Totengleich – Tana French

20. April 2013 § Ein Kommentar

IMG_6684So so, es gibt also auch eine Art Frühjahrsmüdigkeit, was das Rezensieren von Büchern angeht; genauer gesagt handelte es sich in meinem Fall um eine ausgewachsene Schreibblockade. So wie es scheint, habe ich die aber fürs Erste überwunden (lange genug hat es schließlich gedauert) und ich hoffe, dass ich soweit alles Wichtige im Gedächtnis behalten habe.

„Totengleich“ ist der Vorgänger zu „Sterbenskalt„, den ich letztes Jahr rezensiert hatte. Die Bücher der Serien sind aber nur lose miteinander verbunden. Frank Mackey, der im dritten Band die Hauptrolle spielt, ist hier der Chef der Protagonistin, Cassie Maddox.

Cassie ist eine talentierte Undercoveragentin. Bei ihrem letzten Einsatz wurde sie jedoch schwer verletzt und hat sich in eine Abteilung versetzen lassen, wo sie Fälle von Häuslicher Gewalt bearbeitet. Da bekommt sie einen Anruf: Sie solle an einen Tatort kommen und sich etwas anschauen. Ihr Freund Sam, der bei der Mordkommission arbeitet, klingt höchst besorgt, so dass sie sich sofort auf den Weg macht. Vor Ort versteht sie dann Sams Aufregung: Die Tote gleicht ihr bis aufs Haar. Sie wurde erstochen in einem kleinen, verfallenen Cottage gefunden, es gibt keine Hinweise, was passiert sein könnte.

Bald stellt sich heraus: Die junge Frau war Doktorandin an der Universität in Dublin und lebte gemeinsam mit vier Freunden in einem alten Herrenhaus auf dem Land. Die fünf schienen gerne unter sich zu sein, bildeten eine verschworene Gemeinschaft und verhalten sich natürlich während der Vernehmungen wenig kooperativ. Als sich herausstellt, dass sich Lexie – so der Name der Toten – im ersten Stadium einer Schwangerschaft befand und dass die fünf Studenten im benachbarten Dorf alles andere als beliebt waren, kommt Frank mit einer Idee um die Ecke: Cassie solle die große Ähnlichkeit mit Lexie nutzen und sich undercover in das Haus einschleichen. Den vier Freunden hat er praktischerweise erzählt, Lexie sei schwer verletzt und liege im Koma, es sei nicht möglich, sie zu besuchen, man würde sie aber auf dem Laufenden halten. Nur so, argumentiert Frank, könnte man wirklich herausfinden, was dort los war und wie Lexie ums Leben kam.

Cassie hat nach ersten Zweifeln schnell Blut geleckt und bereitet sich akribisch auf ihren Einsatz vor. Sie studiert Fotos und Handyvideos, um Lexie kennenzulernen und bestmöglich kopieren zu können.

Schließlich wird sie als die Genesene zurück in die WG gebracht und muss nun den Spagat hinbekommen, zum einen ihre Rolle möglichst gut zu spielen, zum anderen herauszufinden, wie und wieso Lexie sterben musste.

Die Fünf – neben Lexie noch Daniel, der Erbe des Hauses, Rafe, Justin und Abby – sind ein eingeschworenes Team. Kaum ein Moment, den sie nicht gemeinsam verbringen, kaum ein Augenblick im Tagesablauf, der nicht durchgetaktet wäre und in dem alle eine beeindruckende Eingespieltheit beweisen. Cassei wird schnell klar: Die Freunde hatten sich ein Bollwerk gegen die Welt geschaffen und schaffen es – auch durch Regeln wie „Keine Vergangenheit!“ – sich ihre eigene kleine Familie zu schaffen. Sie scheinen auf den ersten Blick wahnsinnig harmonisch und zufrieden zu sein, ehe es deutlich wird, dass hinter dieser Fassade irgendetwas brodelt und zu immer größeren Spannungen führt. Noch dazu wird sie den Verdacht nicht los, dass Daniel irgendeinen Verdacht geschöpft hat…

Mir gefällt diese Reihe zunehmend. Cassie war mir sehr sympathisch, ich würde ihr gerne noch einmal wieder begegnen. Die Story dieses Bandes war sehr spannend und gut konstruiert, wenn es auch zwischendurch einige Längen gab. Aber die Idee, die dem Ganzen zugrunde liegt, ist mal eine neue, und alleine deswegen lohnt sich die Lektüre. Mehr von Tana French, bitte!

ISBN: 978-3596175437
784 Seiten
Originaltitel: Likeness
Fischer Taschenbuch
€8,95
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§ Eine Antwort auf Totengleich – Tana French

  • Antje sagt:

    Ich habe letzte Woche diesen Teil der Reihe gelesen und ich bin genauso begeistert von dem Buch wie du. Ich hatte damals mit dem ersten Buch der Reihe in hörbarer Form angefangen, die leider gekürzt war. Als ich jetzt „Totengleich“ gelesen hatte, ist mir aufgegangen, dass man bei Tana French sehr viel verpassen kann, wenn man sie gekürzt hört.
    Die Neuartigkeit ihrer Idee, die sich von anderen Krimireihen unterscheidet, gefällt mir auch sehr gut. So lernt man die Charaktere wirklich sehr intensiv kennen. Ich habe den dritten Band noch vor mir, werde den ersten Band auch noch mal als Buch lesen. Und freue mich dann sicher schon sehr auf den vierten Teil, der dann hoffentlich auch mal als Taschenbuch vorliegt.
    Ich lasse dir liebe Grüße da!
    Antje

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