Stadt der Diebe – David Benioff

2. September 2012 § 2 Kommentare

Hach ja… Schon länger kein Buch mehr gelesen, in dem lustig und traurig so nah beieinander lagen.

Das Setting: Das belagerte Leningrad im Zweiten Weltkrieg. Lew und seine Freunde sind grade dabei, einen gefallenen deutschen Soldaten nach etwas Essbarem zu durchsuchen, als sie von der Polizei überrascht werden. Lews Freunde können fliehen, er selbst wird festgenommen und landet im Gefängnis. Er weiß: Auf Plünderung steht die Todesstrafe. Insofern wartet er auf seinen sicheren Tod – doch als die Tür zu seiner Zelle aufgeht, tritt nicht der Sensemann ein, sondern ein weiterer Gefangener. Kolja soll von der Roten Armee desertiert sein, auch dies ein Kapitalverbrechen. Doch noch hat ihr letztes Stündlein nicht geschlagen: Wenn sie es schaffen, für die Tochter des Geheimdienstobersts zwölf Eier zu besorgen (sie wünscht sich eine richtige Hochzeitstorte, mit allem Drum und Dran…), werden sie am Leben gelassen.

Doch woher die Eier nehmen? Leningrad ist ausgehungert, die beiden Jungs bekommen selbst kaum etwas in die Mägen. Auf dem örtlichen Schwarzmarkt gibt es zwar Lebkuchen aus Pappe und Würstchen unbekannten Ursprungs zu kaufen, aber beileibe keine Eier. Und so müssen sich die beiden einiges einfallen lassen und einige Abenteuer bestehen, um am Ende vielleicht doch ihr Leben zu retten.

Sie sind schon ein komisches Gespann: Lew, dessen Vater, ein Dichter, vom NKWD abgeholt wurde und der wegen seiner krummen Nase regelmäßig als „Jude“ verspottet wird; dazu Kolja, der dagegen als Bilderbuch-Arier durchgehen könnte, trotz des Hungers noch immer pausenlos an Sex denkt und absolut keine Zweifel an seiner Großartigkeit hat. Die beiden verbindet erst eine Art Hassliebe, dann eine echte Freundschaft und die Dialoge sind zum Teil wirklich wunderbar. Ich habe sie ja beide ins Herz geschlossen, auch wenn Kolja manchmal etwas anstrengend war – dass er trotzdem nie unsympathisch wurde, ist wohl volle Absichts Benioffs gewesen.

Erzählt wird die Geschichte übrigens aus Lews Sicht – in der Retrospektive, als er seinem Enkel davon erzählt. Inwieweit es hier biografische Elemente gibt (immerhin heißt Lew mit Nachnamen Beniow), ist nicht überliefert oder jedenfalls mir nicht bekannt. Aber es ist doch auch schön, über solche Dinge zu spekulieren.

Fazit also: Eine sehr schöne Geschichte, die einen immer wieder zum Lachen oder Schmunzeln bringt, aber die traurigen und grausamen Seiten dieses Krieges nicht ausspart. Und eine Geschichte, die ich euch sehr gerne weiterempfehle.

ISBN: 978-3453407152
384 Seiten
Originaltitel: City of Thieves
Heyne
€9,95
Advertisements

§ 2 Antworten auf Stadt der Diebe – David Benioff

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Stadt der Diebe – David Benioff auf Besser lesen.

Meta

%d Bloggern gefällt das: