Im Auftrag der Väter – Oliver Bottini

6. Januar 2012 § 6 Kommentare

Wie bereits angekündigt, wollte ich nach dem zweiten Bottini den dritten nicht allzu lange warten lassen – deswegen ein dickes Dankeschön an Annina, die mir kurzerhand ein Exemplar zugeschickt hat!

Über ein Jahr ist vergangen seit den letzten Ermittlungen von Louise Bonì, die mir – soviel kann ich ja schonmal verraten – mit jedem Band mehr ans Herz wächst. Trocken ist sie zwar immernoch, jedoch ist noch nicht allzu viel Ruhe in ihr Leben eingekehrt. Ihr Wohnhaus wird umfangreich umgebaut, so dass sie quasi auf einer Baustelle haust und ihre aktuelle Männerbekanntschaft Marcel seinen Rotwein draußen auf dem Gerüst trinken muss.

Und prompt bekommt die Freiburger Kripo einen neuen, sehr seltsamen Fall übertragen: Eine Familie alarmiert die Polizei, weil ein Mann in ihren Garten eingedrungen ist – zunächst macht er nichts außer ins Fenster zu schauen, doch in der Nacht kommt er zurück, dieses Mal bis ins Haus, und stellt Paul Niemann, dem Vater, ein Ultimatum: Dieses Haus gehöre nun ihm, deswegen solle die Familie innerhalb von sieben Tagen verschwunden sein.

Dann ist er wieder weg, und die Polizei steht vor einem Rätsel. Was passiert in sieben Tagen? Ist das hier nur ein Verrückter, der sich die Familie zufällig ausgesucht hat, oder gibt es tatsächlich Berührungspunkte in der Vergangenheit?

Der einzige Anhaltspunkt ist der Akzent des Mannes, der von Paul Niemann als russlanddeutsch beschrieben wird. Niemann arbeitet bei der Stadt Freiburg und hatte beruflich mit Russlanddeutschen zu tun. Hatte er dort mit jemandem Probleme, könnte er jemanden beleidigt haben, der sich nun rächen will? Niemann verneint, zieht sich zurück, schweigt am liebsten und starrt an die Wand. Nicht gerade hilfreich.

Die Spur zu den Russlanddeutschen erweist sich bald als wenig stichhaltig, dafür ergibt sich ein neuer Anhaltspunkt: Paul Niemann war in den 1990er Jahren in München an der Rückführung von Flüchtlingen des Balkankrieges beteiligt – widerwillig zwar, aber Louise glaubt, hier den Schlüssel für die seltsamen Vorkommnisse in der Hand zu halten. Und als dann noch das Haus der Familie Niemann bis auf die Grundmauern abbrennt, ist es klar, dass sie den geheimnisvollen Mann schnell finden müssen, denn offensichtlich hat dieser noch eine Rechnung mit Paul Niemann offen.

Tja, was soll ich sagen? Ich mausere mich zum Bottini-Fan. Ich mag die leicht melancholische Grundstimmung hier – dazu passt natürlich der neblig-trüb-regnerische Freiburger Oktober als Kulisse wunderbar. Die Spannungskurve flacht zwischendurch auch mal wieder ab und ist selten so nervenzerfetzend, dass man unbedingt weiterlesen MUSS – aber ich merke so allmählich, dass ich das gar nicht immer brauche. Es braucht gar nicht immer ständig neue Wendungen, damit mich eine Geschichte fesselt. Umgekehrt heißt das aber auch: Wer gerne ebendiese rasante Spannung bei einem Krimi haben möchte, wird mit diesem Buch und mit Bottini allgemein wohl nicht so recht glücklich werden. Es ist – wie so vieles im Leben – einfach Geschmackssache.

Über den Lokalkolorit schwärmte ich ja bereits – da mein Wegzug aus Freiburg mittlerweile kurz bevor steht, habe ich mir schon vorgenommen, diese Reihe nochmal komplett zu lesen, sobald ich erste Freiburg-Sehnsucht verspüre. Bereits Weggezogene haben mich schon darauf vorbereitet. 😉 Zusätzlich lernt man hier noch einiges über ein Kapitel der europäischen Geschichte, das jedenfalls mir eher in Grundzügen präsent war – was damals auf dem Balkan los war, darüber sollte ich mich vielleicht auch der Allgemeinbildung wegen mal mehr informieren…

Auch hier ist es, wie schon beim Vorgängerband, ratsam, nicht mitten in der Reihe einzusteigen. Man kann zwar der Handlung ohne Weiteres folgen, aber es macht doch mehr Spaß, wenn man die Personen bereits kennt, von denen die Rede ist. Außerdem ist es spannend, die Entwicklung Louises mitzuverfolgen.

Ich denke, es wird klar: Das Lesen hat mir auch hier wieder sehr viel Spaß gemacht, Louise Bonì ist super und ich kann euch auch Band 3 der Reihe wärmstens empfehlen.

ISBN: 978-3596172672
448 Seiten
Fischer Taschenbuch
€8,95
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§ 6 Antworten auf Im Auftrag der Väter – Oliver Bottini

  • Sarah sagt:

    Was für eine gruselige Vorstellung! Bitte nicht böse sein, aber ich lese in Krimi-Rezensionen immer nur den Anfang und das Ende, um möglichst wenig über den Plot zu wissen – immer nur soviel, dass es reicht, damit ich entscheiden kann, ob spannend oder nicht. Und den Schluss lese ich, weil da oftmal was zum Stil, Autor, etc. steht 😉

    …. und dieses Buch klingt wirklich spannend – genau das Richtige für ein verregnetes Wochenende.

  • Julia sagt:

    Stimmt, die Vorstellung fand ich auch extrem gruselig, vor allem, wie es dann in dem Buch beschrieben ist – auch wenn ja (zunächst mal) nichts weiter passiert. Aber alleine die Vorstellung, dass da plötzlich eine fremde Person im Garten steht…
    Und nein, ich bin dir nicht böse, wenn du dir die Spannung bewahren willst! 🙂 Ich kann das gut verstehen, grade bei Krimis muss ich immer überlegen, wie viel ich von der Handlung preisgebe, damit man beim Lesen trotzdem noch mitfiebern kann. Ich denke, so bleibt noch einiges im Unklaren, so dass jede sich selbst ihr Bild machen kann.

  • War mir eine Freude, siehe Email! 🙂

  • Vielen Dank für die schöne Rezension, hab auf meinem Blog darauf verlinkt. 😉

  • Julia sagt:

    Dankeschön, werde dir sehr bald auf deine Mail antworten, bin nur grade sehr beschäftigt! 🙂

  • Julia sagt:

    Gern geschehen – danke für die Verlinkung! 🙂

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