Die Henkerstochter – Oliver Pötzsch

14. Oktober 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Heute mal wieder was aus der Kategorie „Historienschmöker, Abteilung leichte Kost“, und so allmählich arbeite ich auch den Rezensionsstau hier ab…

Der Vater der Titelgeberin ist Jakob Kuisl, Henker der kleinen bayrischen Stadt Schongau. Er ist allerdings aber eher Henker wider Willen: Er verrichtet diese Arbeit halt, weil schon sein Vater und Großvater Henker waren und man als Sohn eines Henkers wenig andere Möglichkeiten hatte, als selbst Henker zu werden – und irgendwer muss den Job ja machen, oder? Davon abgesehen ist Kuisl ein bärenstarker, aber eher gutmütiger Mensch, der seine Aufgabe vor allem aus Pflichtbewusstsein ausführt.

Eines Tages kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg wird ein schwer verletzter Junge aus dem Fluss gerettet; kurz darauf stirbt er jedoch an seinen Verletzungen. Er war eines der Waisenkinder der Stadt, die nirgendwo richtig dazugehören und meist auf von ihren Pflegefamilien leidlich durchgefüttert werden. Diese Pflegekinder hatten sich in Ermangelung anderer Freunde zusammengetan und sich oft bei der Hebamme des Ortes, Martha Stechlin, aufgehalten. Das alleine ist schon verdächtig. Und als man dann auf der Schulter des Jungen eine seltsame Tätowierung entdeckt, ist die Sache klar: Die Hebamme ist eine Hexe, die kleine Kinder totzaubert! Martha Stechlin wird also in den Kerker geworfen, der Henker soll ihr unter der Folter ein Geständnis entlocken und sie anschließend auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Erst dann wird wieder Frieden in die Stadt einkehren, so sind die Ratsherren und die meisten Bürger der Stadt überzeugt.

Dies wird umso drängender, als zwei weitere Kinder sterben, die ebenfalls Waisen waren – und die auch das Mal tragen (im Übrigen handelt es sich um das Zeichen der Venus, das früher wohl auch als Hexenzeichen betrachtet wurde). Dann brennt ein Warenlager ab, und die Baustelle des umstrittenen Siechenhauses wird sabotiert. Alles das Werk der Hexe und ihrer Mitverschwörerinnen?

Jakob Kuisl hat da seine Zweifel, zumal die Hebamme auch seine Kinder mit auf die Welt gebracht hat. Er muss deswegen schnellstmöglich die wahren Täter finden und kommt mit Hilfe des jungen Arztes Simon Fronwieser (der in die Henkerstochter Magdalena verliebt ist) auch allmählich einer Verschwörung auf die Spur.

Tja, um die Henkerstochter geht es dann doch relativ wenig. In erster Linie versuchen der Henker und der Medicus, den dunklen Machenschaften des ein oder anderen Bürgers auf die Spur zu kommen. Dabei gibt es anfangs und zur Mitte hin einige Längen, gegen Ende kommt es dafür zum überaus rasanten Showdown. Dieser war mir allerdings oft zu konstruiert, es gab einfach zu viele Zufälle, die den (guten) Protagonisten ein ums andere Mal den Hals retten. Vieles wird auch einfach stillschweigend angenommen. Der Zusammenhang zwischen den toten Kindern und der eigentlichen Verschwörung war mir persönlich etwas zu lose geknüpft und wirkte mehr zufällig als stichhaltig. Wohlwollend könnte man das allerdings auch als „falsche Fährte“ verbuchen, wie man’s nimmt…

Nun gut, bei der „Henkerstochter“ handelt es sich in erster Linie um leichte Lektüre zum Mal-eben-Weglesen; die Beschreibungen des Alltagslebens in dieser Kleinstadt sind recht anschaulich geraten, so dass das Lesen schon Spaß macht; wie so oft handelt es sich hierbei jedoch eher um eine Soap in Buchform. Ich glaube, die Fortsetzung(en) lass ich vorerst mal sein.

ISBN: 978-3548268521
507 Seiten
Ullstein Taschenbuch
€8,95
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