Lady Chatterley – D.H. Lawrence

21. März 2012 § 3 Kommentare

Oh, Lady Chatterley, der Skandalroman… Lange stand er in meinem Regal, immer wieder habe ich dann doch was anderes gelesen, auch weil mich (ich gestehe) die sehr klein und eng bedruckten Seiten etwas abgeschreckt haben. Aber aktuell ist es bei mir endlich mal wieder etwas entspannter, deswegen habe ich diesen Klassiker in Angriff genommen.

Die titelgebende Dame, Lady Constance „Connie“ Chatterley, lebt zusammen mit ihrem Ehemann Clifford auf einem Anwesen im England der 1920er Jahre. Besonders glücklich ist diese Ehe nicht: Clifford ist gelähmt aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt und sitzt seitdem im Rollstuhl. Da er zusätzlich auch impotent ist, bleibt die sexuelle Befriedigung in der Ehe insbesondere für Connie auf der Strecke – Clifford scheint mehr traurig darüber zu sein, dass er seiner Familie keinen Stammhalter schenken kann und sucht seine Erfüllung derweil in einer Karriere als Autor.

Entsprechend sucht Connie anderweitig nach Abenteuern, die sie jedoch auch nicht zufriedener machen – bis sie den eher eigenbrötlerischen Waldhüter ihre Mannes, Oliver Mellors, näher kennenlernt und sich zu ihm hingezogen fühlt. Was dann folgt, dürfte bekannt sein: Die adelige Lady und der einfache, nicht standesgemäße Mann gehen eine sprichwörtliche leidenschaftliche Affäre ein, die sich schließlich zu echten Gefühlen füreinander entwickelt. Clifford hat damit eigentlich auch gar kein Problem; er signalisiert seiner Frau, dass er, sollte sie schwanger werden, das Kind sogar adoptieren und als eigenes aufziehen werde. Doch Connie merkt immer mehr, was sie eigentlich will: Raus aus den zwar komfortablen, aber beengten Verhältnissen ihrer Ehe und ein einfacheres, aber glückliches Leben führen an der Seite des Mannes, den sie wirklich liebt.

Es geht hier allerdings nicht ständig zur Sache. Der Sex und die Erotik nehmen einen eher kleinen Teil der Geschichte ein. Jedoch ist die Suche Lady Chatterleys nach Liebe und sexueller Erfüllung über die meiste Zeit des Buches zumindest unterschwellig vorhanden und wird immer wieder thematisiert. Wenn es denn jedoch zur Sache geht, dann richtig. Lawrence geizt hier nicht mit detaillierten Beschreibungen und deutlichen Worten (kein Wunder, dass dieses Buch in einigen Ländern lange auf dem Index stand). Aber leider erinnerten mich viele Liebesszenen mehr an irgendwelchen drittklassigen Frauen-Schicksalsromane – und wenn ich etwas hasse, dann kitschige Liebesszenen in ansonsten ganz guten Geschichten. Wirklich. Ich glaube, dazu muss ich nochmal extra was schreiben.

Als Charakterstudie und als Sittenbild der damaligen Zeit ist „Lady Chatterley“ durchaus zu empfehlen. Wer jedoch in erster Linie gute erotische Literatur lesen will, sollte meines Erachtens nach lieber woanders suchen. Wie auch hier gilt allerdings immer: Vielleicht war nur die Übersetzung nicht die allerbeste, vielleicht gibt es mittlerweile eine neue Fassung oder man liest es gleich im Original – ist dann bestimmt auch ganz nützlich, wenn man die englischen Begriffe für sämtliche Geschlechtsorgane lernen will. 😉

Fazit also: Trotz einiger Längen auf jeden Fall lesenswert.

ISBN: 3-499-11638-3
280 Seiten
Originaltitel: Lady Chatterley’s Lover
rororo
€9,95
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