Reisen ins Reich – Oliver Lubrich

15. Oktober 2013 § 4 Kommentare

IMG_7388Eine spannende Frage: Wie haben Ausländer, die das Dritte Reich bereisten, das System wahrgenommen und analysiert? Haben sie die Gefahr des Nationalsozialismus erkannt oder ließen sie sich zunächst auch von der Propaganda blenden? Und wie wurde das Regime beurteilt, als der Krieg bereits ausgebrochen war?

Oliver Lubrich hat sich dieser Fragen angenommen und unterschiedlichste Berichte von ausländischen Autoren zusammengestellt, die während der Nazizeit in Deutschland waren. Manche waren nur kurz auf Durchreise, manche lebten mehrere Jahre dort (in der Regel als Korrespondenten), einige kannten Deutschland schon zur Weimarer Zeit, andere lernten nur das Dritte Reich kennen.

Es schrieben bekanntere und unbekanntere Autorinnen und Autoren über ihre Zeit in Deutschland. Wir finden hier reine Reiseberichte, in denen der Nationalsozialismus nur kurz gestreift wird (und dennoch oft klar charakterisiert wird) neben tiefergehenden Analysen. Spannend ist, wie unterschiedlich schnell die Schreibenden die Zeichen der Zeit erkannten: Einige packten bereits in den ersten Jahren ihre Koffer, wo andere noch durchaus positiv über Hitler dachten. Auch merkt man in den Berichten deutlich, wie der Krieg näher rückt und immer häufiger über Bombenangriffe und Kriegshandlungen die Rede ist.

Alles in allem ist dieses Buch jedenfalls sehr interessant und spannend zu lesen – solche Blicke von außen sind höchst lehrreich und helfen, einen etwas umfassenderen Blick auf die Dinge zu bekommen. Einzig hätte ich mir gewünscht, etwas weniger über Berlin und etwas mehr über den Rest von Deutschland zu lesen. Aber das ist wohl der Tatsache geschuldet, dass die meisten Korrespondenten und Botschaftsangehörige eben dort in der Hauptstadt tätig waren.

ISBN: 978-3442737499
448 Seiten
btb Taschenbuch
€10,00
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§ 4 Antworten auf Reisen ins Reich – Oliver Lubrich

  • Xeniana sagt:

    Klingt wirklich interessant.Ich frage mich ja immer wieder , wie es zu solchen Disastern in der Geschichte kommen kann. Und zum Thema der Vorzeichen. Im Buch “ Die Geister die uns folgen“ beschreibt die Autorin, wie sehr Menschen geneigt sind die Vorzeichen eines Krieges zu ignorieren. Ich unterliege ja mal wieder einem BUchkaufverbot, aber vielleicht bekomme ich dieses ja in der Bibliothek.

  • Ich habe dieses Buch vor einiger Zeit gelesen und fand es auch sehr gut – vor allem, da es ja Berichte aus dieser Zeit sind, also ganz unmittelbar kommentierend, ohne den verfremdenden Blick aus einer späteren Perspektive.

  • Julia sagt:

    Da solltest du auf jeden Fall mal schauen, denn es ist echt lesenswert!
    Die Sache mit den Vorzeichen ist einer der spannendsten Aspekte des Buches. Man streitet sich ja in Deutschland zum Teil immer noch, ob der „gewöhnliche“ Deutsche erkennen konnte, wohin das Ganze führt. Und ich hätte irgendwie immer gedacht, gerade Ausländer hätten das deutlich bzw. früher sehen müssen. Offenbar war das aber nicht immer so.

  • Julia sagt:

    Genau das ist noch ein wichtiger Punkt – im Nachhinein kann man sich alles im Zweifel schönreden oder uminterpretieren.

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