A Clockwork Orange – Anthony Burgess

5. Mai 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Wenn ein Autor für ein Buch schon eine eigene (Jugend)Sprache erfindet, ist schon das alleine ein Grund, es zu lesen. Und, wie ich finde, ist das hier ein Buch, das man auf jeden Fall in der Originalsprache lesen sollte.

Aber da es sich bei „A Clockwork Orange“ noch dazu um einen Klassiker handelt, auf den sich – ebenso wie auf die Verfilmung – zahlreiche Zitate der Popkultur beziehen, hat man noch mehr Gründe, sich dieses Buch schnellstmöglich anzuschaffen (abgesehen mal von dem Cover, das ich ja absolut gelungen finde!).

Also, worum gehts? Alex ist 15 und schon ziemlich krass unterwegs: Zusammen mit seiner Clique schlägt er wahllos Leute zusammen, vergewaltigt Frauen und bricht in Häuser ein. Die vier gehen dabei äußerst brutal vor – ein ziemlicher Gegensatz zu dem Charakter von Alex, der ansonsten auch klassische Musik mag und sich sehr eloquent und charmant ausdrücken kann und mich als Leserin damit ziemlich schnell um die Finger gewickelt hatte.

Nachdem eines ihrer Opfer an seinen Verletzungen gestorben ist, wird Alex verhaftet und zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Nach zwei Jahren bekommt er jedoch ein Angebot: Sofern er an einer neuen, innovativen Maßnahme zur Besserung von Straftätern teilnimmt (lies: Versuchskaninchen spielt), wird er vorzeitig entlassen. Alex stimmt natürlich zu, ohne zu wissen, dass diese Methode nichts anderes will als seine Persönlichkeit zu verändern. Von einem notorischen Kriminellen wird er bald zu einem Menschen ohne freien Willen – sobald er nur an Gewalt denkt,  wird ihm sofort schlecht. Er kann nur noch gut sein. Dies ist von der Regierung so gewollt, denn schließlich weiß man sich nicht mehr anders zu helfen, um der grassierenden (Jugend-)Kriminalität Herr zu werden. Da scheint es doch eine bequeme und günstige Möglichkeit, das Böse an sich auszumerzen – oder etwa doch nicht?

Wie schon erwähnt: Die Sprache (Nadsat) alleine ist schon spannend genug. Burgess wollte, dass sein Werk zeitlos bleibt und daher nicht auf einen existierenden  Jugendslang zurückgreifen. Also hat er kurzerhand einen erfunden, der sich vor allem russischer Vokabeln und shakespearschen Ausdrücken bedient. Nach kurzer Zeit hat man sich da erstaunlich schnell reingelesen und man versteht die Begriffe, ohne sie nachschlagen zu müssen oder zurückzublättern.

Viel wurde schon geschrieben über die Gewaltexzesse dieses Buches. Die gibt es, klar. Aber was ich erstaunlich fand: Gerade am Anfang, wo ich mich erst noch in Nadsat reinfinden musste, hat genau das eine gewisse Distanz aufgebaut zu den Gewaltbeschreibungen. Wenn von „the old in-out“ die Rede ist, klingt das halt nochmal ganz anders als „rape“. Ich weiß allerdings nicht, ob es anderen auch so geht/ging. Man muss eben erstmal alles für sich „übersetzen“, ehe man die (erschreckenden) Dimensionen tatsächlich versteht.

Vor lauter Sprache geht hier fast die eigentliche Story verloren: Es handelt sich um einen düsteren Zukunftsentwurf, wobei sich das Dystopische hier nicht so aufdrängt wie zum Beispiel bei 1984, sondern eher in der Reflexion sichtbar wird: Was wiegt mehr, das Gute (und das um jeden Preis) oder der freie Wille eines Menschen (der dann auch beinhalten kann, dass ein Mensch sich für das Böse entscheidet)? Wie sähe eine Gesellschaft aus, in der es nur gute Menschen gibt? Diese Frage ist hier nicht zu Ende gedacht, schließlich ist Alex der Erste, an dem diese Methode getestet wurde – er ist jedenfalls dem noch allgegenwärtigen Bösen in der Gesellschaft schutzlos ausgeliefert.

Was soll ich sagen? Die DVD mit der Verfilmung liegt schon bereit und ich bin gespannt, wie das Ganze filmisch umgesetzt wurde. Ich habe da große Erwartungen. Und ich glaube, auch das Buch habe ich nicht zum letzten Mal gelesen. It was horrorshow, O my brothers!

Update: Noch ein paar kurze Sätze zum Film, den ich mir mittlerweile auch mal angeschaut habe: Es ist natürlich schwer, einen Film mit einem derartigen Kultstatus auch nur ansatzweise objektiv anzuschauen. Meine ersten Gedanken waren: „Die spinnen da doch alle!“. Aber auf irgendeine seltsame und mir noch etwas unverständlich Weise wirkt der Film noch lange nach und erst im Nachhinein werden einem gewisse Zusammenhänge und Andeutungen klar. Wie im Buch geht es hier eben bei weitem nicht nur um die Gewalt. Ich bin aber ja keine Film- sondern eine Buchbloggerin, deswegen beschränke ich mich mal auf ein kurzes Fazit: Mal wieder eine Literaturverfilmung, die dem Buch absolut ebenbürtig ist – man sollte aber natürlich beides kennen, also sowohl das  Buch lesen und den Film schauen. Im Übrigen hatte ich schon vor einiger Zeit bei Ninia La Grande den Link zu einer Doku gefunden, wo man einiges Interessantes über die Entstehungsgeschichte des Films erfährt (Einbetten funktioniert nicht, deswegen folgt bitte diesem Link).

ISBN: 978-0141182605
141 Seiten
Deutscher Titel: Clockwork Orange
Penguin
€7,90
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