal in seinem Leben richtig hart getroffen, und das macht auch diesen Teil streckenweise etwas deprimierend, wobei es kaum einen Unterschied macht, ob die einzelnen Personen aus eigenem Verschulden oder aufgrund der politischen Verhältnisse ins Unglück stürzen.

Themen sind die deutsche Teilung und Wiedervereinigung, der Wertewandel, der Golfkrieg und die großen Bewegungen wie die Friedens- und Umweltschutzbewegung. Die Handlung erstreckt sich – abgesehen von einem Prolog bei Alex‘ Taufe im Jahr 1957 – über die Jahre zwischen 1977 und 1994.

Alles in allem war es ein stimmiger, wenn auch eben etwas düsterer Abschluss für diese Trilogie (wobei das Ende doch recht versöhnlich ausfällt). Es bleibt natürlich spannend, und deswegen muss man auch hier immer weiter lesen, wobei ich fand, dass das allgemeine Lesevergnügen von Band zu Band ein ganz kleinwenig abgenommen hat. Das kann aber auch einfach daran gelegen haben, dass jeder Band ein wenig dieser Abenteuer-Romantik verliert, den es noch am Anfang gehabt hatte: Altes Landgut in Ostpreußen! Russische Revolution! Das macht schon etwas mehr her als der altbekannte Golfkrieg und der Mauerfall.

Aber, wie dem auch sei: Unterm Strich kann ich euch die Sturmzeit-Trilogie auf jeden Fall empfehlen! Ich würde mir aber beim nächsten Mal lieber die drei Taschenbücher irgendwo günstig besorgen, weil der Hardcover-Sammelband mit über 1200 Seiten doch etwas unhandlich ist… Aber daran bin ich auch irgendwie selbst schuld.

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§ Eine Antwort auf Die Stunde der Erben – Charlotte Link

  • Andrea sagt:

    Der dritte Band ist nicht so gut wie die anderen beiden Teile. Es geschieht viel und wird auch gut beschrieben, aber die Entwicklung der Charaktere und die Spannung bleibt auf der Strecke.

    Herzliche Grüße

    Andrea

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