Wer die Nachtigall stört – Harper Lee

14. September 2010 § 3 Kommentare

Was ist noch schöner, als überraschenderweise ein Bookcrossing-Buch zu finden? Überraschenderweise ein Buch zu finden, was man sowieso schon immer lesen wollte. Und das, obwohl ich gar nicht so genau wusste, worum es in „Wer die Nachtigall stört“ überhaupt geht – irgendwie eilte dieser Geschichte schon so ein guter Ruf voraus. Jetzt bin ich bezüglich der Handlung schlauer, und diese lässt sich wie folgt zusammenfassen:

Hauptfiguren sind Scout und Jem, zwei Geschwister, die in den 1930er Jahren in einer Kleinstadt in den amerikanischen Südstaaten aufwachsen. Mit zur Familie gehören Atticus, der alleinerziehende Vater, der als Rechtsanwalt arbeitet, und die schwarze Köchin Calpurnia. Aus Sicht von Scout, der Jüngeren, wird erstmal viel über den Alltag und noch mehr über die großen Sommerferien erzählt.

Die Stimmung im Ort wird allerdings erst dann bedrohlicher, als Atticus die Verteidigung des Schwarzen Tom Robinson übernehmen muss, der eine Weiße vergewaltigt haben soll. Für nahezu alle ist sowieso schon klar, dass Tom schuldig ist und seine gerechte Strafe dafür erhalten muss. Für Atticus ist das aber nicht so sicher, er ist viel eher davon überzeugt, dass Tom zu Unrecht angeklagt wurde. Was diese Einstellung für ihn und die Kinder bedeutet, zeigt sich aber erst wirklich nach dem Prozess.

Ein tolles Buch! Und vor allem: Mit so sympathischen Hauptfiguren! Dazu sind hier einige Botschaften enthalten über Zivilcourage, Gleichberechtigung und Toleranz – dass das ohne den schon phrasenschweingefährdeten erhobenen Zeigefinger möglich ist, hat mir noch mehr gefallen.

Natürlich schmeckt es den überaus konservativen und größtenteils rassistischen Südstaatlern nicht, dass Atticus seine Kinder zu möglichst toleranten und emanzipierten Kindern erzieht – aus Scout beispielsweise wird wohl nie eine richtige Dame werden. Und gerade dieses Unkonventionelle macht einen großen Reiz dieses Buches aus.

Da es ein Bookcrossing-Buch ist*, werde ich es (ein wenig schweren Herzens) wieder in die Freiheit entlassen – aber irgendwann sicher nochmal lesen.

* Noch dazu in einer schönen, leinengebundenen alten Ausgabe – sogar mit handschriftlicher Widmung für eine Patrizia. Wer gibt denn ein Buch mit Widmung so einfach weg? Ich persönlich kann das ja nicht.

ISBN: 978-3499142819

416 Seiten

Originaltitel: To Kill a Mockingbird

rororo

€9,95

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Bookcrossing-Zufallsfund

20. April 2009 § 2 Kommentare

Wenn das kein gutes Omen für das kommende Semester ist: An der Uni fand ich „Wer die Nachtigall stört“ als Bookcrossing-Buch – grade neulich hab ich mir gedacht, dass ich das doch mal gerne lesen würde.

Noch dazu hab ich eine schöne alte Hardcoverausgabe erwischt – sogar mit handschriftlicher Widmung! Dafür hab ich dann auch mal meine Prinzipien über Bord geworfen: es gibt hier an der Uni eine sehr fleißige Bookcrosserin, deren freigelassene Bücher mich allzu oft zum Zugreifen verlockt haben, so dass ich mir vorgenommen hatte, mich aus Platzgründen hier erstmal zurückzuhalten. Aber das heute war ja auch was anderes…

Kein Engel an meiner Seite – Elizabeth Glaser

11. März 2009 § Ein Kommentar

Schon wieder ein nicht komplett gelesenes Buch… Dieses Mal wars aber auch „nur“ ein Bookcrossing-Zufallsfund, der nach leichter Lektüre aussah und den ich schnell mal lesen wollte. Schnell wurde die Lektüre vor allem deswegen, weil ich einen Großteil des Buches nur quergelesen habe.

Um was gehts? Elizabeth Glaser ist die Ehefrau von Paul Glaser, der vor allem durch seine Rolle in „Starsky & Hutch“ bekannt wurde, dieser 70er-Jahre-Serie. Er und Elizabeth gelten als das Hollywood-Traumpaar, erst recht, als zwei (natürlich) bezaubernde Kinder auf die Welt kommen, Ariel und Jake. So weit, so unspektakulär. Nun schreiben wir allerdings die frühen 80er Jahre, man hört zwar überall von der neuen Seuche AIDS, aber weiß noch wenig darüber, vor allem über die Übertragungswege. Elizabeth musste während Ariels Geburt eine Bluttransfusion bekommen, und als Ariel mit vier Jahren plötzlich kränklich wird, kommt nach unzähligen Tests die Diagnose: Ariel hat AIDS, Elizabeth und Jake sind HIV-positiv. Die Blutkonserve, die Elizabeth bekommen hatte, stammte von einem infizierten Spender.

Während es Elizabeth und Jake weiterhin recht gut geht, wird Ariel immer schwächer, bis sie mit sieben Jahren stirbt. Elizabeth will nicht hinnehmen, dass dies auch mit Jake passieren wird, und sie beginnt, für eine bessere Forschung und Aufklärung, vor allem bei Kindern mit HIV und AIDS, zu kämpfen.

Fazit: Der Titel lässt es schon befürchten: Kitsch!!! Okay, es ist ein trauriges Thema, aber das Buch ist nicht wirklich gut geschrieben und über weite Teile extrem schwülstig. Die einzige Erkenntnis war für mich, dass man einmal mitbekommt, wie weit verbreitet damals die Vorurteile waren: Die Kinder hatten Probleme, eine Schule und Spielkameraden zu finden und Elizabeth wurde aus ihrem Yoga-Unterricht ausgeschlossen. Positiv ist es allemal, das Glasers ihre Bekanntheit und ihre Kontakte ausgenutzt haben, um mehr für die Aufklärung der Bevölkerung und für die Forschung an AIDS zu tun. Aber alles in allem: Das hier ist kein Buch, was man gelesen haben muss, außer man mag Kitsch.

Das Buch geht folgerichtig auch bald wieder auf die Reise, wers haben will (innerhalb von Freiburg), der melde sich! 😉

Fräulein Smillas Gespür für Schnee – Peter Høeg

3. November 2008 § 2 Kommentare

Eigentlich bin ich eine sehr ausdauernde Leserin, sprich: Ich quäle mich meistens auch durch Bücher, die ich nicht so prickelnd finde. Peter Høeg hat es jedoch geschafft, dass ich wirklich mal ein Buch sehr (!) schnell weggelegt habe, das war sein „Plan von der Abschaffung des Dunkel“, das fand ich wirklich schrecklich. Aber da ich nun mal „Fräulein Smilla“ als Bookcrossing-Buch an der Uni gefunden hatte (lesen wollte ich es sowieso mal, auch wenn ich den Film als eher mittelmäßig in Erinnerung habe), habe ich ihm nun eine zweite Chance gegeben. Und eigentlich bin ich nicht enttäuscht worden.
Um was gehts? Smilla Jaspersen, Tochter einer grönländischen Mutter und eines dänischen Vaters, lebt sehr zurückgezogen in Kopenhagen, sie scheint keiner festen Arbeit nachzugehen, aber dank ihres sehr wohlhabenden Vaters scheint sie auch keine finanzielle Not zu leiden. Ihr einziger Freund, wenn man es so nennen will, ist ein kleiner grönländicher Junge namens Jesaja, der mit seiner alkoholkranken Mutter im selben Haus wohnt. Eines Tages fällt Jesaja jedoch vom Dach in den Tod – ein Unfall beim Spielen, befindet die Polizei und will nicht weiter ermitteln. Smilla bezweifelt diese Theorie jedoch: Jesaja hatte Höhenangst und hätte niemals auf einem so hohen Dach gespielt. Bei der Autopsie wird festgestellt, dass aus Jesajas Oberschenkel nach seinem Tod eine Gewebeprobe entnommen wurde. Wie passt das zusammen? Smilla geht dem auf eigene Faust nach und erkennt bald, dass Jesajas Tod mit der Tatsache zusammenhängen muss, dass sein Vater einige Jahre davor bei einer Grönland-Expedition ums Leben gekommen ist. So tritt der Tod des kleinen Jungen allmählich in einen größeren Zusammenhang, und Smilla erkennt: Die Leute, die damals bei der Expedition dabei waren, scheinen noch ein weiteres Mal nach Grönland reisen zu wollen…
Fazit: Alles in allem kann ich das Buch positiv bewerten, denn es hat Spannung, eine anspruchsvolle Handlung und wohldosierten Witz und Ironie, gemischt mit Gesellschaftskritik. Jedoch zieht sich die Handlung streckenweise
ziemlich, vor allem gegen Ende hin, und die Aufklärung des ganzen Geheimnisses ist vergleichsweise banal. Manchmal hatte ich außerdem Schwierigkeiten, der Handlung komplett zu folgen, Høeg springt von den eigentlichen Geschehnissen über innere Monologe Smillas zu Rückblenden, philosophisch angehauchten Betrachtungen und wieder zurück. Das macht zum einen den Reiz aus, aber ich kann mir gut vorstellen, dass das nicht jedermanns Sache ist. Die Figur Smilla fand ich durchaus sympathisch, gerade weil sie nicht die typische Krimiheldin ist: Sie ist Einzelgängerin und ziemlich verschroben.
Trotz aller Kritik würde ich dieses Buch vor allem denjenigen empfehlen, die auch mal einen etwas anspruchsvolleren Thriller lesen, der nicht extrem nervenaufreibend ist, sondern eher eine subtile Spannung aufrechterhält.

Bookcrossing

21. September 2008 § 4 Kommentare

Möglichkeit #2 nach Tauschticket, die man in Betracht ziehen kann, wenn man Platz für neue Bücher braucht, ist für mich Bookcrossing. Das mache ich nicht ganz intensiv, aber ab und zu dafür umso lieber.
Worum geht es da? Die Idee hinter Bookcrossing ist, dass man die Bücher, die man besitzt und gerne liest (oder die man nicht gerne gelesen hat oder die zuviel Platz im Regal einnehmen oder aus was für Gründen auch immer den Besitzer wechseln sollen), an andere Leute weitergibt – und dabei quasi die ganze Umgebung zur Bibliothek macht. Naja, das klingt jetzt nicht sonderlich anschaulich, deswegen noch etwas genauer:
In der Praxis sieht das so aus: Man registriert ein Buch, dass man weggeben möchte, bei www.bookcrossing.com, wo man auch eine Beschreibung des Buches hinterlassen kann (naja, natürlich muss man sich selbst vorher auch registrieren, das ist aber unkompliziert). Jedes Buch bekommt eine Nummer, BCID genannt. Diese schreibt man vorne ins Buch rein, zusammen mit einer kurzen Notiz, dass das Buch bei Bookcrossing registriert ist. Für diese Notiz kann man auch vorgefertigte Sticker runterladen und ausdrucken, das erspart diese Arbeit.
Dann legt man das Buch irgendwo in der Öffentlichkeit aus – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Es kann im Uni-Hörsaal, in der Straßenbahn, im Wald oder in einem fremden Briefkasten sein, wichtig ist nur, dass man das Buch eben vorher registriert und dann auch angibt, wo und wann genau man es „freilässt“. Das wird dann online veröffentlicht, und jeder kann es sehen und „auf die Jagd“ gehen.
Wer das Buch findet, gibt die BCID-Nummer auf der Homepage an und schreibt einen kurzen Journal-Eintrag. Dann kann er es lesen und im Idealfall wieder frei lassen, so dass es immer weiterreisen kann.
Klar, das funktioniert nicht immer so gut, oft gehen die Bücher auch verloren oder die Finder melden es erst viel später, aber trotzdem ist es immer wieder spannend, dass man nie genau weiß, wer das Buch dann findet und wo es landen wird. Mittlerweile gibt es in vielen Städten Meet-Ups, wo sich dann Bookcrosser in einem Café etc. treffen und dort viele Bücher freilassen, es gibt BookRings und -Rays, wo ein Buch kettenbriefartig immer weitergeschickt wird und so weiter. Man kann ein Buch auch gezielt an Freunde verschicken oder in deren Wohnungen liegenlassen, wenn man zu Besuch ist. Und immer gibt es im Netz eine Liste, wo gerade Bücher unterwegs sind.
Es soll wohl auch Leute geben, die für dieses Hobby extra Bücherkisten bei eBay bestellen, nur, um wieder viel Material zum bookcrossen zu haben – aber so weit bin ich da noch nicht. Auch bei Meet-Ups war ich noch nicht dabei.
Ich finde es eine ganz lustige Sache. Vor einigen Wochen habe ich ein Buch in Freiburg an der Uni gefunden, habe es in den Schwedenurlaub mitgenommen, wo es tatsächlich gefunden wurde – aktuell befindet es sich in der Nähe von Stockholm. Ein weiteres Buch, dass ich in Frankfurt am Flughafen ausgelegt hatte, reiste nach Vietnam (wo sich leider seine Spuren verloren haben). Und vor ein paar Tagen habe ich dann (auch an der Uni) ganz überraschend ein Buch gefunden – „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“, das ich sowieso mal lesen wollte. Darüber werde ich hier dann natürlich auch berichten!

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