Erlösung – Jussi Adler Olsen

23. Dezember 2012 § 6 Kommentare

IMG_6467Der einzige, aber wirklich einzige Vorteil, krank im Bett zu liegen? Ihr habt es erraten.

Mal wieder Carl Mørk (und jedes Mal wieder die Suche nach dem ø bei den Sonderzeichen…), mal wieder ein spannender Fall für ihn, Assad und Rose (die zwischendurch mal von ihrer „Zwillingsschwester“ Yrsa vertreten wird). Aus Schottland bekommen die Dänen eine alte Flaschenpost zugesendet, die dort jahrelang in irgendwelchen Büros rumstand und daher schon gewisse Alterserscheinungen zeigt. Doch in der Flasche befindet sich ein Brief, und was man davon noch entziffern kann, gibt Grund zur großen Sorge: Es handelt sich scheinbar um einen Hilferuf von zwei Entführungsopfern, geschrieben mit Blut. Sie seien von einem Mann entführt und in einer Hütte eingesperrt worden. Der Mann habe damit gedroht, sie zu töten. Der Rest des Briefes, der möglicherweise noch Details zu Ort und Zeit der Entführung enthält, lässt sich kaum entziffern.

Das Ganze muss bereits vor Jahren passiert sein, aber eine entsprechende Vermisstenmeldung wurde nie aufgegeben. Ein Fall, der von Anfang an fast zu viele Unbekannte hat – aber das Sonderdezernat Q wäre nicht es selbst, wenn es sich nicht Schritt für Schritt an eine Lösung herantasten würde.

Als Leserin weiß man – wie immer bei Adler Olsen – schon etwas mehr, da von Anfang an aus der Perspektive des Täters erzählt wird. Es gibt bereits mehrere Entführungsopfer, jedes Mal Kinder aus Familien, die unterschiedlichen religiösen Gruppierungen und Sekten angehören. Auch aktuell sind zwei Kinder in seiner Gewalt. Mørk und Kollegen müssen sich also beeilen, dem Täter rechtzeitig auf die Schliche zu kommen, um wenigstens diese Kinder zu retten. Und das wird nochmal ordentlich spannend.

Dieser Band gefiel mir wieder besser als der zweite, den ich insgesamt als den schwächsten der Reihe beurteilen würde. Der Fall ist spannend konstruiert und obwohl man über den Täter und dessen Motive nicht ganz im Unklaren gelassen wird, fiebert man trotzdem mit dem Team Mørk mit.

Zwar ist es durchaus keine schlechte Idee, die Story mit etwas Humor aufzulockern, allerdings hat das hier manchmal etwas genervt. Gerade diese Sache mit Roses Zwillingsschwester Yrsa, die sich dann doch als die verkleidete Rose herausstellte, empfand ich als unnötig, da sie zur Geschichte an sich nichts beiträgt und ich auch nicht so recht wusste, was uns Adler Olsen damit sagen will. Aber nun gut, darüber kann man hinweglesen.

Grundsätzlich gilt also: Wer die ersten beiden Bände gerne gelesen hat, wird diesen Teil umso mehr mögen.

ISBN: 978-3423248525
592 Seiten
Originaltitel: Flaskepost fra P
dtv
€14,90

Schändung – Jussi Adler Olsen

12. November 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich meine bereits erwähnt zu haben, dass ich nach dem Auslesen von Teil 1 unverzüglich mit Teil 2 begonnen hatte, weil ich einfach grade so gut drin und meine Krimi-/Thrillerlust nach einem Buch noch nicht so recht befriedigt war.

In „Schändung“ ermittelt wieder das mittlerweile gut bekannte Team aus Carl und Assad, wobei sie jetzt Verstärkung von Rose bekommen, mit der Carl, nun ja, nicht soo gut klarkommt. Die Akte, die sie aus dem Stapel der ungelösten Fälle ziehen, hat es wieder in sich: Ende der 1980er Jahre wurden zwei Geschwister brutal in ihrem Sommerhaus ermordet. Unter Verdacht geriet damals eine Clique schnöseliger Internatsschüler, die jedoch nie belangt werden konnten. Einer aus der Gruppe nahm die Tat auf sich und wanderte dafür in den Knast – wenig überraschend derjenige, der nur mit Hilfe eines Stipendiums auf das teure Internat gehen konnte und eher aus einfachen Verhältnissen stammte. Bei der erneuten Überprüfung tauchen einige Ungereimtheiten auf, die dafür sorgen, dass das Team vom Sonderdezernat Q genauer nachforscht.

Die Schüler sind mittlerweile erwartungsgemäß an die Spitzen der dänischen Gesellschaft aufgestiegen; ihren Sadismus und ihre Brutalität lassen sie gut versteckt bei Jagdausflügen, an ihren Ehefrauen oder an ihren Angestellten aus. Entsprechend bekommt Carl auch bald von seinen Vorgesetzten signalisiert, er solle den Fall lieber ruhen lassen und sich eine andere Akte vornehmen. Doch es wäre nicht Carl, wenn er sich dadurch nicht noch zusätzlich anstacheln ließe. Es gilt vor allem, die Schlüsselfigur von damals zu finden: Kimmie, die früher ebenfalls zur Clique gehörte und nicht minder brutal war, dann aber untertauchte und seitdem auf der Straße lebt. Doch auch die Clique ist ihr auf den Fersen, denn sie ist die einzige, die ihnen noch gefährlich werden könnte.

Auch der zweite Band hat mir gut gefallen, wenn auch einen Tick weniger als der erste. Die Story hat mich nicht ganz so stark gefesselt wie die erste. Darüber hinaus war mir noch nicht so ganz klar, was für eine Rolle Rose in dem Team spielt; das Gekabbel zwischen ihr und Carl erschien mir manchmal nicht so zielführend und es wird auch nicht so recht klar, warum die beiden sich nicht ausstehen können. Vielleicht wird das aber im dritten Band deutlicher, wer weiß.

Das soll jetzt nicht heißen, dass es ein schlechtes Buch ist, im Gegenteil: Es ist ein guter Nachfolger in dieser Reihe. Man braucht aber auch hier wieder starke Nerven: Die ehemaligen Internatsschüler sind samt und sonders sadistische, brutale Arschlöcher, denen man sofort das schlimmstmögliche Ende wünscht.

Aber ich freu mich jetzt auf Band 3, auch wenn ich damit wahrscheinlich noch ein bisschen warten werde.

ISBN: 978-3423247870
464 Seiten
Originaltitel: Fasandræberne
dtv
€14,90

Erbarmen – Jussi Adler Olsen

6. November 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Vor einigen Jahren ist die beliebte und vielversprechende Politikerin Merete Lynggard während einer Fährüberfahrt verschwunden. Vermutlich ist sie über Bord gegangen, ein Unfall oder ein Suizid, aber jedenfalls wohl kein Verbrechen. Ihr Leichnam wurde nie gefunden, ihr geistig behinderter Bruder kann keine Aussagen über den Fall machen und so wurde der Fall recht schnell zu den Akten gelegt.

Nach fünf Jahren bekommt Carl Mørk einen Stapel ungelöster Fälle auf den Schreibtisch, um die er sich als Chef der neu gegründeten Spezialeinheit für ungelöste Fälle bei der Kopenhagener Polizei kümmern soll. Eher zufällig sucht er sich die Akte Lynggard heraus und beginnt zusammen mit seinem Assistenten Assad zu ermitteln.

Eines ist verdächtig an dem Bild, das sich die beiden von Merete machen: Sie schien neben ihrem Beruf keinerlei Privatleben zu haben, keinen Partner, keine Freunde, keine Hobbies. Stattdessen kümmert sie sich um ihren Bruder, der seit einem Autounfall behindert ist und lebt sonst für die Politik.

Erst in den letzten Tagen vor ihrem Verschwinden schien sie verändert zu sein: Sie wirkte anders, hatte sogar eine Verabredung und bekam offenbar noch einen Brief von einem Unbekannten. Hat dieser Mann etwas mit ihrem Verschwinden zu tun? Ist sie vielleicht gar nicht über Bord gegangen?

Ohne Zeugen und mit den Folgen von schlampiger Ermittlung konfrontiert wird es für die beiden schwierig, irgendwelche stichhaltigen Beweise zu finden, aber nach und nach fügen sich die Puzzleteile zusammen – zu einem ziemlich heftigen Bild.

Als Leserin ist man von Anfang an im Bilde, dass Merete (natürlich) nicht tot ist, sondern noch lebt – und dass ihr schlimme Gewalt angetan wurde und wird. Und es wird im Laufe der Geschichte noch zu einem Wettlauf mit der Zeit, ob Carl und Assad den Tätern noch rechtzeitig auf die Spur kommen.

Die beiden Ermittler sind in der Tat ein super Team, die durchaus mal ein bisschen Schwung in die Bude bringen. Assad ist zwar manchmal etwas zuuu klischeehaft gezeichnet, kippt aber nie ins Extrem, sondern bleibt wunderbar sympathisch und hat oft genug die entscheidenden Einfälle.

Der Fall ist sehr spannend, wenn auch ziemlich heftig. Aber ich kann durchaus verstehen, wie dieses und die Folgebände es auf die Bestsellerliste schaffen konnten. Ich habe jedenfalls fast nahtlos den zweiten Band angefangen – aber dazu dann an anderer Stelle noch ausführlicher.

ISBN: 978-3423247511
420 Seiten
Originaltitel: Kvinden i buret
dtv
€14,90

Fräulein Smillas Gespür für Schnee – Peter Høeg

3. November 2008 § 2 Kommentare

Eigentlich bin ich eine sehr ausdauernde Leserin, sprich: Ich quäle mich meistens auch durch Bücher, die ich nicht so prickelnd finde. Peter Høeg hat es jedoch geschafft, dass ich wirklich mal ein Buch sehr (!) schnell weggelegt habe, das war sein „Plan von der Abschaffung des Dunkel“, das fand ich wirklich schrecklich. Aber da ich nun mal „Fräulein Smilla“ als Bookcrossing-Buch an der Uni gefunden hatte (lesen wollte ich es sowieso mal, auch wenn ich den Film als eher mittelmäßig in Erinnerung habe), habe ich ihm nun eine zweite Chance gegeben. Und eigentlich bin ich nicht enttäuscht worden.
Um was gehts? Smilla Jaspersen, Tochter einer grönländischen Mutter und eines dänischen Vaters, lebt sehr zurückgezogen in Kopenhagen, sie scheint keiner festen Arbeit nachzugehen, aber dank ihres sehr wohlhabenden Vaters scheint sie auch keine finanzielle Not zu leiden. Ihr einziger Freund, wenn man es so nennen will, ist ein kleiner grönländicher Junge namens Jesaja, der mit seiner alkoholkranken Mutter im selben Haus wohnt. Eines Tages fällt Jesaja jedoch vom Dach in den Tod – ein Unfall beim Spielen, befindet die Polizei und will nicht weiter ermitteln. Smilla bezweifelt diese Theorie jedoch: Jesaja hatte Höhenangst und hätte niemals auf einem so hohen Dach gespielt. Bei der Autopsie wird festgestellt, dass aus Jesajas Oberschenkel nach seinem Tod eine Gewebeprobe entnommen wurde. Wie passt das zusammen? Smilla geht dem auf eigene Faust nach und erkennt bald, dass Jesajas Tod mit der Tatsache zusammenhängen muss, dass sein Vater einige Jahre davor bei einer Grönland-Expedition ums Leben gekommen ist. So tritt der Tod des kleinen Jungen allmählich in einen größeren Zusammenhang, und Smilla erkennt: Die Leute, die damals bei der Expedition dabei waren, scheinen noch ein weiteres Mal nach Grönland reisen zu wollen…
Fazit: Alles in allem kann ich das Buch positiv bewerten, denn es hat Spannung, eine anspruchsvolle Handlung und wohldosierten Witz und Ironie, gemischt mit Gesellschaftskritik. Jedoch zieht sich die Handlung streckenweise
ziemlich, vor allem gegen Ende hin, und die Aufklärung des ganzen Geheimnisses ist vergleichsweise banal. Manchmal hatte ich außerdem Schwierigkeiten, der Handlung komplett zu folgen, Høeg springt von den eigentlichen Geschehnissen über innere Monologe Smillas zu Rückblenden, philosophisch angehauchten Betrachtungen und wieder zurück. Das macht zum einen den Reiz aus, aber ich kann mir gut vorstellen, dass das nicht jedermanns Sache ist. Die Figur Smilla fand ich durchaus sympathisch, gerade weil sie nicht die typische Krimiheldin ist: Sie ist Einzelgängerin und ziemlich verschroben.
Trotz aller Kritik würde ich dieses Buch vor allem denjenigen empfehlen, die auch mal einen etwas anspruchsvolleren Thriller lesen, der nicht extrem nervenaufreibend ist, sondern eher eine subtile Spannung aufrechterhält.

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