The Attack – Yasmina Khadra

8. Februar 2014 § Ein Kommentar

IMG_7660Amin Jaafari und seine Frau Sihem sind ein modernes israelisches Paar: Er ist als Chirurg hoch angesehen, beide haben einen illustren, gut situierten Freundeskreis und sind als israelische Araber absolut integriert.

Eines Tages erfährt Amin von einem Selbstmordanschlag in einem Café in Tel Aviv, er behandelt selbst bis in die Nacht viele der Opfer. Als er aus dem OP kommt, wird er bereits erwartet: Ein Freund der Familie teilt ihm mit, Sihem sei unter den Toten gewesen – und sie wiese die typischen Verletzungen auf, die sonst die Selbstmordattentäter hatten.

Amin wirft das vollkommen aus der Bahn und er durchlebt in den nächsten Tagen sämtliche Phasen: Zunächst leugnet er alles – Sihem war so nicht, sie hat keinen Grund dazu gehabt, er hat sie doch geliebt, auf Händen getragen, was hätte ihr fehlen können? Er wird schier verrückt, weil er sich auf das Ganze keinen Reim machen kann, weil einfach nicht sein kann, was nicht sein darf. Dazu wird er angefeindet – er, der Mann einer Mörderin, der nichts als Undankbarkeit gegenüber Israel zeigt, wo ihm doch alles ermöglicht wurde! Schließlich begibt er sich fast manisch auf Spurensuche: Er muss einfach wissen, was Sihem zu dieser Tat geführt hat und wie sie sich auf das Attentat – und damit auf ihren Tod – vorbereitet hat.

Er fährt dazu nach Bethlehem und Jenin, in Städte also, in denen der Nahostkonflikt um einiges spürbarer ist als in seiner ruhigen, wohlsituierten Nachbarschaft in Tel Aviv. Und ganz allmählich setzt Amin für sich ein Bild zusammen, wie es gewesen sein könnte – und warum er Sihem wohl doch nicht so gut kannte, wie er immer dachte. Und er wird gezwungen, Stellung zu beziehen, auf welcher Seite er eigentlich in diesem Konflikt steht.

Diese Geschichte ist aufgrund der Thematik keine leichte Kost, zumal sie schon mit der drastischen Schilderung eines Bombenanschlags beginnt. Khadra stellt den Abgrund dar, in den Amin nach dem Tod Sihems gerissen wird, sie beschreibt sehr gut, wie er versucht, sich irgendwie einen Reim daraus zu machen. Analog zu Amin wird es auch den Lesern nicht so leicht gemacht, neutral zu bleiben und sich nicht auf eine Seite zu positionieren.

Auf jeden Fall eine lesenswerte Geschichte, die einen nicht kaltlässt.

ISBN: 978-0099499275
272 Seiten
Deutscher Titel: Die Attentäterin
Vintage
€10,00
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