Der Trakt – Arno Strobel

11. November 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Sibylle Aurich passiert etwas, was so ziemlich der Alptraum eines jeden sein dürfte: Sie wacht in einem Krankenzimmer auf, wo man ihr sagt, sie habe nach einem Überfall zwei Monate lang im Koma gelegen. Doch als sie darum bittet, ihren Mann und ihren Sohn benachrichtigen zu dürfen, reagiert der Arzt seltsam ausweichend. Sibylle will jedoch nicht länger warten und entlässt sich kurzerhand selbst. Zum Glück wird sie von Rosie, einer etwas durchgeknallten älteren Dame aufgelesen, die ihr hilft und sie nach Hause bringt. Dort der Schreck: Ihr Mann erkennt sie nicht und erwidert auf die Frage nach ihrem Sohn Lukas, dass sie keinen gemeinsamen Sohn hätten. Das Spiel wiederholt sich ein paarmal: Auch Sibylles beste Freundin Elke und ihr Chef erkennen sie nicht, stattdessen ist ihr bald die Polizei auf den Fersen: Eine Sibylle Aurich gibt es tatsächlich, nur wurde diese vor einiger Zeit als vermisst gemeldet. Umso seltsamer, dass nun eine Frau auftaucht, die steif und fest behauptet, ebendiese Sibylle zu sein.

Bei Rosie findet Sibylle zunächst Unterschlupf, bis schließlich ein fremder Mann auftaucht, der sich als Christian vorstellt und sie vor Rosie warnt: Diese wolle ihr gar nicht helfen, sondern gehöre viel eher zur Gegenseite – eben jener Gegenseite, die auch seine Schwester entführt habe. Sibylle müsse sich in Acht nehmen und mit ihm zusammenarbeiten, dann könnten sie gemeinsam das Rätsel lösen. Gezwungenermaßen lässt sich Sibylle darauf ein und kommt auch, als sie ihrer Intuition und einigen Geistesblitzen folgt, allmählich der Wahrheit näher…

Also, etwas anderes als diese „Standard-Rezension“ inkl. Cliffhanger am Schluss fiel mir zu dieser Geschichte ehrlich gesagt nicht ein.

Zunächst einmal: Mit Sibylle bin ich nicht so recht warm geworden. Sie war mir viel zu eindimensional und hatte keine Eigenschaften, die sie irgendwie greifbar und sympathisch hätten wirken lassen. Auch die anderen Charaktere haben nicht wirklich viel Tiefe. Einige dieser Personen wechseln ein paarmal die Seiten bzw. es werden gezielt falsche Fährten gelegt – das soll die Leser wohl verwirren, aber wenn man nur ein klein bisschen seiner Intuition folgt, weiß man eigentlich, wer tatsächlich auf welcher Seite steht. Und sobald eine Person eindeutig als böse enttarnt wurde, macht sie ihre Rolle dann auch tatsächlich gut, komplett mit „fiesem Grinsen“ und so weiter.

(der nächste Absatz ist in weiß geschrieben wg. Spoilergefahr. Wer es lesen will, markiert den Text einfach)

Die Handlung an sich – nun ja. Ich hatte ja fast schon gehofft, dass das alles am Ende nur ein Traum/ein schizophrener Schub/irgendwas anderes „nicht Wirkliches“ gewesen ist – es war mir dann doch ein bisschen zu abgefahren. Es geht so in die Richtung „böser Wissenschaftler macht pseudo-geniale Erfindung und bedroht damit den Weltfrieden“, und das ist jetzt normalerweise außerhalb von gelegentlichen James Bond-Filmen nicht so mein Metier. Es kann vielleicht ganz nette Unterhaltung sein, wenn man sowas wirklich gerne liest, aber ich fands einfach zu übertrieben.

Sprachlich war das Ganze auch nicht sonderlich ausgefeilt. Ganz nett halt, zum Eben-mal-Weglesen im Bus. Aber gemessen an den vielen guten Rezensionen, die ich dazu gelesen hatte, war ich dann doch ziemlich enttäuscht.

Ich schätze mal, diese Unterkategorie von Psychothrillern, in die ich auch Fitzek stecken würde, ist für mich damit erledigt – fürs erste jedenfalls. Es hat seinen Reiz, mal ein paar dieser Geschichten zu lesen, aber tatsächlich der Hardcore-Fan werde ich wohl so bald nicht mehr werden.

ISBN: 978-3596186310
359 Seiten
Fischer Taschenbuch
€8,95
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