Berlin – Baku. Meine Reise zum Eurovision Song Contest – Christiane Rösinger

10. Juni 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

IMG_6855Christiane Rösinger scheint eine unternehmungslustige Person zu sein: Als Aserbaidschan den Eurovision Song Contest 2011 gewinnt, beschließt sie, zum Wettbewerb nach Baku zu fahren – mit dem Auto.

Sie packt ihre Mitmusikerin Frau Fierke ein, die beiden kaufen sich ein gebrauchtes Auto und machen sich alsbald auf den Weg. Dieser führt sie von Berlin aus durch Bulgarien, die Türkei, Georgien und schließlich nach Aserbaidschan (wobei die letzten drei Länder am genauesten beschrieben werden). Dabei sollte man nicht davon ausgehen, dass viel über den ESC geschrieben wird – der Weg ist das Ziel, und der ESC taucht dann auch nur in den allerletzten Kapitel auf (und kommt nicht allzu gut weg). Insofern kann man das Ganze auch getrost lesen, wenn man mit dieser Veranstaltung nichts am Hut hat.

Dieser Reisebericht besteht eher aus schlaglichtartigen Erinnerungen denn aus einer minutiösen Wiedergabe des Erlebten. Zum Teil wird reflektiert, was die beiden Frauen so sehen, gerne auch aus feministischer Sicht. Gerade dieser Stil hat mich manchmal etwas gestört, das Buch wirkte zum Teil recht schnell zusammengeschrieben und unfertig – etwas mehr Zeit hätte hier vielleicht gut getan, etwas mehr Muße auch im Schreiben und Erzählen, denn Erzählen ist etwas, was Rösinger durchaus kann. Sie macht einige interessante Beobachtungen und Einschätzungen, das ganze liest sich oft auch sehr lustig und locker, aber leider ist es eben alles etwas zu knapp geraten für meinen Geschmack. Mir drängte sich der Verdacht auf, man wollte das Buch rechtzeitig vor dem nächsten ESC auf den Markt bringen, damit die Erinnerungen an die doch recht kontrovers diskutierte Veranstaltung und an die Kritik am Ausrichterland noch einigermaßen frisch im Gedächtnis ist.

Ich möchte aber auch nicht komplett davon abraten, weil es natürlich trotz aller Knappheit eine tolle Idee und ein schöner Reisebericht ist.

ISBN: 978-3100929457
224 Seiten
Fischer Taschenbuch
€16,99

Apostoloff – Sybille Lewitscharoff

17. Juli 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Zwei Schwestern auf dem Weg durch Bulgarien. Sie waren zunächst unterwegs, um die Asche ihres Vaters – der in den 1940er Jahren nach Deutschland ausgewandert war – zusammen mit den sterblichen Überresten von einigen anderen Stuttgarter Exilbulgaren in ihr Heimatland zu überführen. Anschließend werden sie von Rumen Apostoloff im Land herumchauffiert, der ihnen sein und auch ihr Land zeigen will.

Die Ich-Erzählerin, eine der beiden Schwestern, kann dem Land ihrer Vorfahren nicht viel abgewinnen: Die Landschaft langweilig, die Städte hässlich, die Menschen unsympathisch, das Essen schlecht. So ist sie erstmal schlecht gelaunt, schimpft rum oder liegt mit Migräne im Hotelzimmer. Immer wieder flicht sie Rückblenden ein, Erinnerungen an ihren Vater (der dort meist auch nicht gut wegkommt), an ihre Kindheit und an die Überführung in der vergangenen Woche.

Also, erwartungsgemäß erscheint Bulgarien hier nicht als das Gelobte Land. Sollte man vielleicht nicht als Vorbereitung auf den sehnlichst erwarteten Traumurlaub am Goldstrand lesen. Ansonsten fand ich das Buch so… naja. Was mir das Ganze sagen sollte, hab ich nicht so recht kapiert (ach, doch: Bulgarien ist hässlich!), auch waren mir manche Passagen einfach zu wirr. Manches war noch ganz lustig, hat es dann aber doch im Gesamten nicht wirklich rausgerissen. So ein mittelmäßiges Drei-Sterne-Buch, also.

ISBN: 978-3518420614

247 Seiten

Suhrkamp Verlag

€19,80

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