Das Bernsteinamulett – Peter Prange

13. Februar 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

IMG_7650Wenn ich eine solche Familiensaga in die Hand nehme, erwarte ich: 1) Unterhaltung aus dem eher leichteren Fach 2) Großes Drama, viel Schicksal und viele „Auch das noch!“-Momente 3) Große Gefühle und schlechte Liebesszenen. Und hey, dieses Buch hat meine Erwartungen absolut erfüllt und mich wirklich gut unterhalten.

Erzählt wird hier die Geschichte der Familie Reichenbach in der Zeit zwischen 1944 und 1990. Zentrale Figur ist Barbara, die als Tochter aus reichem Hause auf dem Gut Daggelin im Pommerischen aufwächst und mit 19 ihre große Liebe Alexander heiratet. Wenn diese Hochzeit zu einer anderen Zeit an einem anderen Ort stattgefunden hätte, wären die beiden vielleicht ganz unspektakulär zusammen alt geworden. So geht Alex jedoch wieder zurück an die Front, gerät in sowjetische Gefangenschaft und kommt erst Jahre später wieder zurück. Mit Vorrücken der Russen muss Barbara derweil das Gut aufgeben und sich mit einem kleinen Dienstbotenhäuschen zufriedengeben. Sie verfällt zu allem Überfluss dem überaus exotisch-attraktiven Sowjetmajor Belajew (Bonus: Er ist noch wahnsinnig geheimisvoll!) und wird von ihm schwanger. Doch obwohl ihr Sohn Christian wie eine Kopie seines leiblichen Vaters aussieht, ahnt natürlich der zurückgekehrte Alex später nichts von den Umständen dessen Zeugung.

Alex kehrt also unter falschem Namen zurück in die DDR, er und Barbara bekommen noch zwei weitere Kinder, Werner und Tina. Doch Alex landet aufgrund unglücklicher Umstände im Gefängnis. Nach seiner Entlassung ist das Maß endgültig voll und die Familie plant die Flucht in den Westen. Zunächst reisen, im Sommer 1961, Alex und Tina zu Verwandten nach Essen aus, dann will Barbara mit Christian und Werner nachkommen. Doch dann wird die Mauer gebaut und die Familie ist wieder getrennt…

So, hier jetzt mal ein Cut, es passiert noch mehr als genug. Es gibt natürlich noch weitere Nebenhandlungen, jede Menge Intrigen und die passenden Charaktere dazu (die ehemals überzeugte Nazi-Anhängerin, die sich trotz Vergewaltigung durch Rotarmisten hastdunichtgesehen zu einer durch und durch sozialistischen Funktionärin wandelt; außerdem den ehemaligen SA-Mann, der über die Zwischenstation „Kriegsgewinnler“ schnell Karriere in der Bonner Republik macht und exzellente Ostkontakte pflegt…).

Ich muss sagen: Mir hat dieses Buch wirklich Spaß gemacht. Die Familie Reichenbach ist nun wahnsinnig vom Schicksal gebeutelt, man kann gar nicht anders als mitfiebern – und trotzdem weiß man natürlich, dass am Ende alles gut werden wird.

Also, kurz nochmal überprüfen: 1) Check 2) Check. Definitiv. 3) Öhm ja, auch das ist ein klares check.

Alle Erwartungen erfüllt, Leserin zufrieden.

ISBN: 978-3426621592
511 Seiten
Weltbild Verlag
€9,99

Die Bücherdiebin – Markus Zusak

25. Januar 2014 § 8 Kommentare

So, jetzt habe ich die wunderbare Aufgabe, ein Buch zu verreißen schlecht zu rezensieren, das gefühlte 99% aller Leser so GANZ supertoll finden und gerne als Meisterwerk oder sogar als neuen Klassiker (!) bezeichnen. Nuuuuunja. Ich will mal versuchen, in Worte zu fassen, was mich an dem Ganzen so gestört habe, dass ich es nicht mal komplett gelesen habe.

Ich halte es aus diesem Grund auch recht kurz mit dem Inhalt: Wir haben hier die kleine Liesel, die bei Pflegeeltern aufwächst und zu deren hervorstechenden Eigenschaften es offenbar gehört, dass sie ab und an mal ein Buch klaut. Inwieweit das Ganze jetzt irgendwie charakterformend ist oder was genau dadurch ausgedrückt werden, blieb mir verborgen, es muss jedoch so bahnbrechend sein, dass darauf immer wieder herumgeritten wird – siehe Titel des Buches.

Liesel lernt also mit Hilfe ihres Pflegevaters und ihres ersten gestohlenen Buches das Lesen. Was man allerdings noch dazu sagen muss ist, dass die Geschichte während des Zweiten Weltkriegs spielt, dass Liesels Bruder ums Leben gekommen und ihre Mutter verschwunden ist und dass der Tod selbst diese Geschichte erzählt. Und ja, es passieren schlimme Dinge, und ja, es wird auch ein Jude versteckt und ja, am Schluss sind einige der Menschen tot, die man im Laufe der Geschichte kennengelernt hat. Was halt zu einem ordentlichen Weltkriegs-Buch dazugehört.

Nun ist es ja so, dass der Tod mächtig viel zu tun hat und sich daher offenbar nicht so recht aufs Erzählen konzentrieren kann – und, sorry, auch nicht so viel davon versteht. Er erzählt weder stringent noch mit einem Gespür für Spannung, weil er nach Herzenslust auch mal vorgreift oder Rückblenden einstreut. Außerdem verwendet er DIE BESCHISSENSTEN METAPHERN EVER (ever, ever)! Also mal ganz ehrlich: „der FRÜHSTÜCKSFARBENE Himmel“? WTF?

An diesem Punkt angekommen hatte ich auch keine Lust mehr, dieses Buch irgendwie sonderlich objektiv zu bewerten. Ich habe mich ehrlich gesagt geärgert. Ich mochte die Charaktere nämlich recht gerne und auch die Idee, den Tod die Story erzählen zu lassen, hatte jedenfalls zu Anfang durchaus seinen Reiz. Aber dann blieben die Charaktere ziemlich blass, die Story nimmt nicht wirklich Fahrt auf und dann war die Sprache einfach nur noch anstrengend und bemüht originell. Ich war dann nur noch genervt, habe noch ein bisschen mit mir gerungen (So viele begeisterte Leser können doch nicht irren…?) und dann aber ungefähr bei der Hälfte abgebrochen.

Also, entweder habe ich wirklich gar keine Ahnung von guter Literatur, dann schließe ich dieses Blog hier sofort und gehe nur noch in Sack und Asche, oder dieses Buch ist absolut überschätzt. Den Hype darum verstehe ich jedenfalls überhaupt nicht.

ISBN: 978-3442373956
588 Seiten
Originaltitel: The Book Thief
Blanvalet
€8,99 (ebook)

Reisen ins Reich – Oliver Lubrich

15. Oktober 2013 § 4 Kommentare

IMG_7388Eine spannende Frage: Wie haben Ausländer, die das Dritte Reich bereisten, das System wahrgenommen und analysiert? Haben sie die Gefahr des Nationalsozialismus erkannt oder ließen sie sich zunächst auch von der Propaganda blenden? Und wie wurde das Regime beurteilt, als der Krieg bereits ausgebrochen war?

Oliver Lubrich hat sich dieser Fragen angenommen und unterschiedlichste Berichte von ausländischen Autoren zusammengestellt, die während der Nazizeit in Deutschland waren. Manche waren nur kurz auf Durchreise, manche lebten mehrere Jahre dort (in der Regel als Korrespondenten), einige kannten Deutschland schon zur Weimarer Zeit, andere lernten nur das Dritte Reich kennen.

Es schrieben bekanntere und unbekanntere Autorinnen und Autoren über ihre Zeit in Deutschland. Wir finden hier reine Reiseberichte, in denen der Nationalsozialismus nur kurz gestreift wird (und dennoch oft klar charakterisiert wird) neben tiefergehenden Analysen. Spannend ist, wie unterschiedlich schnell die Schreibenden die Zeichen der Zeit erkannten: Einige packten bereits in den ersten Jahren ihre Koffer, wo andere noch durchaus positiv über Hitler dachten. Auch merkt man in den Berichten deutlich, wie der Krieg näher rückt und immer häufiger über Bombenangriffe und Kriegshandlungen die Rede ist.

Alles in allem ist dieses Buch jedenfalls sehr interessant und spannend zu lesen – solche Blicke von außen sind höchst lehrreich und helfen, einen etwas umfassenderen Blick auf die Dinge zu bekommen. Einzig hätte ich mir gewünscht, etwas weniger über Berlin und etwas mehr über den Rest von Deutschland zu lesen. Aber das ist wohl der Tatsache geschuldet, dass die meisten Korrespondenten und Botschaftsangehörige eben dort in der Hauptstadt tätig waren.

ISBN: 978-3442737499
448 Seiten
btb Taschenbuch
€10,00

Abgebrochen: Schindlers Liste – Thomas Keneally

8. Juli 2013 § Ein Kommentar

Es kommt selten genug vor, dass ich ein Buch beiseite lege und mir vornehme, lieber die Verfilmung anzuschauen. Hier war das der Fall, nach ca. 100 Seiten hatte ich keine Lust mehr. Ich weiß nicht, was mit dem Autor los war, aber der Schreibstil kam mir absolut inkonsistent vor – ständig springt er zwischen einzelnen Zeitebenen, er führt manchmal ohne erkennbaren Zusammenhang Personen ein, er schaffte es für mich überhaupt nicht, mich bei der Stange zu halten. Ich frage mich hier wirklich, ob ich irgendwie eine andere Version von diesem Buch erwischt habe, das alle durchweg so gut bewerten.

Schade, denn die Geschichte um Oskar Schindler und seine Judenrettungsaktion hätte mich sehr interessiert. So bin ich froh, dass das Buch auch (wie man sagt) ganz gut verfilmt wurde und ich so noch eine Möglichkeit habe, das nachzuholen.

Fatherland – Robert Harris

21. Dezember 2012 § 2 Kommentare

IMG_6460Die Frage danach, wie die Geschichte alternativ hätte verlaufen können, ist ja immer eine spannende. Harris hat sich bei diesem Buch das wohl krasseste Szenario ausgesucht: Hitler hat den Krieg gewonnen, das „Tausendjährige Reich“ bereitet sich im Jahr 1964 auf den 75. Geburtstag des Führers vor. Berlin heißt zwar (noch?) nicht Germania, ist aber bereits nach Speers Plänen für die „Welthauptstadt“ umgebaut. Deutschland hat seine Grenzen bis weit hinter Moskau und auf die Krim ausdehnen können, ist an den Ostgrenzen jedoch noch immer in Kämpfe verwickelt. Es gibt diffuse Gerüchte über eine massenhafte Umsiedlung der Juden Europas in den Osten – doch Genaueres weiß keiner.

Das Deutsche Reich ist derweil in einer Art Kaltem Krieg mit den Amerikanern verstrickt; umso größer wird gefeiert, dass der amerikanische Präsident Kennedy (allerdings Joseph P., nicht John F.) bald nach Deutschland reisen will, um eine Versöhnung zu forcieren.

Vor diesem Setting treffen wir den Kripo-Mann Xavier March (komischer Name für einen Nazi, oder? Dachte ich auch). Wenige Tage vor dem „Führertag“, also Hitlers Geburtstag, wird die Leiche eines Mannes aufgefunden. Bald stellt sich heraus, dass es sich um Josef Buhler handelte, einen alten Parteifunktionär. Obwohl ihm klar gemacht wird, dass die Gestapo die weiteren Ermittlungen übernehmen wird, ermittelt March auf eigene Faust weiter. Bald erkennt er, dass Buhler mit einigen anderen Männern offenbar in eine Verschwörung verwickelt war: Alle vierzehn nahmen im Jahr 1942 an einer Konferenz in Wannsee teil, und alle vierzehn sind mittlerweile tot oder verschwunden. Dass das kein Zufall sein kann, ist March schnell klar und so beginnt er gemeinsam mit der amerikanisch-deutschen Journalistin Charlotte Maguire seine eigenen Nachforschungen anzustellen.

Irgendwie bin ich bis kurz vor Schluss mit dieser Geschichte nicht so 100%ig warm geworden. Dabei hatte sie ja eigentlich alles, um so richtig spannend zu werden. Ich denke, es lag daran, dass der Plot relativ langsam Fahrt aufnimmt und March die meiste Zeit relativ blass bleibt – es wird zwar einiges aus seinem Privatleben erzählt (geschiedener Einzelgänger, der später sogar von seinem eigenen Sohn denunziert wird) aber so richtig fassbar war er für mich nicht. Viele Aspekte des täglichen Lebens werden nur angeschnitten – ich hätte hier gerne mehr erfahren, aber natürlich hätte das den Rahmen dieser Geschichte, die ja in erster Linie ein Krimi sein sollte, gesprengt.

Ich will das Buch hier gar nicht schlecht machen. Die Story nimmt zunehmend Fahrt auf und wird immer spannender – es gibt sogar einen zünftigen Showdown. Und das Setting eines in Vetternwirtschaft und Filz erstarrten Nazi-Staates ist allemal interessant und etwas gruselig zu lesen.

ISBN: 978-0099527893
386 Seiten
Deutscher Titel: Vaterland
Arrow
€8,10

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