Die Bücherdiebin – Markus Zusak

25. Januar 2014 § 8 Kommentare

So, jetzt habe ich die wunderbare Aufgabe, ein Buch zu verreißen schlecht zu rezensieren, das gefühlte 99% aller Leser so GANZ supertoll finden und gerne als Meisterwerk oder sogar als neuen Klassiker (!) bezeichnen. Nuuuuunja. Ich will mal versuchen, in Worte zu fassen, was mich an dem Ganzen so gestört habe, dass ich es nicht mal komplett gelesen habe.

Ich halte es aus diesem Grund auch recht kurz mit dem Inhalt: Wir haben hier die kleine Liesel, die bei Pflegeeltern aufwächst und zu deren hervorstechenden Eigenschaften es offenbar gehört, dass sie ab und an mal ein Buch klaut. Inwieweit das Ganze jetzt irgendwie charakterformend ist oder was genau dadurch ausgedrückt werden, blieb mir verborgen, es muss jedoch so bahnbrechend sein, dass darauf immer wieder herumgeritten wird – siehe Titel des Buches.

Liesel lernt also mit Hilfe ihres Pflegevaters und ihres ersten gestohlenen Buches das Lesen. Was man allerdings noch dazu sagen muss ist, dass die Geschichte während des Zweiten Weltkriegs spielt, dass Liesels Bruder ums Leben gekommen und ihre Mutter verschwunden ist und dass der Tod selbst diese Geschichte erzählt. Und ja, es passieren schlimme Dinge, und ja, es wird auch ein Jude versteckt und ja, am Schluss sind einige der Menschen tot, die man im Laufe der Geschichte kennengelernt hat. Was halt zu einem ordentlichen Weltkriegs-Buch dazugehört.

Nun ist es ja so, dass der Tod mächtig viel zu tun hat und sich daher offenbar nicht so recht aufs Erzählen konzentrieren kann – und, sorry, auch nicht so viel davon versteht. Er erzählt weder stringent noch mit einem Gespür für Spannung, weil er nach Herzenslust auch mal vorgreift oder Rückblenden einstreut. Außerdem verwendet er DIE BESCHISSENSTEN METAPHERN EVER (ever, ever)! Also mal ganz ehrlich: „der FRÜHSTÜCKSFARBENE Himmel“? WTF?

An diesem Punkt angekommen hatte ich auch keine Lust mehr, dieses Buch irgendwie sonderlich objektiv zu bewerten. Ich habe mich ehrlich gesagt geärgert. Ich mochte die Charaktere nämlich recht gerne und auch die Idee, den Tod die Story erzählen zu lassen, hatte jedenfalls zu Anfang durchaus seinen Reiz. Aber dann blieben die Charaktere ziemlich blass, die Story nimmt nicht wirklich Fahrt auf und dann war die Sprache einfach nur noch anstrengend und bemüht originell. Ich war dann nur noch genervt, habe noch ein bisschen mit mir gerungen (So viele begeisterte Leser können doch nicht irren…?) und dann aber ungefähr bei der Hälfte abgebrochen.

Also, entweder habe ich wirklich gar keine Ahnung von guter Literatur, dann schließe ich dieses Blog hier sofort und gehe nur noch in Sack und Asche, oder dieses Buch ist absolut überschätzt. Den Hype darum verstehe ich jedenfalls überhaupt nicht.

ISBN: 978-3442373956
588 Seiten
Originaltitel: The Book Thief
Blanvalet
€8,99 (ebook)
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§ 8 Antworten auf Die Bücherdiebin – Markus Zusak

  • zeilentiger sagt:

    Danke, danke, danke. Ich war auch total genervt von dem Buch und hatte es nicht zu Ende gelesen. Ein Buch zum schnell Vergessen.

  • Anna sagt:

    Ich fand das Buch auch nicht so toll – nett, zum Weglesen aber kein Überflieger und es ist nichts hängen geblieben.

  • Julia sagt:

    Danke euch – gut zu wissen, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine dastehe! 😀

  • atalantes sagt:

    Wenn Liesel wenigstens eine Bücherdiebin gewesen wäre.

    Gelesen habe ich das Buch vor einiger Zeit und mich besonders über die Verharmlosungen aufgeregt. Dementsprechend wurde es dann auch ein Verriss.

    Ich kann also Deinen Eindruck gut nachvollziehen.

  • Julia sagt:

    Ja, ich habe da irgendwie ständig drauf gewartet, dass sie mal ein paar mehr Bücher stiehlt… 😉 Und hey, du hast ja tatsächlich alle erwähnten Bücher auf deinem Blog aufgelistet, cool.
    Deine Rezension würde ich auch so unterschreiben, immerhin hast du das Buch ja auch fertig gelesen.

  • Antje sagt:

    Hi Julia,
    ich gehöre zu den Menschen, die die Bücherdiebin toll fanden! 😀 Aber ich muss sagen, ich mag es, dass du so kritisch bist und das einfach mal „frei Schnauze“ auch rauslässt! Das ist super und fehlt in der Blogosphäre leider sehr häufig.

    Was das Buch-Stehlen angeht, hätte Liesel durchaus etwas häufiger zugreifen können, das muss ich auch sagen. Ich glaube aber, dass sich ein Titel, in dem „Buch“ steckt, schon mal an alle ganz gut verkaufen lässt, die selbst gerne lesen! Es gibt irgendwie zur Zeit wieder wahnsinnig viele Bücher, deren Titel irgendwie was mit Lesen und Buch zu tun haben und mein Eindruck ist, dass diese die Bücherverrückten besonders anstecken. Ist ja auch toll, wenn man über was liest, das man selber total gerne mag, nämlich lesen.

    Wünsch dir ein schönes Wochenende!
    🙂
    Antje

  • Vorab muss ich gestehen, dass ich nicht zur adressierten Altersgruppe von Zusak-Lesern zähle. Ich wurde auf ihn aufmerksam als ich bei amazon die Top rezensierten Bücher recherchierte. Hängengeblieben bin ich damals bei „Der Joker“ und habe das eBook gelesen. Pure Neugier darauf, welche Literatur jungen Menschen heute besonders loben, trieb mich an. Ich wurde nicht enttäuscht. Ich fand das Buch sehr gelungen und war dann ebenfalls interessiert, die „Bücherdiebin“ zu lesen, da sie ja nicht nur weit mehr Zustimmung fand, sondern aktuell verfilmt ist. Doch da ging es mir wie Dir (wenn ich hoffentlich Du sagen darf). Ich habe es abgebrochen. Die Gründe sind hier bestens benannt. Habe daraufhin jetzt noch mal Zusak recherchiert und überraschend festgestellt, dass seine aktuellen Bücher kaum Rezensionen erhalten. Das ist ja schon ungewöhnlich für so einen Erfolgsautor.

    Nicht zuletzt wollte ich Dich mit meinem Kommentar ermutigen, solche „enttäuschte Rezensionen“ weiter zu verfassen. Ich selbst tendiere – wie Du wahrscheinlich auch – eher dazu, keine Verrisse zu schreiben. Denn es reicht die verlorene Zeit, die man schon der enttäuschenden Lektüre gewidmet hat. Dann noch darüber zu schreiben und auch noch die Zeit andere mit seinem Verriss zu stehlen anstatt ihnen ein gutes Buch ans Herz zu legen, ist mir zuwider. Deshalb habe ich auch selten Verständnis für Verrisse im Feuilleton zum Zeitpunkt einer Neuerscheinung. Jedoch angesichts der Begeisterung so vieler Leser sich dieser offen, ehrlich und begründet nicht anzuschliessen ist ein notwendiges Korrektiv.

    Ich habe schon bei einigen Rezensionen zustimmend genickt, die gänzlich anderer Ansicht waren wie ich. Denn sie eröffneten mir eine Sichtweise, die ich so nicht hatte und die durchaus interessant und berechtigt war.

    So damit aber genug.

  • Julia sagt:

    Klar, wir können gerne Du sagen! 🙂
    Erstmal danke für deinen langen Kommentar. Ja, den „Joker“ von Zusak fand ich auch ziemlich gut, weswegen ich eigentlich von der „Bücherdiebin“ mehr erwartet hätte. Und lustigerweise habe ich auch nichts von neuen Zusak-Büchern mitbekommen. Manchmal gibts ja so einen Hype, wo dann alle meinen, etwas von dem Autor lesen zu müssen. Und vielleicht ist der um Zusak ja einfach vorbei.
    Das mit den negativen Rezensionen ist tatsächlich so ne Sache – klar will man, wie du schreibst, nicht noch mehr Zeit mit dem Buch verbringen. Für mich ist es aber ganz gut, um zu reflektieren, was genau mich gestört hat. Vielleicht (sehr selten… 😉 ) merke ich, dass ich vielleicht doch nicht ganz so negativ über das Buch denke. Ich versuche aber immer, nur meine persönlichen Eindrücke zu schildern – es ist ja oft so, dass jemandem das Buch dann total zusagt und umgekehrt. Manchmal hat für mich einfach der Zeitpunkt nicht gestimmt oder die Lebensphase oder die Stimmung. Dann versuche ich es vielleicht nochmal ein Jahr später und habe einen ganz anderen Eindruck.

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