Sorry – Zoran Drvenkar

26. Januar 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

So, ich bin auch wieder da. Hatte vor ein paar Tagen meine letzten Prüfungen, bin jetzt also offiziell und endlich mit dem Studium fertig und genieße grade meine freie Zeit, ehe es dann losgeht mit Umzug und Bewerbungen schreiben.

Entsprechend kam ich auch in den letzten Wochen nicht so richtig zum Bloggen (zum Lesen genauso wenig), hatte jedoch immernoch diese Rezi auf Halde. Bitteschön:

Zuerst einmal: Dieses Buch ist, was die Gewaltdarstellungen anbelangt, stellenweise schon sehr explizit, und das ist es auch, was es mir ein bisschen verdorben hat. Die Geschichte ist nämlich eigentlich echt gut, die Grundidee und der Aufbau haben mir gut gefallen.

Ich wollte grade schreiben, dass ja alles recht harmlos anfängt, dabei stimmt das gar nicht. Schon der Prolog enthält ein paar ekelige Szenen – aber eigentlich ganz gut, denn in diesem Stil geht es weiter, deswegen kann man sich ja schonmal drauf einstellen und könnte zur Not noch aussteigen.

Aber gut, jedenfalls ist der Beginn der eigentlichen Handlung recht harmlos. Vier Freunde – Tamara, Frauke und die beiden Brüder Kris und Wolf – haben an einem bekifften Abend eine gute Geschäftsidee: Wie wäre es, eine Agentur zu gründen, die sich für andere entschuldigt? Viel Startkapital braucht es nicht, keiner der vier hat einen wahnsinnig tollen Job, den aufzugeben für dieses Wagnis ein zu großes Risiko wäre, sie schalten also einfach ein paar Anzeigen und warten ab. Scheinbar hat die Welt auf diese Dienstleistung gewartet, denn schon bald haben sie prall gefüllte Auftragsbücher und suchen im Namen ihrer Auftraggeber entlassene Mitarbeiter, geprellte Ex-Geliebte und dergleichen auf, um sich zu entschuldigen und eine eventuelle Wiedergutmachung auszuhandeln. Sie können sich bald eine Villa am Wannsee leisten, richten diese halb als Büro, halb als WG her und können selbst gar nicht so recht glauben, das ihr bisher eher mäßiges Leben so eine Wendung erlebt hat.

Nur Wolf hat eines Tages das Pech, von einem Auftraggeber in eine verlassene Wohnung geschickt zu werden, wo er sich – bei der Leiche einer Frau entschuldigen soll. Und danach sollen dann die vier Freunde bitteschön die Leiche entfernen. Damit sie auch wissen, dass es der Auftraggeber ernst meint, finden sie Fotos, die der Täter offenbar von ihren Eltern und von Tamaras Tochter gemacht haben – er scheint also genau zu wissen, wer sie sind und wo er sie finden kann. Und da sie gesehen haben, zu was er fähig ist, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als die tote Frau mitzunehmen und die Leiche irgendwo loszuwerden. Aber damit ist es nicht genug, denn scheinbar scheint der Täter Gefallen daran zu finden, die Freunde in absurde Psychospielchen zu verwickeln, um ihnen irgendeine Lektion zu erteilen.

Ich muss mich hier etwas bremsen, sonst fang ich noch an zu spoilern. Ich schrieb ja bereits: Die Grundidee ist super, die Geschichte nahm für mich nach einem etwas verwirrenden Anfang auch Fahrt auf, aber diese zu expliziten Darstellungen von Gewalt, sexuellem Missbrauch und anderen Widerlichkeiten haben es mir ein bisschen vermiest. Die Geschichte, die hinter dem Ganzen steht, offenbart üble menschliche Abgründe und zerstörte Leben, und sowas ist für sich genommen ja schon heftig genug. Ob es da noch anschauliche Beschreibungen des Ganzen braucht, sei dahingestellt, für mich eigentlich eher nicht.

Interessant ist jedoch, dass  es zahlreiche verschiedene Erzählebenen gibt: Der Großteil der Geschichte wird aus der Perspektive von einem der vier Freunde erzählt, daneben gibt es noch eine Ebene mit Ich-Erzähler sowie eine, die in der 2. Person Singular geschrieben ist. UND es gibt noch die Perspektive eines „Mannes, der nicht da war“. Spannende Sache. Hilft zwar nicht beim Einsteig, aber man hat dafür ein schönes Gefühl, wenn sich gegen Ende ein Puzzleteil nach dem anderen an seinen Platz fügt.

Außerdem spannend, wie sich verschiedene Zeitebenen zu einem stimmigen Bild fügen und man sieht, wie sich die einzelnen Wege der Protagonisten – mit oder ohne Namen – bereits zu Beginn kreuzen, ohne dass jemand ahnt, wohin das alles noch führen wird.

Drvenkar versteht sein Fach schon, und ich würde gerne nochmal was von ihm lesen, nur eben bitte ohne soviel Gewalt. Denn ansonsten war es echt eine coole, spannende, durchdachte und überraschende Geschichte.

ISBN: 978-3548281834
400 Seiten
Ullstein Taschenbuch
€8,95
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