Schilf – Juli Zeh

2. September 2013 § 2 Kommentare

IMG_7261So, wie ich mich kenne, hatte ich mir ausgerechnet dieses Buch von Juli Zeh auf die Wunschliste gesetzt, weil es in Freiburg spielt. Das mit dem Lokalkolorit können zwar andere besser (Bottini zum Beispiel), aber trotzdem hat mir „Schilf“ sehr, sehr gut gefallen.

Um was es geht? Um die Physik im Allgemeinen und die Frage nach der Möglichkeit von Zeitreisen im Speziellen. In erster Linie ist es aber ein Krimi. Und letztlich steht hinter alldem die Frage, ob die Wirklichkeit, in der wir leben und die wir wahrnehmen, wirklich einzigartig ist oder ob sie vielleicht nur eine Möglichkeit unter vielen ist.

Okay, das war eine Einleitung, die maximal viele Leser vergraulen dürfte. Bitte nicht – sonst verpasst ihr ein tolles, durchdachtes und sehr außergewöhnliches Buch. Deswegen einiges zum Plot: Sebastian und Oskar haben sich während des Physikstudiums angefreundet. Sebastian ist mittlerweile Professor an der Uni Freiburg, mit Meike verheiratet und Vater eines Sohnes namens Liam. Oskar forscht am CERN in Genf und besucht Sebastian und seine Familie einmal im Monat. Die beiden verbindet seit dem Studium eine fast symbiotische Beziehung, eine engstmögliche Freundschaft. Doch dann passieren eigenartige Dinge. Kurz nach Oskars letztem Besuch fährt Meike zum Rennradfahren in die Alpen. Sebastian soll Liam ins Pfadfinderlager bringen und freut sich danach auf ein bisschen freie Zeit. Doch dann verschwindet das Auto samt Liam von einem Rasthof, während Sebastian nur kurz auf der Toilette ist. Kurz darauf bekommt er einen Anruf mit der Botschaft: „Dabbeling muss weg!“ Als Druckmittel habe man Liam entführt. Dabbeling ist ein Rennradkollege von Meike und Arzt an der Uniklinik, und offenbar in einen Medizinskandal verwickelt. Offenbar will sich jemand an ihm rächen, und Sebastian könnte als der eifersüchtige Ehemann ein gutes Motiv haben.

Kurzum: Das Auto ohne Liam darin taucht bald wieder auf und Sebastian sieht nach quälenden Stunden des Nachdenkens keine andere Möglichkeit, als den Auftrag tatsächlich auszuführen und Dabbeling zu töten. Doch kurz nachdem er dies getan hat, meldet sich Liam putzmunter aus dem Ferienlager – was also ist passiert?

Hier setzt eigentlich erst so richtig die Krimihandlung ein, da auch der namensgebende Kommissar Schilf aus Stuttgart anreist, um zu ermitteln. Doch ein konventioneller Krimi wird es trotzdem nicht, wie ich bereits in der Einleitung angedeutet habe. Juli Zeh schafft es interessanterweise, diese ganze doch eher abstrakte Physik, um die es geht, so zu verpacken, dass es auf einmal das Spannendste und Faszinierendste auf der Welt wird. Man liest nicht oft einen Roman, der seine Message so zugänglich und spannend verpackt, der nicht zu geschwätzig wird und der die Geschichte und die dahinterliegende Theorie so schlüssig und sprachlich gekonnt miteinander verbindet.

Ich finde es fast ein bisschen schade, dass ich Juli Zeh als Autorin so spät entdeckt habe – aber was solls, ich lese einfach demnächst noch mehr von ihr.

ISBN: 978-3895614316
384 Seiten
Schöffling
€19,90
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§ 2 Antworten auf Schilf – Juli Zeh

  • „Okay, das war eine Einleitung, die maximal viele Leser vergraulen dürfte.“
    Neinneinnein…mich nicht! Ich suche genau nach solchen Büchern, also Romane, in denen aktuelle Forschung eine Rolle spielt, in denen das „was wäre wenn“ thematisiert wird, kritisch oder auch utopisch…
    Vielen Dank für die Rezension, ich werde das Buch auf jeden Fall auf meine Weihnachtswunschliste setzen!

  • […] ich von meiner ersten Zeh-Lektüre so begeistert war, habe ich mich jetzt an einen ihrer aktuelleren und vielgelobten Romane gemacht. Und ich konnte mir […]

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