Agent 6 – Tom Rob Smith

17. November 2013 § Ein Kommentar

IMG_7423Hat diese Trilogie eigentlich einen offiziellen Namen? Ich glaube nicht. Nennen wir sie also mal etwas phantasielos die „Leo-Demidow-Trilogie“. Hier jetzt also der dritte und letzte Band, der die Geschichte des Geheimagenten Leo zu einem – wie ich finde – stimmigen Ende führt.

Wir schreiben das Jahr 1965, nach der Kubakrise kommt es zu einer zaghaften Annäherung zwischen den USA und der Sowjetunion. Zeichen dafür ist unter anderen ein Friedenskonzert mit sowjetischen und amerikanischen Schülern, das im Hauptsitz der UN in New York stattfinden soll. Leos Frau Raisa, die ja Lehrerin ist, soll dieses Konzert leiten und fliegt dafür mit den beiden Töchtern Soja und Elena nach New York.

Das Konzert an sich verläuft sehr zufriedenstellend und Raisa bekommt viel Lob. Sie ahnt jedoch nicht, dass im Hintergrund bereits ganz andere Strippen gezogen werden: Der afroamerikanische Sänger Jesse Austin wird zu einem Auftritt vor dem UN-Gebäude überredet, direkt nach dem letzten Konzert. Austin ist bekennender Kommunist, war während der Stalinzeit in die UdSSR gereist und wurde nicht müde, das sowjetische System als Vorbild zu bezeichnen. Klar, dass ihm das während der McCarthy-Ära die Karriere kostete. Mittlerweile verkauft der einst gefeierte Star keine Platten mehr, er wird nicht mehr im Radio gespielt, von ehemaligen Fans geschnitten und muss gemeinsam mit seiner Frau ums Überleben kämpfen.

Zurück zum UN-Gebäude: Elena, Leos Tochter, wurde von ihrem KGB-Lover dazu überredet, gemeinsam mit Austin aufzutreten. Das wäre doch ein tolles Zeichen für die Völkerfreundschaft! Doch noch während die beiden vor der Menge stehen, fallen Schüsse und am Ende sind drei Menschen tot: Austin, dessen Frau und Raisa. Was ist passiert? Und vor allem: Wer hat geschossen?

Leo trauert um seine große Liebe, verliert den Boden unter den Füßen und will nur noch herausfinden, was passiert ist und warum Raisa sterben musste.

Als er acht Jahre später einen verzweifelten Versuch wagt, die sowjetisch-finnische Grenze zu überqueren, um in die USA zu gelangen, wird er aufgegriffen und vor die Wahl gestellt: Entweder geht er für sehr lange ins Gefängnis oder er verpflichtet sich, die prosowjetische Regierung in Afghanistan zu beraten – ein Job, der den meisten Leuten viel zu gefährlich ist. Er entscheidet sich natürlich für letzteres (was hat er denn schon zu verlieren?) und bekommt nach vielen Jahren in diesem Land endlich die Chance, den Tod von Raisa aufzuklären.

Wie schon gesagt: Leo als Charakter gefällt mir weiterhin sehr gut, ich finde ihn schlüssig gezeichnet und Smith bleibt ihm auch in allen drei Bänden treu. Kritikpunkt an diesem Band ist jedoch, dass die Handlung streckenweise etwas langatmig geraten ist. Gerade während der langen Periode in Afghanistan ist zunächst unklar, wie das Ganze mit den Ereignissen in New York zusammenhängt. Klar, später fügt sich das Ganze dann in die allgemeine Handlung ein, aber bis dahin dauert es eben ein bisschen zu lang.

Grundsätzlich finde ich, dass „Agent 6“ einen guten Abschluss der Trilogie bildet, allerdings war für mich „Kind 44“ das Highlight der drei. Das Ende schließlich ist kein klassisches Happy End, ist aber stimmig und bildet einen passenden Abschluss – passend zu der Geschichte und auch passend zum Charakter von Leo.

Fazit also: Wer bisher mitgelesen hat, sollte auch „Agent 6“ noch lesen. Und auch die Trilogie insgesamt ist auf jeden Fall empfehlenswert.

ISBN: 978-3442475032
544 Seiten
Originaltitel: Agent 6
Goldmann
€9,99
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