Nach Ansicht meiner Schwester – Doja Hacker

22. Januar 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

IMG_6551In diesem recht dünnen Roman geht es um zwei Schwestern: Die namenlose Ich-Erzählerin ist die ältere der beiden. Von Beruf Journalistin, scheint sie aber kaum zu arbeiten, sondern eher Mittagsschlaf zu halten, Kaffee zu trinken und zu ihrem Freund Jan nach Polen zu fahren. Die beiden wohnen gemeinsam in Jills Wohnung – die Erzählerin zog dort ein, nachdem ihre letzte Beziehung in die Brüche gegangen war. Jill ist zwar die Jüngere, aber sie scheint oft die Bodenständigere zu sein, auch wenn sie selbst in Sachen Männern nicht immer das glücklichste Händchen hatte.

Beide Schwestern verbindet bei aller Unterschiedlichkeit die gemeinsamen Erfahrungen in der Kindheit und mit der Trennung der Eltern – beides Themen, die in Rückblenden und Episoden immer wieder thematisiert werden. Sowieso wird hier nicht stringent erzählt, Geschehnisse aus der Gegenwart wechseln sich ab mit Geschichten aus der Kindheit oder aus dem letzten Jahr. Da dies nicht weiter kenntlich gemacht wird und auch ohne Anführungszeichen gearbeitet wird, entsteht so ein etwas unsteter Erzählfluss, in etwa so, wie wenn man einer etwas fahrigen Freundin beim Berichten zuhören würde.

Auch die Männer werden natürlich thematisiert, aber während Jill zuletzt zumindest eine momentan glückliche Beziehung zu einem verheirateten Stadtplaner führt, hat die Erzählerin weiter Pech: Zwar kauft sie zusammen mit ihrem Jan sogar einen kleinen Bauernhof irgendwo in Polen, die beiden bleiben sich aber trotzdem fremd. Man hat nicht das Gefühl, das läge an der fehlenden gemeinsamen Sprache, sondern daran, dass die beiden Leben, die sie bisher geführt haben, nicht so recht zu- und aufeinanderpassen. Zuletzt endet auch diese Beziehung mit der Trennung, die aber trotzdem versöhnlich vonstatten geht.

Letztlich geht es hier um den Alltag, wie ihn vielleicht in irgendeiner Form viele junge Frauen zwischen 20 und 30 führen. Noch haben die beiden ihren Platz nicht gefunden, sind trotz allem ungebunden, die Zukunft und das weitere Leben sind letztlich noch offen und unentschieden. Noch wirken die Schwestern nicht sonderlich erwachsen. Nur in einzelnen Momenten hatte ich das Gefühl, dass hier eine gewisse Reife zu erkennen ist. Für viele könnte diese Geschichte bestimmt einen Nerv treffen, weil es viel von dem Lebensgefühl der 00er und 10er Jahre einfängt.

Während des Lesens war ich trotzdem etwas zwiegespalten. Zwischendurch nervte mich der Ton der Erzählung, der unklare Verlauf der Geschichte und die Erzählerin allgemein. Dann wieder war ich durchaus angetan von der Geschichte und den zum Teil skurrilen Figuren darin. Aber letztlich spiegelt das ja ganz gut die Gefühle wieder, die man selbst oft genug zu seiner eigenen Familie hat… 😉

ISBN: 978-3492041805
159 Seiten
Piper
Buch vergriffen, gebraucht für ein paar Euro zu haben.
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