Apokalypse jetzt! – Greta Taubert

3. Januar 2015 § 7 Kommentare

IMG_7953Greta Taubert treibt eine Frage um: Gibt es Alternativen zu unserer konsumgetriebenen Gesellschaft? Wie wäre sie selbst vorbereitet auf den großen Crash? Ihr Antwort zu Anfang des Buchs: Nicht besonders gut. Als 30something kennt sie nur den Überfluss in den Geschäften, die ständige Verfügbarkeit aller wichtigen (und unwichtigen) Güter, ohne dafür etwas tun zu müssen – außer Geld oder die Kreditkarte über den Tresen zu schieben.

Greta will das ändern und gibt sich ein Jahr, um sich auf die Apokalypse vorzubereiten. Dabei geht es hier mitnichten darum, zum Prepper zu werden oder sich irgendwelche weltfremd-abgehobenen Luftschlösser zu bauen – klar beginnt sie bei dem Naheliegendsten: Das Futtern. Sie spricht mit Typen, die Notfallkisten verkaufen, trifft Kräutersammlerinnen und Pilzzüchter. Nach und nach taucht sie aber tiefer in die Welt derjenigen ein, die Alternativen zu unserer Konsumgesellschaft leben und verschiedene Bereiche anders gestalten wollen: Moderne Nomaden, Tramper, Couchsurfer, Mülltaucher oder Bewohner von alternativen Wohnprojekten. Von ihnen inspiriert macht sich Greta Gedanken, auf was es wirklich ankommt, wenn die gewohnten Strukturen zusammenbrechen – oder einfach, wenn man sein Leben ein bisschen besser und nachhaltiger gestalten will.

Mir hat der Stil dieses Buches echt gut gefallen. Greta berichtet direkt und ehrlich, sie gesteht sich Vorbehalte und Zweifel offen ein, macht aber auch keinen Hehl aus ihrer wachsenden Begeisterung für ihre Entdeckungen. Wo ihre Berichte anfangs eher getrieben waren von der Angst, was nach dem großen Crash kommen könnte und ob man dann irgendwie das gewohnte Leben weiterführen könnte, steht am Schluss der Expedition die Erkenntnis: Wenn alles anders wird, wäre das vielleicht gar nicht so tragisch. Denn das muss nicht unbedingt den Weltuntergang bedeuten.

Wie ich fand: Ein interessantes, gedankenanregendes und trotzdem witziges Buch ums Überleben und Besser leben.

Kalte Füße inklusive – Nora Graser

26. Dezember 2011 § Ein Kommentar

Man lernt ja nie aus – ich dachte die ganze Zeit, ich sei durch mein Praktikum im tief verschneiten und eiskalten Riga vor zwei Jahren schon relativ abgehärtet. Aber es gibt ja immer Leute, die noch krassere Sachen machen.* Nora Graser zum Beispiel, die 15 Monate lang auf der Forschungsstation Neumayer in der Antarktis geforscht und dort auch überwintert hat. Darüber hat sie einen Erlebnisbericht in Buchform verfasst.

Sie verwendet zunächst ein paar kurze Kapitel auf ihre Motivation und die Vorbereitungen, ehe dann erwartunsgemäß die meiste Zeit über die Überwinterung an sich geschrieben wird.

Ihr Überwinterungsteam kam bereits im Sommer in der Antarktis an (zu anderen Jahreszeiten können auch keine Flugzeuge landen) und war – nach einer kurzen Einarbeitungszeit – im anschließenden arktischen Winter nahezu komplett von der Außenwelt abgeschnitten: In einem Notfall könnte beispielsweise niemand ausgeflogen werden. Klar gibt es Internetanschluss und die Möglichkeit zur Kommunikation mit der Außenwelt, aber das Team ist auf sich alleine gestellt.

Deswegen müssen die Überwinterer vorher auch Dinge lernen wie Feuer löschen oder Wunden nähen, sie haben einen Techniker und einen Arzt im Team mit dabei und können ansonsten nur hoffen, dass alles ohne große Probleme über die Bühne geht.

Ging es dann auch, soviel kann schonmal verraten werden. Nora Graser schreibt, wie man es von der Freundin oder Bekannten im regelmäßigen E-Mail-Rundbrief erwarten würde: Nicht literarisch, aber angenehm zu lesen und des öfteren sogar recht lustig, beschreibt sie ihren Alltag, ihre Arbeit und Freizeitgestaltung. Die Beschreibungen sind oft recht technisch (sie ist Physikerin), manchmal hilft das kurze Glossar am Schluss des Buches. Umso schöner sind die Beschreibungen außerhalb der Arbeit: Ihre Begeisterung für das farbenfrohe Dämmerungslicht, die Pinguinkolonie in der Nähe der Station oder die riesigen Eisberge scheint regelmäßig durch. Dafür geht es relativ wenig um die Dynamik innerhalb der Gruppe – es ist sicherlich nicht leicht, mit 8 bisher fremden Menschen mehrere Monate in einer nicht gerade weitläufigen Station unter dem Eis zu leben und die Sonne eine Zeitlang gar nicht zu sehen. Sie deutet hier nur an, dass es natürlich mal Reibereien gab, die man aber lösen konnte – interessant wären ein paar mehr Details dann doch gewesen. Gut, das sei verziehen, ist sicherlich auch eine Frage der Persönlichkeitsrechte der anderen Überwinterer.

So oder so: Das war ein schöner, interessanter Kurzurlaub (wenn man es denn so nennen will), der mich zumindest gedanklich von meinem Schreibtisch weg entführt und in einen komplett anderen Alltag gebracht hat. Nicht, dass es mein größter Traum wäre, so etwas zu erleben – das muss es auch gar nicht sein. Aber spannend allemal, was man noch so alles im Anschluss an sein Studium machen kann.

Es gibt im Übrigen auch ein paar Webcams der Station – allerdings wurde mittlerweile eine neue Station gebaut. Hier gehts lang.

~~

* Nur wie sich eingefrorene Wimpern anfühlen, das weiß ich auch. 😉

ISBN: 978-3426781234
256 Seiten
Knaur Taschenbuch
€ 9,95

Baltische Begegnungen – Uwe Rada/Inka Schwand

22. April 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Zum Abschied bei meiner Praktikumsstelle in Riga habe ich dieses Buch als Andenken bekommen – komplett mit Widmung und den Unterschriften von allen.

Um was gehts? Es geht natürlich ums Baltikum – die Autoren sind per Rad, Bahn und Bus durch Estland, Lettland und Litauen gereist und fassen ihre Erlebnisse in diesem Band zusammen. Dabei wird mal die schöne Landschaft beschrieben, mal geht es um gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Entwicklungen in einzelnen Regionen oder um die wechselvolle Geschichte der drei Länder.

Fazit: Ob man nun schonmal dort war oder (noch einmal) hinwill, das Büchlein hier ist eine schöne Anregung und eine Erinnerungshilfe zugleich. Ob man jetzt nur etwas über lohnenswerte Reiseziele abseits der großen Touristenströme erfahren will oder lieber über die geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergründe, kann man sich aussuchen – es gibt zu jedem Thema etwas, und durch die Einteilung in kurze Kapitel kann man auch nur gezielt zu einem Land lesen. Wie ich fand, eine sehr schöne Erinnerung an meine Zeit in Riga, bei der ich gleichzeitig auch noch Einiges dazulernen konnte.

ISBN: 978-3861246206

144 Seiten

be.bra Verlag

€16,90

Verfilmung von „Schande“

4. Juli 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Der offizielle Kinostart ist wohl irgendwann im August oder September (da finden sich unterschiedliche Angaben im Netz), aber auf dem Freiburger Filmfest gibts sie schon jetzt zu sehen: Die Verfilmung von J.M. Coetzees „Schande“.

Ich fand schon das Buch sehr gut (Rezension hier), und ja, es ist die wirklich alte und schon etwas ausgelutschte Diskussion: Verfilmung anschauen oder lassen? Das Risiko eingehen, dass man total enttäuscht aus dem Kino rausgeht oder vielleicht einen tollen Film verpassen?

Aber keine Angst, in „Schande“ könnt ihr beizeiten beruhigt reingehen, die Verfilmung ist wirklich toll gelungen. Mit tollen Schauspielern wurde die Handlung aus dem Buch nahezu eins zu eins übernommen (was, wie ich finde, bei diesem Roman auch schwerlichst anders möglich gewesen wäre, ohne die Aussage komplett zu verfälschen) und das Ganze mit einer guten Kameraführung und einem schönen Soundtrack in Szene gesetzt. Und noch dazu sprechen die Leute wirklich südafrikanisches Englisch – naja, das ist vielleicht ein Randproblem, aber mich stört es immer, wenn die Leute 08/15-Englisch sprechen, egal in welchem Land der Film spielt. Und ich freue mich doch immer so, wenn ich Südafrikaner reden höre!

Also meine Rezension, kurz und knapp: Reingehen!

Hier noch, der Vollständigkeit halber, der englische Trailer – allerdings in keiner guten Qualität:

Bookcrossing-Zufallsfund

20. April 2009 § 2 Kommentare

Wenn das kein gutes Omen für das kommende Semester ist: An der Uni fand ich „Wer die Nachtigall stört“ als Bookcrossing-Buch – grade neulich hab ich mir gedacht, dass ich das doch mal gerne lesen würde.

Noch dazu hab ich eine schöne alte Hardcoverausgabe erwischt – sogar mit handschriftlicher Widmung! Dafür hab ich dann auch mal meine Prinzipien über Bord geworfen: es gibt hier an der Uni eine sehr fleißige Bookcrosserin, deren freigelassene Bücher mich allzu oft zum Zugreifen verlockt haben, so dass ich mir vorgenommen hatte, mich aus Platzgründen hier erstmal zurückzuhalten. Aber das heute war ja auch was anderes…

WDR-Literaturmarathon 2009

13. März 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Coole Aktion: Ab heute, 22 Uhr, lesen Schauspielerinnen und Schauspieler 24 Stunden lang nonstop aus Texten von 100 Autoren vor. Werde ich bestimmt mal reinhören, das Ganze gibts nämlich als Live-Stream!

Und danke an Nina für diesen Tipp!

Der grüne Daumen – Julia Kospach und Christopher Fellehner

26. Oktober 2008 § Hinterlasse einen Kommentar

Heute mittag habe ich unseren Balkon schon ein wenig winterfit gemacht – und bei der Frage, wie denn jetzt genau die Rose zurückzuschneiden ist, habe ich in diesem Büchlein nachgeschlagen.
Um was gehts? „Der grüne Daumen“ ist ein Buch, das sich speziell an Menschen richtet, die vorher noch nie wirklich gegärtnert haben, nun aber ihren Balkon, ihre Terrasse oder ihre Fensterbank begrünen möchten. Aber auch bereits erfahrene Gärtner können noch Neues erfahren: Es gibt Empfehlungen zu wichtigen Accessoires, Pflege- und Schädlingsbekämpfungstipps sowie eine kleine Pflanzenkunde und einiges mehr.
Fazit: Gut ist, dass es hier sogar Tipps für die schmalste, schattigste Fensterbank gibt, und das Ganze wird so erklärt, dass man sich ja nicht mit zuviel Scheu an die Arbeit macht, denn: so schwer ist das alles gar nicht! Manchmal gefehlt haben mir Fotos, vor allem bei den Beschreibungen der verschiedenen Pflanzen und Blumen.

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