Das Ende einer Affäre – Graham Greene

22. April 2013 § 4 Kommentare

IMG_6699Ja, ich habe hier tatsächlich noch einen schönen Halblederband aus den 1950ern ergattert – meine Eltern haben ihren Keller aufgeräumt und dabei einige Bücher zu Tage gefördert, die wohl mal meinem Opa gehört hatten. Irgendwer hatte in diesem Buch sogar manche Stellen mit Bleistift markiert, wer das wohl war…? 😉

Der Ich-Erzähler in dieser Geschichte ist der Schriftsteller Maurice Bendrix. Maurice hatte in den letzten Kriegsjahren eine Affäre mit der verheirateten Sarah; diese beendete das Verhältnis damals, woraufhin sich die beiden zwei Jahre lang nicht mehr gesehen haben. 

Eines Abends trifft Maurice jedoch Henry, Sarahs Mann. Henry ist ein eher biederer, man möchte sagen langweiliger, Beamter und eigentlich kann Maurice ihn aus naheliegenden Gründen nicht ausstehen, Trotzdem fragt er ihn, ob er mit ihm etwas trinken gehen möchte. Henry willigt ein und schüttet Maurice sein Herz aus: Er vermutet, dass Sarah ihn betrügen könnte – ob er nicht einen Privatdetektiv engagieren sollte, um seinen Nebenbuhler zu enttarnen? 

Damit bringt er jedoch Maurice auf die Idee, der an Henrys statt den Detektiv, Mr. Parkis, aufsucht. Dieser beschattet Sarah schließlich und entdeckt, dass sie regelmäßig eine bestimmte Wohnung aufsucht. 

Maurice wird zunehmend eifersüchtig, zumal er Sarah in der Zwischenzeit wieder gesehen hat. Er liebt sie letztlich noch immer und kann den Gedanken nicht ertragen, einen weiteren Nebenbuhler zu haben. 

Mr. Parkis gelingt es sogar, ihm Sarahs Tagebuch zu beschaffen. In der Folge kann Maurice – gleichfalls auch für uns Leser – die Affäre von damals rekapitulieren und erkennen, welche Sicht Sarah auf die Dinge und auf die Zeit danach hatte. Diese Rückblenden kommen übrigens im Laufe des Buches selbst immer wieder vor. Auf diese Weise fügt sich nach und nach ein Bild der Affäre – und ihres Endes – zusammen und man versteht nach und nach die Beweggründe der Handelnden. 

Ich muss leider gestehen, dass ich – trotz sehr interessanter Charaktere und einer guten und spannenden Geschichte – nicht so richtig in die Handlung reinfinden konnte. Das lag vielleicht an den immer wieder eingestreuten, philosophischen Abhandlungen über Gott und die Liebe, die zum letzten Drittel hin zunehmen und denen ich nicht immer so ganz folgen konnte. Ehrlich gesagt: Sie haben mich auch nicht so sehr interessiert, als dass ich mich besonders angestrengt hätte. 

Wahrscheinlich war das mein Fehler, wahrscheinlich sollte man dieses Buch, das ansonsten wie gesagt durchaus interessant ist, nur dann lesen, wenn man grade für solche Themen empfänglich ist und auch gerne mal dickere Bretter bohrt. 

Ich möchte nicht ausschließen, dass ich das Buch in ein paar Jahren nochmal lesen werde. Vielleicht war es momentan auch einfach nicht die richtige Phase dafür. 

ISBN: 978-3423127769
256 Seiten
Originaltitel: The end of the affair
dtv
€8,90
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§ 4 Antworten auf Das Ende einer Affäre – Graham Greene

  • zeilentiger sagt:

    Das wundert mich nicht, dass du nicht so recht in das Buch reingefunden hast! Graham Greenes philosophische (und oft selbstquälerisch-katholische) Überlegungen sind oft etwas zäh – und aus heutiger Sicht einfach unnötig und uninteressant, wie ich finde. Und auch davon abgesehen, fand ich diesen Roman ein bisschen quälend. Trotzdem finde ich gut, dass du dich von Graham Greene nicht abhalten lassen wirst. Denn er ist (trotzdem) ein großartiger Schriftsteller. Seine „Stunde der Komödianten“ gehört zu meinen Lieblingsromanen überhaupt und auch manche seiner auf den ersten Blick nicht ganz so zugänglichen Werke können – wie du es selbst schreibst – beim zweiten Lesen interessanter sein als gedacht (mir beim „Orient-Express“ so ergangen).

  • Julia sagt:

    Ich habe hier noch „Unser Mann in Havanna“ rumstehen, die beiden Bücher waren noch von meinem Opa. Ich muss mal schauen, wann ich mal wieder Lust darauf habe oder ob ich nicht irgendwann das Buch ungelesen weggeben werde.
    Greene wurde mir jedenfalls schon von mehreren Seiten empfohlen, so dass ich irgendwie noch nicht ganz aufgeben will. 😉 Die beiden Titel, die du nennst, wären ja vielleicht auch keine schlechte Idee.

  • zeilentiger sagt:

    „Unser Mann in Havanna“ ist lustig (das ist ja Greene beileibe nicht immer), das finde ich auf jeden Fall empfehlenswert.

  • Julia sagt:

    Ah, cool. Das klingt gut. 🙂

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