Der Meister und Margarita – Michail Bulgakow

1. Dezember 2010 § Ein Kommentar

Der Unterschied zwischen einer Literaturkritikerin und einer Bloggerin ist wohl dieser: Während die Literaturkritikerin dieses Werk ganz genau interpretieren könnte und die vielen, vielen Andeutungen und Ebenen verstehen würde, so muss sich die Bloggerin auf ihren in diesem Bereich doch eher beschränkten Wortschatz zurückziehen.

Erstmal der Inhalt, oder besser: Einzelne Stichworte über den Inhalt. Ein Mann, der aufgrund von verschüttetem Sonnenblumenöl seinen Kopf verliert (und zwar unter der von einer Komsomolzin gesteuerten Straßenbahn). Sein Begleiter, der anschließend spärlich bekleidet durch das nächtliche Moskau läuft. Ein geheimnisvoller Fremder, der all das richtig prophezeit hatte. Ein Kater, der auf Hinterbeinen läuft und selbstständig Straßenbahn fährt. Ein Betrunkener, der hastdunichtgesehen in Moskau das Bewusstsein verliert und in Jalta wieder aufwacht. Margarita, die Geliebte des Meisters, einem ansonsten namenlosen Schriftstellers, die sich mit einer geheimnisvollen Creme einschmiert und daraufhin fliegen kann (und das auch tut, und zwar nackt auf einem Besen). Eine höchst eigenartige Varietévorstellung. Ein Ball, auf dem lauter Verstorbene tanzen. Man ahnt es schon: Kein Geringerer als der Teufel treibt sein Unwesen in Moskau!

Ich maße mir gar nicht erst an, dieses Buch wirklich bis ins letzte Detail interpretieren zu können. Ich habe nur eine vage Ahnung, wie viele Ebenen hier überhaupt drinstecken, und alleine schon die Unmöglichkeit, den Inhalt in ganzen Sätzen wiederzugeben, sagt einiges aus. Innerhalb dieser Rahmenhandlung findet sich noch eine weitere Geschichte über den Prozess und die Hinrichtung Jesu – was genau das aussagen sollte, habe ich leider nicht verstanden, was wohl auch dem Umstand geschuldet ist, dass ich ein paar Absätze übersprungen habe, weil es mir dann doch etwas lang wurde.

Die gängigste Interpretation dieses Klassikers ist wohl die, dass es sich um eine Satire auf die Stalinzeit handelt (er spielt auch während der 1930er Jahre). Insofern schadet ein gewisses Grundwissen über diese Epoche sicherlich nicht, dann kann man auch den Sinn hinter dem ein oder anderen Handlungsstrang erkennen.

Ich war ziemlich begeistert von diesem Buch (insofern werde ich mich bestimmt nicht den ganzen Faust-Vergleichen anschließen, denn Faust mag ich gar nicht, nur die Aufführung der Freiburger Puppenbühne machte da eine Ausnahme) – es ist so grotesk, absurd und voller sehr speziellem Humor, das man es wirklich gelesen haben sollte. Und ich bin selbst ein wenig überrascht von mir, denn nicht immer lese ich solche abgefahrenen Bücher gern – manchmal habe ich mich doch gewundert, wie viel Spaß mir die Lektüre gemacht hat.

ISBN: 978-3630620930

512 Seiten

Originaltitel: Master i Margarita

Sammlung Luchterhand

€10,00

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§ Eine Antwort auf Der Meister und Margarita – Michail Bulgakow

  • belmonte sagt:

    Keine Angst, das Buch ist keineswegs zu kompliziert, und es ist gar nicht notwendig, eine hocherfahrene Literaturkritikerin zu sein, um das in den Griff zu bekommen.

    Es handelt sich hier einfach um eine meisterhafte Vertauschung: Das sonst so triste und falsche Stalin-Moskau verwandelt sich in eine magische Sphäre aus Teufel, Katze, Hexe etc. etc., während die eigentlich doch so ferne und wunderhafte Welt um Jesus von Nazareth (Jeschua) in einen nüchternen und auch psychologisch realistischen Rahmen gesetzt wird. Und beide Welten werden durch den Meister meisterhaft aufeinander bezogen.

    Beste Systemkritik, Satire, Ironie und Doppelbödigkeit also. Und ganz nebenbei eine der schönsten russischen Liebesgeschichten.

    Beste Grüße,

    belmonte

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