Alle singen im Chor – Leena Lehtolainen

4. August 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Krimireihe um die finnische Kommissarin Maria Kallio hatte ich schon ziemlich lange auf dem Schirm, hab aber erst jetzt mit dem ersten Band angefangen.

Maria Kallio ist eigentlich nur Aushilfspolizistin (hauptberuflich Jurastudentin), aber ihr direkter Vorgesetzter ist aufgrund seiner Alkoholkrankheit* länger krankgeschrieben, weswegen sie gleich die Aufklärung eines mutmaßlichen Mordfalls übertragen bekommt:

Ein Studentenchor aus Helsinki hält ein gemeinsames Probenwochenende in einer einsam gelegenen Villa am See ab. Am Morgen nach einem feuchtfröhlichen Abend liegt Jukka Peltonen, einer der Sänger, jedoch tot am Bootsteg. Und es liegt nahe, den Täter oder die Täterin unter den restlichen Chormitgliedern zu suchen. Maria kennt zufälligerweise das Opfer und ein paar der Chorleute: Ihre ehemalige Mitbewohnerin war einige Zeit mit Jukka zusammen.

Jukka selbst war ein Frauenheld, der sich wenig um die Gefühle seiner jeweils aktuellen Freundin(nen) scherte; darüber hinaus war er in krumme Geschäfte im Drogen- und Zuhältermilieu verwickelt. Maria hat also ein paar Baustellen, an denen sie ermitteln muss: War vielleicht eine der Frauen auf Jukka eifersüchtig oder handelte aus enttäuschter Liebe? Hatte jemand bei Jukka Schulden, die er nicht zurückzahlen konnte? Oder kam der Täter doch von außerhalb?

Ich habe eine Weile gebraucht, ehe ich mit Maria warm wurde. Zuerst schien sie mir ein bisschen zu sehr auf Biegen und Brechen als „Powerfrau“ entworfen, aber im Laufe der Geschichte mochte ich sie ganz gerne leiden. Im Original erschien „Alle singen im Chor“ bereits 1993, und zu diesem Zeitpunkt schien es auch im emanzipierten Norden noch nicht allzu weit her zu sein mit der Gleichberechtigung. Frauen traute man zumindest im Polizeidienst noch nicht allzu viel mehr zu als Kaffeekochen und Unterlagen abzuheften, und entsprechend muss Maria nebenher noch gegen den Machismo ihrer Kollegen kämpfen. Wie sie sich so durchbeißt, fand ich schließlich doch noch ganz sympathisch.

Die Handlung selbst ist angenehm unblutig – eher ein klassischer Krimi also, kein Serienkiller mit immer krasseren Mordmethoden und keine abgefahrenen Folterszenarien. Muss ja auch nicht immer sein.

Was mich manchmal ein bisschen aus dem Lesefluss gebracht hat: Bisweilen hat Maria eine Eingebung und besucht dann beispielsweise eine Verdächtige, es wird aber erst danach in einem Nebensatz erklärt, wie Maria jetzt genau auf diese Verdächtige kam. Man wundert sich noch, wieso denn diese Person Jukka getötet haben soll und bekommt die Erklärung dann irgendwann später geliefert. Das war bisweilen etwas holprig, kommt aber zum Glück nicht so oft vor.

Ansonsten hat mir die Geschichte gut gefallen und ich werde auf jeden Fall bald die nächsten Bücher dieser Reihe lesen – Maria bietet noch einiges an Potenzial, ich bin gespannt, wie es mit ihr weitergeht. Und ins schöne Helsinki lass ich mich sowieso immer wieder gerne versetzen.

* Nun, es ist ein finnischer Roman. Es wird hier auch sonst ordentlich gebechert.

ISBN: 978-3499230905
240 Seiten
Originaltitel: Ensimmäinen murhani
rororo
€8,99
 
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