Das Mädchen, das sterben sollte – Glyn Maxwell

23. März 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Ein Buch als Experiment – mir ist jedenfalls noch kein Roman untergekommen, der ausschließlich aus Dialogen besteht.

Suzan Mantles Leben ist bisher nicht sonderlich von Erfolg gekrönt gewesen – sie lebt alleine im Haus ihrer ausgewanderten Eltern, verdient ein wenig Geld als Teilzeit-Fremdenführerin, wobei sie amerikanischen Touristen allerlei Unwahrheiten über Londoner Sehenswürdigkeiten erzählt und findet immer nur die falschen Männer.

Momentan ist grade Nigel dran, weswegen sich Suzan bei einer Wahrsagerin versichern will, dass sie dieses Mal den Richtigen gefunden hat. Doch die Dame denkt gar nicht daran, ihr diese Frage zu beantworten. Viel eher bekommt Suzan eine ziemlich verstörende Vorhersage: Sie werde bald berühmt werden und reich. Sie werde über Land und Wasser reisen. Sie werde einen geheimnisvollen dunklen Fremden treffen und Nein zu ihm sagen. Doch irgendwann werde sie Ja sagen, und am Tag darauf werde sie sterben.

Suzan ist natürlich geschockt und läuft weinend durch die Straßen: Sterben will sie mit 28 ja wohl noch nicht! Sie bekommt daher gar nicht mit, dass ganz England in Aufruhr ist: Auf ein Filmset in Libyen wurde ein Anschlag verübt und unter den Opfern befindet sich auch der sehr beliebte Schauspieler Thomas Bayne. Sofort sind Fernsehteams unterwegs, um die obligatorischen Stimmungsbilder einzufangen – und Suzan kommt ihnen gerade recht: Eine schöne junge Frau, traurig, offensichtlich geschockt vom Tod ihres Idols, die tränenüberströmt immer nur diese Worte stammelt: „Dem Tod wird kein Reich mehr bleiben!“. Damit nicht genug: Just in diesem Augenblick verbreitet sich die Nachricht, Thomas Bayne sei am Leben, nur durch ein Missverständnis wurde er für tot erklärt! Und sofort wird Suzan zur Prophetin dieses Wunders verklärt, ihr schönes tränenüberströmtes Gesicht taucht in den Nachrichtensendungen auf und ein Sturm bricht los.

Freunde und Ex-Lover werden interviewt, Fernsehteams belagern ihr Haus und rücken ihr auf die Pelle – doch Suzan weiß genau, was passiert: Die Prophezeihung erfüllt sich. Sie ist berühmt! Als sie ihr Konto überprüft, sieht sie, dass ihr jemand anonym eine Million US-Dollar überwiesen hat – sie ist also auch reich. Und es sieht ganz danach aus, als würden die drei anderen Prophezeihungen ebenfalls Wirklichkeit werden…

Alles in allem funktioniert diese Dialogsache erstaunlich gut – abgesehen davon, dass manchmal auch ziemlicher Stuss geredet wird, macht das Lesen ziemlich viel Spaß und dank Kursiv- und Fettdruck weiß man nahezu immer, wer gerade spricht. Hätte ich ja nicht gedacht.

„Das Mädchen, das sterben sollte“ ist eine Satire auf den Medienzirkus, der aus  absolut gewöhnlichen Menschen plötzlich wie aus dem Nichts große Stars produziert und diese ebenso schnell wieder verheizt. Ich denke, uns allen fallen da zur Genüge Beispiele ein. Aber so richtig zum Nachdenken gebracht wird man auf der anderen Seite nicht, da die Handlung durch die Dialogform wahnsinnig rasant ist und man keine erklärenden und reflektierenden Passagen zwischendurch findet. Die Leserin muss theoretisch also selbst zwischendurch mal innehalten und über das Gelesene nachdenken. Naja, theoretisch eben…

Die Story wird – und das ist ein kleiner Wermutstropfen – leider zunehmend abgedrehter, das Ende habe ich nicht so recht kapiert. Trotzdem will ich es hier weiterempfehlen. Ich würde zwar wetten, dass manche mit dem Buch auch überhaupt nichts anfangen können, aber ein paar mehr Leser hat es dann doch verdient.

ISBN: 978-3888975516
455 Seiten
Originaltitel: The girl who was going to die
Verlag Antje Kunstmann
€19,90
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