Ostfriesenangst – Klaus-Peter Wolf

12. Juni 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Eine Schulklasse aus Bochum kehrt vollkommen erschöpft und ohne ihren Lehrer von einer Wattwanderung zurück. Zunächst sieht es so aus, als hätte der Lehrer das Watt einfach unterschätzt und sei einem Unglück zum Opfer gefallen. Doch als deutlich wird, dass Herr Bollmann mehr als umstritten war, versuchen die Kripoleute um Ann Kathrin Klassen herauszufinden, ob nicht die Schüler ihren Lehrer auf dem Gewissen haben. Dies, zumal bald eine Leiche mit Schusswunden geborgen wird.

Doch schnell stellt sich heraus, dass es sich bei dem Toten nicht um Bollmann handelt, sondern um einen Mann des BKA, der mit seiner Dienstwaffe erschossen wurde. Und es kommt noch schlimmer: Er gehörte zu jenen Beamten, die den entlassenen Serienvergewaltiger und -mörder Eichinger bewachen sollten. Unnötig zu sagen, dass sich Eichinger seitdem auf der Flucht befindet, und das Urlaubsparadies Ostfriesland ist bald in heller Aufruhr.

Eine der Hauptverdächtigen unter den Schülern war Sascha Kirsch, der ganz besonders mit Bollmann im Clinch lag. Auf der Flucht vor der Polizei hat er Ann Kathrins Kollegen und Lebensgefährten Frank Weller verletzt, so dass dieser mit gebrochenem Bein ins Krankenhaus muss. Sascha ist seitdem mit seiner Freundin Laura verschwunden – sie haben Unterschlupf in der Ferienwohnung von Lauras Tante auf Wangerooge gefunden. Auf der Insel lernen sie George kennen, der sich schnell mit ihnen anfreundet und insbesondere Laura um den Finger wickelt. Was den beiden im Gegensatz zu uns Lesern nicht klar ist: Bei George handelt es sich um keinen anderen als um Eichinger, der wie sie auf der Flucht ist und dem das junge Pärchen gerade recht kommt, um einen letzten mörderischen Plan auszuführen.

Man ahnt es vielleicht schon: Die Handlung ist hier nicht gerade arm an Wendungen (und im Übrigen ist der Klappentext etwas irreführend). Das macht die Geschichte zum einen sehr spannend, aber zum anderen auch etwas verwickelt – weniger wäre hier vielleicht manchmal mehr gewesen. Es stellt sich außerdem die Frage, ob es nicht der ein oder andere Zufall zuviel gewesen ist. Eine weitere Eigenheit dieses Buches war, dass Nebencharaktere zum Teil sehr genau beschrieben werden – ich kann mich da nicht entscheiden, ob ich das charmant finde oder überflüssig. Na gut, manchmal ist es schon etwas nervig, wenn ein Charakter erstmal über zwei Seiten hinweg beschrieben und eingeführt wird und dann nur eine halbe Seite Handlung hat.

Manche der Charaktere sind etwas skurril, zum Teil auch holzschnittartig – der Macho-Kollege von Ann Kathrin beispielsweise hat immer und in jeder Situation einen Chauvispruch parat und bleibt sonst weitgehend eigenschaftsfrei.

Keine Frage: Wolf hat hier einige aktuelle Themen angeschnitten wie die Sicherheitsverwahrung von Sexualstraftätern, und auch Lynchaufrufe im Internet kommen vor. Grundsätzlich also keine schlechte Geschichte, nur hätte sie mir in einer entschlackten Version noch besser gefallen.

(Kleine Anmerkung zum Schluss: Ziemlich seltsam fand ich außerdem, wie bestimmte Autoren immer wieder lobend erwähnt werden; außerdem wird hier ziemlich plump Werbung für das Portal „Krimi-Couch“ gemacht. Und Schleichwerbung find ich in Büchern eigentlich nicht so knorke.)

ISBN: 978-3596190416
492 Seiten
Fischer Taschenbuch
€8,99
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