Der Joker – Markus Zusak

12. Juni 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Markus Zusak wird ja seit einigen Jahren überall gelobt. Grund genug, mir mal ein Buch von ihm auf meine Weihnachtswunschliste zu setzen. Und nach einem halben Jahr kann man das dann auch mal rezensieren…

Ed Kennedy ist der klassische Loser: Gelegenheitsjob als Taxifahrer, schäbige Wohnung, eine dysfunktionale Familie, und die Freunde sind auch alles Loser. Klar, dass er selbst überrascht ist, als es ihm plötzlich gelingt, einen Bankraub zu verhindern und den Bankräuber festzusetzen, bis die Polizei kommt. Plötzlich ist er in allen Zeitungen und scheint das erste Mal in seinem Leben tatsächlich etwas geschafft zu haben. Aber er wird noch ausreichend Gelegenheit dazu bekommen, dass es nicht bei diesem einen Mal bleibt: Eines Tages hat er eine Spielkarte im Briefkasten, auf der drei Adressen und dazu drei Uhrzeiten stehen. Sonst nichts. Ed sucht die Adressen auf, zu der genannten Uhrzeit, und beobachtet. Er sieht eine einsame alte Frau, einen gewalttätigen Ehemann und eine barfüßige Läuferin. Es ist offensichtlich, dass er diesen Menschen auf irgendeine Art helfen soll – und er tut intuitiv, was er für richtig empfindet: Er besucht die alte Frau zu Kaffee und Kuchen, verpasst dem Ehemann eine Abreibung und verhilft der Läuferin zu der nötigen Inspiration für ihr Training. Der Auftraggeber ist offenbar mit ihm zufrieden, denn bald findet er eine neue Karte mit neuen Aufgaben…

Ich hatte schon lange kein Jugendbuch mehr gelesen; in den flapsigen Stil musste ich mich erst wieder reinfinden. Dann hat mir die Geschichte zunehmend gefallen und ich habe die Seiten in Rekordzeit umgeblättert. Wie man schon ahnen kann, gibt es hier ausreichend Lektionen über die wichtigen Dinge im Leben, aber das ist schon okay. Sogar die großen Unsympathen vom Anfang werden letztlich noch sympathisch, weil klar wird, dass jeder von ihnen sein Päckchen zu tragen hat.

Also, eine schöne Geschichte, wenn man zulässt, dass manche Momente ein bisschen „magisch“ sind. Und die dahinterliegenden Themen – Zivilcourage, Einstehen für andere und das Sich-Kümmern um Mitmenschen – sind allemal wichtig.

ISBN: 978-3570305393
448 Seiten
Originaltitel: The Messenger
cbt
€8,95 
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Der verborgene Garten – Kate Morton

2. Mai 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Cassandra ist überrascht: Ihr kürzlich verstorbene Großmutter Nell hat ihr ein Haus in Cornwall vermacht! Was wollte eine Australierin mit einem Haus in Großbritannien? Urlaub gemacht hat sie dort jedenfalls nie, Cassandra wusste nicht einmal von der Existenz des Cottages, obwohl sie viele Jahre bei ihrer Großmutter lebte. Sie beginnt, der Sache nachzugehen und erfährt, dass ihre Großmutter als kleines Mädchen adoptiert wurde; sie wurde mutterseelenalleine am Hafen gefunden, als gerade ein Schiff aus Großbritannien dort angelegt hatte. Bei der Familie eines Hafenarbeiters hatte sie schließlich eine glückliche und behütete Kindheit und erfuhr erst als junge Frau, dass ihre Eltern nicht die leiblichen waren.

Cassandra will der Sache auf den Grund gehen und reist kurzentschlossen nach Cornwall, um ihr Erbe in Augenschein zu nehmen: Ein kleines Cottage an der Küste, nicht wirklich gut in Schuss, aber wunderschön gelegen. Als sie beginnt, sich im Dorf etwas umzuhören, kommt auch nach und nach etwas Licht ins Dunkel der Familiengeschichte: Nell war in den 1970er Jahren ebenfalls nach Cornwall gereist und hatte herausgefunden, dass sie die leibliche Tochter von Rose Mountrachet und Nathaniel Walker war. Sie aus einer alteingesessenen, vornehmen Familie, die seit Generationen das Herrenhaus Blackhurst an der Küste bewohnte, er ein talentierter New Yorker Zeichner und Maler.

Rose war seit Kindertagen sehr eng mit ihrer Cousine Eliza befreundet, die nach dem Tod ihrer Eltern ebenfalls auf Blackhurst aufwuchs. Die beiden konnte nichts trennen – doch nach der Hochzeit von Rose und Nathaniel schien irgendetwas vorgefallen zu sein, was die beiden Freundinnen entfremdete. Denn Eliza war es, die Nell damals mit auf das Schiff nach Australien genommen hatte. War Nell entführt worden? Wollte Eliza sich damit für irgendetwas an Rose rächen? Und wieso ist Eliza scheinbar nie in Australien angekommen?

Trotz der 600 nochwas Seiten liest sich diese Geschichte sehr schnell weg – halt so ein typischer Familiensaga-Schicksalsroman, den man nur mit halbem Hirn lesen kann. Manche Stellen fand ich recht langatmig, aber die konnte ich dann auch überfliegen, ohne groß was zu verpassen.

Man muss vielleicht nicht verstehen, wie dieses Buch zum Bestseller geworden ist, aber für ein paar Stunden leichter Lektüre ist auf jeden Fall gesorgt. Das richtige Buch für Freunde und Freundinnen großer Gefühle, dunkler Geheimnisse und alter Herrenhäuser sowie für Cornwall-Urlauber und Familiensaga-Fans.

ISBN: 978-3453354760

640 Seiten

Originaltitel: The Forgotten Garden

Diana Verlag

€9,95

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