Die Zeit der Zugvögel – Katja Kallio

25. Dezember 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Uff, jetzt muss ich doch mal wieder was schreiben. Ich bin mittlerweile in der letzten Prüfungsphase meines Studiums und habe deswegen entsprechend wenig Zeit für andere Dinge. Es nervt ziemlich, aber immerhin ist es jetzt endlich mal absehbar.

„Die Zeit der Zugvögel“ hatte ich auch schon vor einigen Wochen ausgelesen, kam aber nie dazu, die Rezension fertigzuschreiben. Das sollte ich jetzt mal machen, so lange die Erinnerungen noch einigermaßen frisch sind…

Die meisten Menschen würde es wohl alleine schon aus der Bahn werfen, wenn eines Tages die Polizei vor ihrer Tür stünde und ihnen mitteilte, dass ihr Vater verstorben sei. Katariina Laakso dagegen war sowieso schon davon ausgegangen, dass ihr Vater bereits seit langen tot sei – sie hat nicht einmal mehr nennenswerte Erinnerungen an ihn. Jetzt muss sie stattdessen erfahren, dass er mit drei anderen Frauen noch weitere Kinder gezeugt hatte, ehe er alleine in einem Hotel in Tampere gestorben ist. Katariina erfährt also plötzlich von drei Halbgeschwistern – zwei Schwestern, die ebenfalls beide Katariina heißen, und einem Halbbruder namens Markus.

Katariina ist eine sehr seltsame Protagonistin. Oft hatte ich den Eindruck, sie lebe so vor sich hin, in ihrer eigenen Blase, die nicht einmal ihr Ehemann Olli so richtig durchdringen kann. Sie bleibt irgendwie komisch emotionslos und wirkt manchmal richtiggehend geisterhaft, wie sie da alle anderen machen lässt und so tut, als ginge sie das im Grunde gar nichts an.

Bei diesem Buch bin ich richtig unschlüssig, wie ich es denn jetzt finden soll. Wenn man schon an die Protagonistin nicht so recht rankommt, hat man eigentlich nur noch wenige Möglichkeiten, sich so richtig mit einem Buch anzufreunden. Aber auf der anderen Seite ist diese Geschichte mehr eine Charakterstudie mit exakten psychologischen Beobachtungen. Auch kleinere Nebenfiguren bekommen ihren Platz, wenn auch nur für eine Episode. Trotz dieser Genauigkeit, was die psychologische Darstellung anbelangt, sind mir die Charaktere jedoch kaum wirklich nähergekommen. Es blitzt manchmal ein bisschen was von einem Verstehen durch, aber gerade hinter Katariina Laaksos Fassade konnte ich überhaupt nicht schauen. Vielleicht, weil über sie als einzige nicht in der Ich-Form berichtet wird und wir deswegen nicht von ihr direkt über ihre Gefühle erfahren? Alle anderen lassen nach und nach ihre Masken zumindest ein Stückweit herunter und zeigen, dass ihre Fassade, die sie vor den anderen bewahren, eben nur das ist: Eine Fassade, hinter der im Zweifel ganz andere Gefühle versteckt werden.

Dieser Wechsel zwischen den Charakteren hat mir sehr gut gefallen – man hat es hier tatsächlich mit einem interessanten psychologischen Porträt einiger Erwachsener zu tun, die plötzlich gezwungen sind, ihre Kindheit und Jugend in einem anderen Licht zu sehen und Dinge, die sie für gesichert hielten, neu einzuordnen.

Ja, schwierig.

ISBN: 978-3810510730
352 Seiten
Originaltitel: Karilla
Krüger Verlag
€16,95
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