Erebos – Ursula Poznanski

2. Januar 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Das war ja DER Hype in den Bücherblogs im letzten (oder schon vorletzten?) Jahr. Und ich, die ich ja gerne mal einen Bogen um YA-Bücher mache, bin wieder mal spät dran. Aber: Der Hype war nicht so ganz unberechtigt.

Zunächst wundert sich Nick nur, dass sich einige seiner Kumpels seltsam benehmen: Sie sind wortkarg und übernächtigt, lassen das Basketballtraining ausfallen und gehen nicht mehr ans Telefon. Nick beobachtet ein paarmal in der Schule, wie CDs heimlich den Besitzer wechseln. Schließlich wird er selbst von einer Klassenkameradin beiseite genommen, die ihm ein nie dagewesenes Erlebnis verspricht, wenn er selbst eine dieser CDs entgegennimmt und das Spiel darauf ausprobiert.

Nick tut wie geheißen und ist bald auch von Erebos – so heißt das Computerspiel, das von der CD installiert werden kann – in seinen Bann geschlagen. Was zunächst aussieht wie ein gewöhnliches, wenn auch grafisch perfekt gemachtes Computerspiel, wird immer gruseliger: Das Spiel scheint Nick genau zu kennen, es kann mit ihm problemlos kommunizieren und gibt sich außerdem höchst konspirativ. Niemand darf außerhalb des Spieles darüber sprechen, Eltern und Nichteingeweihte dürfen erst recht nichts erfahren und man muss immer alles befolgen, was das Spiel einem aufträgt. Dies sind zunächst bestimmte Missionen, die man gemeinsam mit anderen Spielern in Erebos selbst absolviert, später dann aber sogar in der Realität. Erstmal sind die Aufgaben harm- bis sinnlos: So soll Nick etwa eine Kiste irgendwo finden und an einer anderen Stelle wieder ablegen. Ein andermal findet er als Belohnung für eine gut gelöste Aufgabe in Erebos im wirklichen Leben ein Shirt seiner Lieblingsband. Nick kann sich Erebos kaum entziehen. Er steigt schnell auf, sammelt Kampferfahrung und bekommt signalisiert, dass er es im Spiel weit bringen wird, wenn er bei der Stange bleibt.

Da immer mehr Schüler Erebos spielen und deswegen im Unterricht unkonzentriert sind und sogar tagelang fehlen, werden auch Lehrer aufmerksam und ziehen die wenigen Schüler auf ihre Seite, die noch nicht spielen. Vor allem Mr. Watson versucht, gegen das Spiel vorzugehen und die Schüler vor dessen Gefahren zu warnen. Nachdem er und einige der engagierten Schüler Drohungen erhalten haben, bekommt nun Nick die Aufgabe vom Spiel, Mr Watson ein Medikament in den Tee zu schütten, das potenziell tödlich sein kann. Nick macht im letzten Moment einen Rückzieher und wird aus dem Spiel ausgeschlossen. Jetzt ist es an ihm, Erebos zurückzuschlagen, der er hat erkannt: Dieses Spiel bedroht das reale Leben echter Menschen.

Es hat ein bisschen gedauert, ehe ich komplett in der Geschichte drin war. Das lag in erster Linie daran, dass ich keine Computerspielerin bin und auch mit der Fantasywelt Erebos‘ recht wenig anfangen konnte. In dem Maße, in dem Erebos allerdings auf die reale Welt Einfluss nimmt und umgekehrt, hat mich die Geschichte immer weniger losgelassen. Es ist echt spannend und auch wenn man schon ahnt, was oder wer hinter dem Spiel steckt, fiebert man trotzdem noch mit.

Ich könnte mir vorstellen, dass man anhand dieser Geschichte auch ganz gut das Pro und Contra von Computerspielen und deren exzessiven Konsum diskutieren kann. Insofern kann man Erebos allen empfehlen, die in Bezug auf das Alter zur Zielgruppe gehören, aber auch beispielsweise Eltern und Lehrern. Darüber hinaus aber auch allen, die ein bisschen Affinität zur Thematik haben und gerne gute, spannende Bücher lesen.

ISBN: 978-3785573617
485 Seiten
Loewe Verlag
€8,99 (ebook)
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Facebook macht blöd, blind und erfolglos – Anitra Eggler

18. November 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

IMG_7424Der Titel ist irreführend: Das Ganze ist keine „Wir werden alle sterben, und das Internet ist schuld!“-Panikmache, sondern ein Social Media-Ratgeber mit einem leichten Fokus auf das Berufsleben. Eggler legt den Fokus auf drei Hauptprobleme: Sklaven-Phonitis (Abhängigkeit vom Smartphone), Facebook-Inkontinenz (das zwanghafte Befüllen der eigenen Facebook-Seite mit peinlichem oder irrelevantem Kram) sowie den Reputations-Infarkt (ist der Ruf erst ruiniert…). Sie beschreibt nicht nur die „Symptome“, sondern gibt auch Tipps und Tricks, wie man das Ganze selbst behandeln kann.

Sie macht dabei immer klar: Neue Technologien sind super. Sie helfen uns in Berufsleben und Freizeit ungemein und können für alle möglichen Dinge unerlässlich sein. Nur muss man sie eben richtig zu nutzen wissen, um sich selbst ins beste Licht zu rücken, Peinlichkeiten zu vermeiden und schließlich auch wieder mehr Zeit für die schönen Dinge des Offline-Lebens zu haben.

Schön auch, dass dieser Ratgeber nicht so angestaubt daherkommt wie so manch anderer. Die Sprache ist sehr lustig und flapsig, die Gestaltung ist überaus bunt und schrill. Muss man mögen – mir hats gefallen. Man muss es übrigens nicht von vorne bis hinten in einem Rutsch durchlesen, sondern kann auch immer mal wieder einzelne Sachen nachschlagen.  Das Buch ist übrigens auch ein gutes Geschenk für alle, die es betrifft – und wer ist das heutzutage nicht? 

ISBN: 978-3280054956
224 Seiten
Orell Füssli
€19,95

Berlin – Baku. Meine Reise zum Eurovision Song Contest – Christiane Rösinger

10. Juni 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

IMG_6855Christiane Rösinger scheint eine unternehmungslustige Person zu sein: Als Aserbaidschan den Eurovision Song Contest 2011 gewinnt, beschließt sie, zum Wettbewerb nach Baku zu fahren – mit dem Auto.

Sie packt ihre Mitmusikerin Frau Fierke ein, die beiden kaufen sich ein gebrauchtes Auto und machen sich alsbald auf den Weg. Dieser führt sie von Berlin aus durch Bulgarien, die Türkei, Georgien und schließlich nach Aserbaidschan (wobei die letzten drei Länder am genauesten beschrieben werden). Dabei sollte man nicht davon ausgehen, dass viel über den ESC geschrieben wird – der Weg ist das Ziel, und der ESC taucht dann auch nur in den allerletzten Kapitel auf (und kommt nicht allzu gut weg). Insofern kann man das Ganze auch getrost lesen, wenn man mit dieser Veranstaltung nichts am Hut hat.

Dieser Reisebericht besteht eher aus schlaglichtartigen Erinnerungen denn aus einer minutiösen Wiedergabe des Erlebten. Zum Teil wird reflektiert, was die beiden Frauen so sehen, gerne auch aus feministischer Sicht. Gerade dieser Stil hat mich manchmal etwas gestört, das Buch wirkte zum Teil recht schnell zusammengeschrieben und unfertig – etwas mehr Zeit hätte hier vielleicht gut getan, etwas mehr Muße auch im Schreiben und Erzählen, denn Erzählen ist etwas, was Rösinger durchaus kann. Sie macht einige interessante Beobachtungen und Einschätzungen, das ganze liest sich oft auch sehr lustig und locker, aber leider ist es eben alles etwas zu knapp geraten für meinen Geschmack. Mir drängte sich der Verdacht auf, man wollte das Buch rechtzeitig vor dem nächsten ESC auf den Markt bringen, damit die Erinnerungen an die doch recht kontrovers diskutierte Veranstaltung und an die Kritik am Ausrichterland noch einigermaßen frisch im Gedächtnis ist.

Ich möchte aber auch nicht komplett davon abraten, weil es natürlich trotz aller Knappheit eine tolle Idee und ein schöner Reisebericht ist.

ISBN: 978-3100929457
224 Seiten
Fischer Taschenbuch
€16,99

Der Schwarm – Frank Schätzing

28. Mai 2013 § 8 Kommentare

IMG_6847Ein weiterer Re-Read – und um schonmal einen Teil des Fazits vorwegzunehmen: Das erste Lesen hat mich weitaus mehr begeistert als jetzt das zweite.  „Der Schwarm“ war ja in den letzten Jahren hochpopulär und hochgelobt und das, so muss ich eingestehen, nicht ganz zu Unrecht. Die Story ist jedenfalls sehr, sehr spannend (die Kritik kommt dann später).

Im Meer und ums Meer herum passieren plötzlich auf der ganzen Welt seltsame Dinge. Vor der norwegischen Küste tauchen eines Tages Unmengen von Würmen auf, die sich mit überdimensionierten Beißwerkzeugen in das dort lagernde Methanhydrat bohren. Der Experte Sigur Johanson bekommt von der Ölfirma Statoil den Auftrag, diese Würmer zu klassifizieren. Johanson stellt fest, dass es sich um eine neue Art handeln muss. Was den Wissenschaftlern zunehmend Sorgen macht: Die Würmer graben Gänge und Löcher in das Hydrat und könnten es so destabilisieren. Größere Blowouts, also Freisetzungen von Methangas, könnten Plattformen beschädigen und sogar Schiffe versenken.

Zur gleichen Zeit beobachten Whalewatcher vor der westkanadischen Küste ein seltsames Verhalten der Tiere: Zuerst kommen sie später als gewöhnlich aus südlicheren Gewässern an, dann verhalten sie sich aggressiv gegenüber Booten. Nach einigen folgenschweren Angriffen auf Schiffe wird dem Walexperten Leon Anawak klar, dass irgendetwas nicht stimmen kann und er versucht herauszufinden, was die Wale derart verändert.

Darüber hinaus tauchen plötzlich vergiftete Krabben in Frankreich und den USA auf und andere Späße – die Ereignisse erscheinen wie aufeinander abgestimmt und zielen offenbar darauf ab, den Menschen zu schaden. Es scheint fast so, als würde sich irgendetwas im Meer gegen den Menschen wenden…

Das Ganze klingt – zu Recht – nach schöner Spannungskurve und viel Action, daher auch gar nicht so viel von der eigentlichen Handlung an dieser Stelle. Es gibt nämlich noch einige andere Twists und die Handlung hat mehr als einen Höhepunkt. Es ist natürlich klar, was Schätzing mit diesem Buch letztlich sagen will: Der Mensch ist zu lange zu sorglos mit dem Meer und seinen Bewohnern umgegangen und bekommt nun die Quittung. Insofern ist sein Verdienst, die Leser zum Nachdenken zu bringen und es wird wohl kaum einen geben, der nicht zwischendrin mal innehält, um das Gelesene zu reflektieren. Angereichert ist die fiktive Geschichte mit vielen, vielen Fakten, die offensichtlich gründlich recherchiert wurden. 

Aber es sollte ja noch Kritik kommen. Nun, dieses Buch hat über 1000 Seiten und nach meinem Geschmack hätten es gerne ein paar weniger sein dürfen. Manchmal verliert sich Schätzing in seinen Details und Nebenhandlungen. Er charakterisiert zwar seine Protagonisten sorgfältig, schweift dabei aber oft zu sehr ab. Da hätte man einiges straffen und weglassen können. Manche Nebencharaktere, insbesondere diejenigen US-amerikanischer Herkunft, sind mir manchmal etwas stereotyp geraten. 

Fazit also: Wenn man diese tolle und spannende Story auf 700 Seiten gepackt hätte, wäre es ein super Buch. So ist es leider manchmal etwas zäh. 

ISBN: 978-3462033748
1008 Seiten
Kiepenheuer&Witsch
€24,95

Die Stadt der Toten – Sara Gran

19. Februar 2013 § 4 Kommentare

IMG_6651Claire DeWitt ist jetzt nicht so die typische Krimiheldin: Sagt nie nein zu einem guten Joint oder zu einem Schluck aus der Pulle, zieht gerne ihr kryptisches Detektivhandbuch zu Rate oder deutet ihre Träume, um der Lösung des Falls näher zu kommen. Dafür verlangt sie irrsinnig viel Geld, was sie dadurch rechtfertigt, dass sie schließlich die Beste ihres Fachs sei und entsprechend jeden Fall lösen würde.

Ihr neuer Auftraggeber hier ist ein Mann, der seinen vermissten Onkel sucht. Vic Willing, ein Staatsanwalt in New Orleans, ist irgendwann während des Hurrikans Katrina verschwunden. Claire DeWitt soll herausfinden, was mit ihm passiert ist.

Dazu muss man sagen: Das Post-Katrina-New Orleans ist ein Moloch, die Wahrscheinlichkeit, erschossen zu werden, ist ziemlich hoch und Claire muss sich im Laufe ihrer Recherchen mit mehr als einer zwielichtigen Gestalt abgeben. Sie ermittelt in einer teilweisse zerstörten Stadt, die von Entwurzelten bevölkert ist, die wenig zu verlieren haben.

Zwischendurch wurde die Story etwas undurchsichtig und für meinen Geschmack etwas zu wenig stringent. Daher verzichte ich darauf, allzu viel davon wiederzugeben. Die Auflösung hat mir aber sehr gut gefallen: Vic Willing hatte selbst eine dunkle Seite, weswegen es einem schwer gemacht wird, eindeutig Partei zu ergreifen. So, wie übrigens die meisten der Charaktere irgendwie zwei Gesichter haben: Sogar die Gangmitglieder, die sonst regelmäßig Leute abknallen, entpuppen sich zum Teil als kluge und feinfühlige Jungs, die vielleicht etwas ganz anderes aus ihrem Leben hätten machen können, wenn sie nur an einem anderen Ort zur Welt gekommen wären.

So haben mich das knallige Cover und der entsprechende Klappentext auf positive Weise hinters Licht geführt: Man erwartet einen lustigen, schrägen und abgefahrenen Krimi mit wenig Tiefgang, bekommt aber eine Geschichte, die vielleicht von einer etwas unkonventionellen Heldin getragen wird und sich manchmal etwas in Nebenhandlungen verliert, die aber letztlich doch überraschend viel Substanz hat und mit einem Ende aufwartet, das zum Nachdenken anregt.

ISBN: 978-3426226094
368 Seiten
Originaltitel: Claire DeWitt and the City of the Dead
Droemer
€14,99

Die Eisläuferin – Katharina Münk

18. Februar 2013 § 2 Kommentare

IMG_6649Die Regierungschefin eines westlichen Industriestaates – zwar namenlos, dafür aber mit vielen eindeutigen Attributen ausgestattet – will gemeinsam mit ihrem Mann endlich mal unerkannt und ungestört Urlaub machen. Die geplante Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn scheint auch erstmal wie geplant zu verlaufen. Am Bahnhof Omsk jedoch steigt die Regierungschefin kurz aus, und da passiert es: Ein Schild löst sich am Bahnsteig aus seiner Befestigung und fällt der Kanzlerin direkt auf den Kopf. Als diese aus ihrer Ohnmacht erwacht, sind die letzten 20 Jahre aus ihrem Gedächtnis gelöscht. Ihren Mann erkennt sie noch, aber sonst… Dass sie die Regierungsverantwortung eines Landes innehat, ist ihr nicht mehr bewusst. Und das Schlimmste: Alles, was sie den Tag über neu gelernt hat, vergisst sie in der darauffolgenden Nacht wieder.

Ihr engster Stab ist ratlos: Für die ersten Tage, vielleicht noch ein, zwei Wochen lang kann ihre Abwesenheit durch Urlaub erklärt werden, aber dann muss die Kanzlerin doch wieder präsent sein! So werden also Erklärvideos gedreht, die wichtigsten Leute gebrieft, Redentexte geschrieben und es wird sogar ein undurchsichtiger russischer Therapeut auf das Problem angesetzt. Was dieser genau im Schilde führt, ist unklar, er hat jedoch einige unkonventionelle Methoden auf Lager, um in der Regierungschefin wieder Erinnerungen zu wecken.

Währenddessen absolviert diese ihre ersten Auftritte in der Öffentlichkeit, die oft genug den sicheren Boden des Protokolls verlassen. Wie sonst wäre man auf die Idee gekommen, eine gemeinsame Kochsession mit dem französischen Präsidenten zu veranstalten? Den Stab erfasst das kalte Grauen, doch die Presse und die Bürger sind begeistert: Eine so spontane, leidenschaftliche Kanzlerin haben sie noch nicht erlebt! Sie sagt, was sie denkt, geht auf das Volk ein und macht auch sonst die Dinge ganz anders als früher.

Die Chefin selbst dagegen ist mit ihrer Lage unzufrieden: Was ist ein Leben wert, in dem nichts von Dauer ist, in dem kein Eindruck länger anhält als bis zum Einschlafen? Am liebsten würde sie alles hinschmeißen – doch ihre Mitarbeiter können dies nicht dulden, jetzt, wo sie im Volk beliebt ist wie nie! Doch genauso klar ist: Als sich die Kanzlerin auf eigene Faust auf den Weg durch die Hauptstadt macht und am nächsten Tag fragwürdige Fotos in der Presse auftauchen, ist schnelles Handeln gefragt…

Das Ganze klingt sehr schräg, und ist es phasenweise auch. Es wird nicht zuletzt durch das Cover deutlich, welche Regierungschefin hier gemeint ist. Zwischendurch war es etwas zu überdreht, aber hey, die ganze Story ist schließlich ziemlich abgefahren. „Die Eisläuferin“ ist eine nette Geschichte, bei der man vielleicht keinen tieferen Sinn suchen  sollte, sondern die mal einfach mal lesen kann, wenn die tatsächliche Politik mal wieder allzu absurd erscheint.

ISBN: 978-3423214155
256 Seiten
dtv
€9,95

Blackout – Marc Elsberg

16. Dezember 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Der passende Roman zu den alljährlichen Diskussionen, ob die Stromversorgung auch in diesem Winter sicher ist. Wenn man Experten zu Kritischen Infrastrukturen fragt, haben sehr viele offensichtlich dieses Buch schon gelesen und schätzen es als weitgehend realistisch ein. Da für mich das Thema Stromversorgung aktuell aus beruflichen Gründen sehr interessant ist, musste ich mir natürlich „Blackout“ auch besorgen.

In Italien fällt an einem Februarabend der Strom aus. Der Informatiker Piero Manzano ist mit dem Auto unterwegs und baut postwendend einen Unfall, da die Ampeln alle ausgefallen sind. Nun, so ein Stromausfall an sich ist wenig beunruhigend, und so geht er erst einmal ins Krankenhaus, um seine Verletzungen versorgen zu lassen und freut sich dann auf einen gemütlichen Abend mit einer seiner Affären. Aber Pustekuchen, der Strom kommt erstmal nicht wieder, die ganze Stadt scheint ohne Versorgung zu sein. Als Manzano sein Smart Meter, den intelligenten Stromzähler, genauer untersucht, entdeckt er, dass da etwas faul sein muss. Es sieht ganz danach aus, als wären die Zähler manipuliert worden. Und der Typ ist selbst Hacker, er erkennt also einen Hack, wenn er ihn sieht. Doch bei den zuständigen Stellen will man ihm nicht zuhören.

Dabei ist Italien bei Weitem kein Einzelfall: Fast ganz Europa liegt im Dunklen, die Stromversorger und Netzbetreiber haben mit ständig ausfallenden Anlagen zu kämpfen und wissen keine Lösung. Es erscheint unmöglich, das Netz wieder zu stabilisieren. Für die Bevölkerung geht es derweil um existenzielle Fragen: Ohne Strom funktioniert weder das Licht noch die Heizung; aus den Leitungen kommt kein Wasser mehr, die Tankstellen können kein Benzin mehr ausgeben, weil die Pumpen ausgefallen sind und die Lebensmittel gehen zu Neige. Krankenhäuser, Altenheime, landwirtschaftliche Betriebe – sofern es dort Notstromversorgung gibt, sind auch hier die Treibstoffvorräte endlich. Und auch die Notkühlung verschiedener europäischer AKWs läuft nur noch mit Diesel…

Manzano liefert sich derweil einen Wettlauf mit der Zeit, denn kaum, dass er bei den zuständigen Stellen endlich Gehör für seine Entdeckung gefunden hat, werden ihm gefakede Mails untergejubelt, die den Verdacht auf ihn richten. Zusammen mit der amerikanischen Journalistin Lauren Shannon versucht er, die Behörden von seiner Unschuld zu überzeugen und gleichzeitig den Drahtziehern des Anschlags auf die Spur zu kommen.

Ich glaube, es lag nicht nur daran, dass ich krank im Bett lag und viel Zeit hatte – die 800 Seiten hatte innerhalb von wenigen Tagen ausgelesen. Die Handlung ist sehr rasant und nicht gerade arm an Wendungen. Dabei ist das Ganze sehr dicht an Informationen – Elsberg hat offenbar sehr gründlich recherchiert und man hat den ein oder anderen Aha-Effekt, wenn man vor Augen geführt bekommt, wie abhängig wir mittlerweile von einer funktionierenden Stromversorgung geworden sind. Wie gesagt: Das Szenario, das er hier beschreibt, ist wohl realistisch zu nennen. Die Stromversorgung in Deutschland ist zwar im internationalen Vergleich enorm sicher; wir haben mit die seltensten Stromausfälle. Auf der anderen Seite sind die Stromnetze insbesondere in Europa sehr stark miteinander verflochten, so dass sich Störungen in einem Staat schnell auch auf andere Länder auswirken können (Ein Beispiel, wie schnell sowas gehen kann, findet sich hier).

Dieses Buch dürfte wohl insofern auch viel Aufmerksamkeit erfahren, da gerade zum Winter jedes Mal wieder die Gefahr von Stromausfällen beschworen wird. Vorerst können wir wohl gemütlich in unseren warmen Wohnungen bei elektrischem Licht in diesem Buch schmökern. Aber ich verspreche euch eins: Sobald ihr es ausgelesen habt, werdet ihr euch noch des Öfteren bei dem Gedanken ertappen, ob ihr nicht doch vielleicht mal ausreichend Vorräte und Batterien anschaffen solltet, nur so für den Fall, wenn dann doch mal was passiert, es könnte ja sein…

ISBN: 978-3764504458
797 Seiten
Blanvalet
€19,99

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