Ohnmachtspiele – Georg Haderer

18. Februar 2011 § 2 Kommentare

Vorurteil Nr. 1: Krimis sind nicht lustig. Vorurteil Nr. 2: Wenn der Ermittler und Protagonist eines Krimis Depressionen hat, ist auch die Stimmung des ganzen Buches eher gedrückt und grau in grau (à la Kurt Wallander), die Handlung spielt vorzugsweise im November. Für „Ohnmachtspiele“ muss man also gleich zwei Vorurteile über Bord werfen.

Major* Schäfer ist nach einer Auszeit wegen Burnout und Depressionen zwar noch in Therapie, aber dennoch zurück im Dienst bei der Wiener Kriminalpolizei und hat es gleich mit mehreren Toten zu tun: Erst wird eine ertrunkene Frau in der Donau gefunden, dann ein fast schon skelettierter Junkie im Wald. Schließlich stirbt ein junges, reiches Ehepaar – sie ertrinkt in der Badewanne, er kommt kurz darauf bei einem Autounfall ums Leben. Schäfer folgt einem Geistesblitz: Könnte es sein, dass die Toten zueinander in Beziehung stehen – nach dem Muster eines Kartenspiels? Was steckt dahinter? Das herauszufinden, ist nicht nur aufgrund der Undurchsichtigkeit des Falles schwer – in der Innenpolitik herrscht der Filz mehr als alles andere, und den Herren wäre es natürlich mehr als recht, die Tode als Unfälle oder Suizide verbuchen zu können, damit sie nicht in der Mordstatistik auftauchen.

Hier gibt es immer wieder kleine, skurrile Begebenheiten oder Scherze, die für eine besondere Stimmung sorgen und das Ganze auflockern. Schäfer ist irgendwie ein lustiger und schräger Typ, der mit seinen Kollegen gerne fast schon kindische Witzchen reißt und sich eher weniger von seinen Vorgesetzten sagen lässt. Und zusätzlich gibt es noch eine ziemlich fiese falschen Fährte – der bin ich ziemlich auf den Leim gegangen, so dass ich schon kurz davor war, enttäuscht zu sein. Aber ist ja alles dann doch noch gut ausgegangen!

Major Schäfer mochte ich auf Anhieb, und auch sonst habe ich mich beim Lesen köstlich amüsiert – die Spannung ist hier nicht nervenzerfetzend, aber wer eine Kombi aus lustigen Dialogen, einem interessanten Kriminalfall und ein wenig Wiener Lokalkolorit wünscht, der ist hiermit mehr als gut bedient.

Es handelt sich übrigens hierbei um den Folgeband von „Schäfers Qualen“, den ich noch nicht gelesen habe (ich hatte die Serie auch überhaupt nicht auf dem Schirm). Dennoch findet man sich gut in der Handlung zurecht, es gibt zwar ein paar Anspielungen, diese reichen aber aus, um der Handlung problemlos folgen zu können. Vielleicht ist im ersten Band etwas mehr über Schäfer selbst erzählt worden – hier fehlen Angaben zu Alter, Aussehen, sonstigen persönlichen Eigenschaften. Das hätte ich als einziges gerne als Hintergrundwissen gehabt. Ansonsten: Top!

*Das hat hier nix mit dem Militär zu tun, in Österreich ist das einfach die Bezeichnung für einen Leitenden Beamten bei der Polizei.

ISBN: 978-3852186306

316 Seiten

Haymon Verlag

€19,90

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