Mixed Blood – Roger Smith

7. März 2011 § Ein Kommentar

Action unter südafrikanischer Sonne gewünscht? Bitteschön:

Jack Burn ist auf der Flucht – daheim in den USA ist er durch seine Spielleidenschaft auf die schiefe Bahn geraten und hat einen Polizisten erschossen. Mit seiner Familie (Ehefrau Susan und Sohn Matt) hat er sich unter falschem Namen nach Kapstadt abgesetzt. Südafrika deswegen, weil dort seine schwangere Frau unter zivilisierten Verhältnissen niederkommen kann (Geld ist kein Problem), es aber dennoch chaotisch genug ist, um nicht weiter aufzufallen. So war jedenfalls der Plan. Doch eines Abends – die Familie sitzt gerade beim Abendessen – brechen zwei drogensüchtige Gangster bei ihnen ein. Die Burns sind dabei nur ein Zufallsziel, der Einbruch setzt jedoch eine Reihe von Ereignissen in Gang, die sich von dem sonst so gut organisierten Jack nur schwer kontrollieren lassen: Da er natürlich nicht einfach die Polizei rufen kann, bringt er die Gangster kurzerhand um und entledigt sich ihrer irgendwo in den Townships, wo sowieso ständig Tote auftauchen. Dumm nur, dass das Ganze nicht unbemerkt bleibt: Der Wachmann auf der gegenüberliegenden Baustelle hat zumindest den Einbruch gesehen – als ehemaliger Gefangener will der sich jedoch von allem Ärger fernhalten und bleibt erstmal stiller Beobachter (Später wird er dann aber noch fleißig mitmischen). Um einiges unangenehmer ist Rudi Barnard, der ekelhafte, stinkende, fette und korrupte Cop, der irgendwie ein Überbleibsel aus Apartheidstagen ist, sich munter von allen Seiten schmieren lässt und auch einfach mal Leute umlegt, wenn er Lust dazu hat. Barnard wiederum hatte mit einem der beiden Einbrecher noch eine Rechnung offen, und ist daher nur allzu bestrebt, etwas über den  Verbleib ebendieses zu erfahren. Klar, dass er sich nun an die Fersen diese sonderbaren Amerikaners heftet, bei dem er schon vermutet, dass da etwas faul ist.

Um eines vorneweg zu schicken: Wer empfindlich gegenüber (teils sehr expliziten) Gewaltdarstellungen ist, sollte dieses Buch definitiv nicht lesen. Nichtsdestotrotz ist es schon alleine dadurch (leider) sehr realistisch, denn Kapstadt hat nunmal eine enorm hohe Verbrechensrate, insbesondere in den Vororten auf den Cape Flats, in denen vorwiegend Schwarze und Coloureds leben. In einer gewissen Weise führt es einem vor Augen, dass Kapstadt zwar eine der schönsten Städte der Welt ist, die Hochglanzpostkarten jedoch nur die eine Seite zeigen. Das Kapstadt aus „Mixed Blood“ ist vor allem ein Moloch, dessen schöne Fassade nicht dauerhaft darüber hinwegtäuschen kann, dass auch nach dem Ende der Apartheid ein Großteil seiner Bewohner außer Prostitution und Drogenhandel keine Perspektive im Leben haben und dass Korruption oftmals die einzige Möglichkeit ist, irgendetwas von staatlichen Organen zu bekommen.

Schlecht fand ich das Buch aber überhaupt nicht. Klar waren mir die expliziten Gewaltdarstellungen manchmal etwas zu krass, aber dafür ist die Handlung wahnsinnig spannend und es gibt jede Menge Action. Während Jack Burn manchmal etwas blass bleibt, ist Barnard einer der widerlichsten Charaktere, die mir seit langem untergekommen ist – da hätte es nicht einmal mehr die wiederholte Beschreibung seines üblen Körpergeruchs gebraucht. Allgemein sollte man keine psychologischen Raffinessen erwarten – in der Regel hat man schnell herausgefunden, wie die Protagonisten ticken. Aber letztlich ist das ja bei einem solchen Buch auch durchaus in Ordnung.

ISBN: 978-0312429508

320 Seiten

Deutscher Titel: Kap der Finsternis

Picador

€11,10

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