Léon und Louise – Alex Capus

1. November 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Auch wenn ihr Kennenlernen wenig spektakulär ist, werden Léon und Louise zu einem umso außergewöhnlicheren Liebespaar: Sie lernen sich während des Ersten Weltkriegs in einem kleinen französischen Dorf kennen, wo sie Botengänge für den Bürgermeister erledigt und er an der kleinen Bahnstation als Morseassistent arbeitet. Er ist fasziniert von dem irgendwie geheimnisvollen Mädchen mit dem quietschenden Fahrrad, und nach einem eher zögerlichen Kennenlernen beginnt auf einem Ausflug ans Meer so etwas wie eine erste Romanze zwischen den beiden. Auf der Rückfahrt jedoch geraten sie in einen deutschen Luftangriff und verlieren einander aus den Augen – Léon wird verletzt, und als er aus dem Krankenhaus ins Dorf zurückkehrt, wird ihm dort der Tod Louises bestätigt.

Nach einem Zeitsprung von zehn Jahren treffen wir Léon wieder – mittlerweile arbeitet er in einem Polizeilabor in Paris und hat mit seiner Frau Yvonne zusammen einen kleinen Sohn. Eines Tages sieht Léon aus der Metro heraus eine Frau, von der er sich sicher ist: Das muss doch Louise sein! Er sucht vergeblich nach ihr, doch dann ist es sie, die plötzlich vor ihm steht. Léon ist sofort wieder Feuer und Flamme. Sie landen zusammen in der Kiste (bzw. auf einer Decke am Waldrand), doch für Léon steht es zu keiner Zeit außer Frage, dass er Yvonne und seine Kinder (es folgen noch ein paar in den nächsten Jahren) niemals verlassen wird.

So ist es auch Yvonne, die von alldem weiß und es dennoch so akzeptiert, wie es ist: Sie führen eine gute, funktionierende Ehe und sind gute Freunde, aber sie weiß eben auch, dass ihr Léon seine Louise nie vergessen kann. Irgendwie arrangiert sie sich damit, auch weil sie um Léons Treue weiß und sich sicher sein kann, dass er ihr Arrangement nie aufkündigen wird.

Louise wiederum verbietet Léon nach diesem Wiedersehen ein weiteres Mal. Er soll nicht nach ihr suchen, nicht auf sie warten, sich nicht nach einer Beziehung mit ihr sehnen – und Léon fügt sich in sein Schicksal. Er kehrt in seinen Alltag zurück, ist weiterhin der treusorgende Familienvater und kommt auch einigermaßen unbeschadet durch die deutsche Besatzung von Paris und den Zweiten Weltkrieg.

Louise meldet sich in diesen Jahren nur gelegentlich per Brief: Zusammen mit beträchtlichen Goldreserven der Banque de France hat sie Frankreich auf dem Seeweg verlassen können und verbringt die Kriegsjahre im Senegal, von woher sie lange Briefe schreibt. Sie langweilt sich, sehnt sich nach Léon und berichtet ihm über ihren recht eintönigen Alltag – ohne zu wissen, ob er überhaupt noch lebt und ob sie sich jemals wiedersehen.

Es sei nur soviel verraten: Sie sehen sich (natürlich) wieder, aber auch dann wird es nie eine „gewöhnliche“ Beziehung werden.

Ich muss zugeben: Ich hätte gerne noch 100 oder 200 Seiten mehr gelesen – zum einen, weil man einige Szenen noch mehr hätte ausarbeiten können. Ein bisschen mehr hätte ich gerne über Louise erfahren, insbesondere darüber, was in ihr vorgeht. In manchen Situationen fand ich sie ein wenig zu eindimensional. Auch die gemeinsame Zeit der beiden nach dem Krieg kommt ein wenig zu kurz – obwohl ich natürlich weiß, dass das ja auch gar nicht der Schwerpunkt der Geschichte sein sollte. Aber mehr gelesen hätte ich gerne vor allem deswegen, weil mir diese Geschichte so gut gefallen hat. Insbesondere die Hauptcharaktere waren mir ziemlich sympathisch, so dass ich gerne etwas mehr Zeit mit ihnen verbracht hätte. Bleibt mir also nur, anderen ihre Gesellschaft wärmstens zu empfehlen.

ISBN: 978-3446236301
320 Seiten
Carl Hanser Verlag
€19,90
 
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