Ohne ein Wort – Linwood Barclay

22. Januar 2013 § 2 Kommentare

IMG_6557Cynthia und Terry führen eigentlich eine ganz gut Ehe. Sie haben eine gemeinsame Tochter, Grace, und könnten eigentlich recht zufrieden sein. Könnten, wäre da nicht Cynthias Vergangenheit: Eines Abends, als sie 14 war, wurde sie von ihrem Vater beim Knutschen mit einem einen Typen  ertappt, mit dem sie sich lieber nicht hätte abgeben sollen. Ihre Eltern sind entsprechend sauer, zumal Cynthia stockbesoffen ist. Es kommt zum Streit, während dem böse Worte fallen. Danach verzieht sich Cynthia auf ihr Zimmer, um ihren Rausch auszuschlafen. Als sie jedoch am nächsten Morgen aufsteht, ist von ihrer Familie keine Spur zu sehen. Ihre Eltern sind fort, ebenso ihr Bruder Todd. Keine Nachricht, kein benutztes Frühstücksgeschirr und gemachte Betten. Sie wird nie wieder etwas von ihnen hören, zieht schließlich zu ihrer Tante Tess und wächst dort auf. Als Erwachsene ist sie in Therapie, weil sie noch immer nicht mit ihrer Vergangenheit klargekommen ist. Sie quälen Schuldgefühle und die Ungewissheit, was damals passiert ist und ob ihre Familie überhaupt noch lebt. Als letzten Strohhalm ergreift sie das Angebot einer TV-Show, in der der Fall noch einmal beleuchtet wird und sie dazu interviewt wird.

Ihr Ehemann Terry (der gleichzeitig auch den Ich-Erzähler gibt) sieht das Vorhaben kritisch, zumal Cynthia angespannter denn je scheint. Und tatsächlich geschehen kurz darauf eigenartige Dinge: Es kommen anonyme Anrufe und E-Mails, die darauf schließen lassen, dass dort etwas über den Verbleib der Bigges zu wissen scheint. Dann wird sogar noch ins Haus eingebrochen und der alte Hut von Cynthias Vater liegt in der Küche. Als dann schließlich ein Brief eingeworfen wird, der eindeutig auf Terrys alter Schreibmaschine geschrieben wurde, wird das Ganze komplett mysteriös und Cynthia immer nervöser. Sie meint sogar, ihren Bruder in einem Einkaufszentrum gesehen zu haben. Unnötig zu sagen, dass er nicht Todd Bigge heißt und sie ganz offensichtlich nicht kennt…

Als es dann jedoch zu gewaltsamen Todesfällen im Umfeld von Cynthia und Terry kommt, bestimmte Personen beginnen, sich seltsam zu verhalten und Cynthia schließlich durchdreht und zusammen mit Grace ins Auto steigt und verschwindet, ist auch Terry gezwungen, nicht mehr nur an Hirngespinste zu glauben, sondern selbst nachzuforschen…

Ich hatte zu diesem Buch öfter mal gelesen, einzelne Leserinnen hätten sich schon recht früh denken können, was hinter diesem Fall stecke. Das habe ich gar nicht so empfunden, die Spannung blieb mir erhalten (auch wenn man im Rückblick merkt, dass es schon relativ früh in der Geschichte Hinweise auf so manches gibt, was aber erst im kompletten Zusammenhang Sinn macht). Ich fand dieses Buch stellenweise ziemlich gruselig, das muss ich gestehen. Das sind dann die Szenen mit richtigem Psychothrill. Im letzten Drittel hat es fast mehr Krimi-Momente, ein ordentlicher Showdown inklusive.

Alles in allem ein ganz guter Thriller, allerdings kein Meilenstein – in diesem Jahr werde ich bestimmt noch bessere, aber bestimmt auch schlechtere Bücher lesen.

ISBN: 978-3548267432
492 Seiten
Originaltitel: No Time for Goodbye
Ullstein
€8,95
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§ 2 Antworten auf Ohne ein Wort – Linwood Barclay

  • Maren sagt:

    Das war ja das erste Buch von Barclay, und ich bin wirklich auch erst sehr spät auf den Trichter gekommen bzw hat mich die Auflösung total überrascht! Mir hat das Buch total gefallen damals, ist allerdings schon Jahre her bei mir. Ich fand allerdings auch alle nachfolgenden Barclays dann auch nicht mehr so gut.

  • Julia sagt:

    Barclay sagte mir ehrlich gesagt vorher überhaupt nichts, ich habe das Buch nur von meiner Tante übernommen, als die bei sich ausgemistet hat. Aber ich denke, dass ich vorerst nichts mehr von ihn lesen werde, so herausragend war es dann nicht. Gibt so viel anderes… 🙂

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