Die Täuschung – Charlotte Link

17. Oktober 2013 § Ein Kommentar

IMG_7414Peter und Laura sind eigentlich die perfekte Familie: Sie leben in einem schönen, wohlhabenden Stadtteil von Frankfurt, Peter schafft als Selbstständiger das Geld herbei und Laura kümmert sich um die gemeinsame Tochter und das Heim. Klar ist Peter gerade in letzter Zeit oft gestresst und genervt von seiner Arbeit, aber alles in allem scheinen die beiden ein gutes Leben miteinander zu führen.

Jeden Oktober fährt Peter nach Südfrankreich, um dort mit seinem Freund Christopher Segeln zu gehen. Er meldet sich zuverlässig, wenn er dort angekommen ist und kommt immer gut erholt und zufrieden zurück, weswegen ihm Laura, ihres Zeichens sonst eher Kontrollfreak, diese Freiheit gerne gewährt.

Auch in diesem Jahr ist der herbstliche Segeltrip geplant. Peter meldet sich von unterwegs, aber dann nicht wie versprochen, dass er im Ferienhaus angekommen ist. Laura macht sich immer größere Sorgen, als er sich auch am nächsten Tag nicht meldet. In ihrem gemeinsamen Stammlokal vor Ort ist er abends noch aufgetaucht, versichert der Wirt, aber danach verliert sich die Spur. Als Laura bei Christopher anruft, ist dieser erstaunt: Dieses Jahr sei gar kein Segelausflug geplant gewesen und von Peter habe er nichts gehört oder gesehen.

Laura dreht nun vollkommen am Rad. Um herauszufinden, was vor sich geht, fährt sie in Peters Agentur, wo sie von den dortigen Angestellten nur erfährt, dass Peter über beide Ohren verschuldet war und vor dem Ruin stand.

Kurz entschlossen fährt Laura nach Südfrankreich, um dort Nachforschungen anzustellen. Und obwohl sie Unterstützung von Freunden und Bekannten erfährt, zeigt sich schnell, dass da irgendetwas sehr faul ist und sie selbst bald in Lebensgefahr schwebt.

Grundsätzlich ist die Geschichte ganz schön und sehr spannend (und gruselig!) zu lesen. Wenn man in Kauf nimmt, dass es einige Wendungen und Elemente gibt, die man so auch schon mal in irgendwelchen Billigmovies gesehen hat, dass Laura stellenweise eine nervige und überspannte Ziege ist und dass die Geschichte gerade gegen Ende etwas zu vorhersehbar und klischeehaft gerät, hat man mit „Die Täuschung“ allemal ein nettes Buch, das einen für ein paar Stunden ganz gut unterhält.

ISBN: 978-3442372997
496 Seiten
Goldmann
€9,99
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Blackout – Marc Elsberg

16. Dezember 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Der passende Roman zu den alljährlichen Diskussionen, ob die Stromversorgung auch in diesem Winter sicher ist. Wenn man Experten zu Kritischen Infrastrukturen fragt, haben sehr viele offensichtlich dieses Buch schon gelesen und schätzen es als weitgehend realistisch ein. Da für mich das Thema Stromversorgung aktuell aus beruflichen Gründen sehr interessant ist, musste ich mir natürlich „Blackout“ auch besorgen.

In Italien fällt an einem Februarabend der Strom aus. Der Informatiker Piero Manzano ist mit dem Auto unterwegs und baut postwendend einen Unfall, da die Ampeln alle ausgefallen sind. Nun, so ein Stromausfall an sich ist wenig beunruhigend, und so geht er erst einmal ins Krankenhaus, um seine Verletzungen versorgen zu lassen und freut sich dann auf einen gemütlichen Abend mit einer seiner Affären. Aber Pustekuchen, der Strom kommt erstmal nicht wieder, die ganze Stadt scheint ohne Versorgung zu sein. Als Manzano sein Smart Meter, den intelligenten Stromzähler, genauer untersucht, entdeckt er, dass da etwas faul sein muss. Es sieht ganz danach aus, als wären die Zähler manipuliert worden. Und der Typ ist selbst Hacker, er erkennt also einen Hack, wenn er ihn sieht. Doch bei den zuständigen Stellen will man ihm nicht zuhören.

Dabei ist Italien bei Weitem kein Einzelfall: Fast ganz Europa liegt im Dunklen, die Stromversorger und Netzbetreiber haben mit ständig ausfallenden Anlagen zu kämpfen und wissen keine Lösung. Es erscheint unmöglich, das Netz wieder zu stabilisieren. Für die Bevölkerung geht es derweil um existenzielle Fragen: Ohne Strom funktioniert weder das Licht noch die Heizung; aus den Leitungen kommt kein Wasser mehr, die Tankstellen können kein Benzin mehr ausgeben, weil die Pumpen ausgefallen sind und die Lebensmittel gehen zu Neige. Krankenhäuser, Altenheime, landwirtschaftliche Betriebe – sofern es dort Notstromversorgung gibt, sind auch hier die Treibstoffvorräte endlich. Und auch die Notkühlung verschiedener europäischer AKWs läuft nur noch mit Diesel…

Manzano liefert sich derweil einen Wettlauf mit der Zeit, denn kaum, dass er bei den zuständigen Stellen endlich Gehör für seine Entdeckung gefunden hat, werden ihm gefakede Mails untergejubelt, die den Verdacht auf ihn richten. Zusammen mit der amerikanischen Journalistin Lauren Shannon versucht er, die Behörden von seiner Unschuld zu überzeugen und gleichzeitig den Drahtziehern des Anschlags auf die Spur zu kommen.

Ich glaube, es lag nicht nur daran, dass ich krank im Bett lag und viel Zeit hatte – die 800 Seiten hatte innerhalb von wenigen Tagen ausgelesen. Die Handlung ist sehr rasant und nicht gerade arm an Wendungen. Dabei ist das Ganze sehr dicht an Informationen – Elsberg hat offenbar sehr gründlich recherchiert und man hat den ein oder anderen Aha-Effekt, wenn man vor Augen geführt bekommt, wie abhängig wir mittlerweile von einer funktionierenden Stromversorgung geworden sind. Wie gesagt: Das Szenario, das er hier beschreibt, ist wohl realistisch zu nennen. Die Stromversorgung in Deutschland ist zwar im internationalen Vergleich enorm sicher; wir haben mit die seltensten Stromausfälle. Auf der anderen Seite sind die Stromnetze insbesondere in Europa sehr stark miteinander verflochten, so dass sich Störungen in einem Staat schnell auch auf andere Länder auswirken können (Ein Beispiel, wie schnell sowas gehen kann, findet sich hier).

Dieses Buch dürfte wohl insofern auch viel Aufmerksamkeit erfahren, da gerade zum Winter jedes Mal wieder die Gefahr von Stromausfällen beschworen wird. Vorerst können wir wohl gemütlich in unseren warmen Wohnungen bei elektrischem Licht in diesem Buch schmökern. Aber ich verspreche euch eins: Sobald ihr es ausgelesen habt, werdet ihr euch noch des Öfteren bei dem Gedanken ertappen, ob ihr nicht doch vielleicht mal ausreichend Vorräte und Batterien anschaffen solltet, nur so für den Fall, wenn dann doch mal was passiert, es könnte ja sein…

ISBN: 978-3764504458
797 Seiten
Blanvalet
€19,99

Das Mädchen, das sterben sollte – Glyn Maxwell

23. März 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Ein Buch als Experiment – mir ist jedenfalls noch kein Roman untergekommen, der ausschließlich aus Dialogen besteht.

Suzan Mantles Leben ist bisher nicht sonderlich von Erfolg gekrönt gewesen – sie lebt alleine im Haus ihrer ausgewanderten Eltern, verdient ein wenig Geld als Teilzeit-Fremdenführerin, wobei sie amerikanischen Touristen allerlei Unwahrheiten über Londoner Sehenswürdigkeiten erzählt und findet immer nur die falschen Männer.

Momentan ist grade Nigel dran, weswegen sich Suzan bei einer Wahrsagerin versichern will, dass sie dieses Mal den Richtigen gefunden hat. Doch die Dame denkt gar nicht daran, ihr diese Frage zu beantworten. Viel eher bekommt Suzan eine ziemlich verstörende Vorhersage: Sie werde bald berühmt werden und reich. Sie werde über Land und Wasser reisen. Sie werde einen geheimnisvollen dunklen Fremden treffen und Nein zu ihm sagen. Doch irgendwann werde sie Ja sagen, und am Tag darauf werde sie sterben.

Suzan ist natürlich geschockt und läuft weinend durch die Straßen: Sterben will sie mit 28 ja wohl noch nicht! Sie bekommt daher gar nicht mit, dass ganz England in Aufruhr ist: Auf ein Filmset in Libyen wurde ein Anschlag verübt und unter den Opfern befindet sich auch der sehr beliebte Schauspieler Thomas Bayne. Sofort sind Fernsehteams unterwegs, um die obligatorischen Stimmungsbilder einzufangen – und Suzan kommt ihnen gerade recht: Eine schöne junge Frau, traurig, offensichtlich geschockt vom Tod ihres Idols, die tränenüberströmt immer nur diese Worte stammelt: „Dem Tod wird kein Reich mehr bleiben!“. Damit nicht genug: Just in diesem Augenblick verbreitet sich die Nachricht, Thomas Bayne sei am Leben, nur durch ein Missverständnis wurde er für tot erklärt! Und sofort wird Suzan zur Prophetin dieses Wunders verklärt, ihr schönes tränenüberströmtes Gesicht taucht in den Nachrichtensendungen auf und ein Sturm bricht los.

Freunde und Ex-Lover werden interviewt, Fernsehteams belagern ihr Haus und rücken ihr auf die Pelle – doch Suzan weiß genau, was passiert: Die Prophezeihung erfüllt sich. Sie ist berühmt! Als sie ihr Konto überprüft, sieht sie, dass ihr jemand anonym eine Million US-Dollar überwiesen hat – sie ist also auch reich. Und es sieht ganz danach aus, als würden die drei anderen Prophezeihungen ebenfalls Wirklichkeit werden…

Alles in allem funktioniert diese Dialogsache erstaunlich gut – abgesehen davon, dass manchmal auch ziemlicher Stuss geredet wird, macht das Lesen ziemlich viel Spaß und dank Kursiv- und Fettdruck weiß man nahezu immer, wer gerade spricht. Hätte ich ja nicht gedacht.

„Das Mädchen, das sterben sollte“ ist eine Satire auf den Medienzirkus, der aus  absolut gewöhnlichen Menschen plötzlich wie aus dem Nichts große Stars produziert und diese ebenso schnell wieder verheizt. Ich denke, uns allen fallen da zur Genüge Beispiele ein. Aber so richtig zum Nachdenken gebracht wird man auf der anderen Seite nicht, da die Handlung durch die Dialogform wahnsinnig rasant ist und man keine erklärenden und reflektierenden Passagen zwischendurch findet. Die Leserin muss theoretisch also selbst zwischendurch mal innehalten und über das Gelesene nachdenken. Naja, theoretisch eben…

Die Story wird – und das ist ein kleiner Wermutstropfen – leider zunehmend abgedrehter, das Ende habe ich nicht so recht kapiert. Trotzdem will ich es hier weiterempfehlen. Ich würde zwar wetten, dass manche mit dem Buch auch überhaupt nichts anfangen können, aber ein paar mehr Leser hat es dann doch verdient.

ISBN: 978-3888975516
455 Seiten
Originaltitel: The girl who was going to die
Verlag Antje Kunstmann
€19,90

Léon und Louise – Alex Capus

1. November 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Auch wenn ihr Kennenlernen wenig spektakulär ist, werden Léon und Louise zu einem umso außergewöhnlicheren Liebespaar: Sie lernen sich während des Ersten Weltkriegs in einem kleinen französischen Dorf kennen, wo sie Botengänge für den Bürgermeister erledigt und er an der kleinen Bahnstation als Morseassistent arbeitet. Er ist fasziniert von dem irgendwie geheimnisvollen Mädchen mit dem quietschenden Fahrrad, und nach einem eher zögerlichen Kennenlernen beginnt auf einem Ausflug ans Meer so etwas wie eine erste Romanze zwischen den beiden. Auf der Rückfahrt jedoch geraten sie in einen deutschen Luftangriff und verlieren einander aus den Augen – Léon wird verletzt, und als er aus dem Krankenhaus ins Dorf zurückkehrt, wird ihm dort der Tod Louises bestätigt.

Nach einem Zeitsprung von zehn Jahren treffen wir Léon wieder – mittlerweile arbeitet er in einem Polizeilabor in Paris und hat mit seiner Frau Yvonne zusammen einen kleinen Sohn. Eines Tages sieht Léon aus der Metro heraus eine Frau, von der er sich sicher ist: Das muss doch Louise sein! Er sucht vergeblich nach ihr, doch dann ist es sie, die plötzlich vor ihm steht. Léon ist sofort wieder Feuer und Flamme. Sie landen zusammen in der Kiste (bzw. auf einer Decke am Waldrand), doch für Léon steht es zu keiner Zeit außer Frage, dass er Yvonne und seine Kinder (es folgen noch ein paar in den nächsten Jahren) niemals verlassen wird.

So ist es auch Yvonne, die von alldem weiß und es dennoch so akzeptiert, wie es ist: Sie führen eine gute, funktionierende Ehe und sind gute Freunde, aber sie weiß eben auch, dass ihr Léon seine Louise nie vergessen kann. Irgendwie arrangiert sie sich damit, auch weil sie um Léons Treue weiß und sich sicher sein kann, dass er ihr Arrangement nie aufkündigen wird.

Louise wiederum verbietet Léon nach diesem Wiedersehen ein weiteres Mal. Er soll nicht nach ihr suchen, nicht auf sie warten, sich nicht nach einer Beziehung mit ihr sehnen – und Léon fügt sich in sein Schicksal. Er kehrt in seinen Alltag zurück, ist weiterhin der treusorgende Familienvater und kommt auch einigermaßen unbeschadet durch die deutsche Besatzung von Paris und den Zweiten Weltkrieg.

Louise meldet sich in diesen Jahren nur gelegentlich per Brief: Zusammen mit beträchtlichen Goldreserven der Banque de France hat sie Frankreich auf dem Seeweg verlassen können und verbringt die Kriegsjahre im Senegal, von woher sie lange Briefe schreibt. Sie langweilt sich, sehnt sich nach Léon und berichtet ihm über ihren recht eintönigen Alltag – ohne zu wissen, ob er überhaupt noch lebt und ob sie sich jemals wiedersehen.

Es sei nur soviel verraten: Sie sehen sich (natürlich) wieder, aber auch dann wird es nie eine „gewöhnliche“ Beziehung werden.

Ich muss zugeben: Ich hätte gerne noch 100 oder 200 Seiten mehr gelesen – zum einen, weil man einige Szenen noch mehr hätte ausarbeiten können. Ein bisschen mehr hätte ich gerne über Louise erfahren, insbesondere darüber, was in ihr vorgeht. In manchen Situationen fand ich sie ein wenig zu eindimensional. Auch die gemeinsame Zeit der beiden nach dem Krieg kommt ein wenig zu kurz – obwohl ich natürlich weiß, dass das ja auch gar nicht der Schwerpunkt der Geschichte sein sollte. Aber mehr gelesen hätte ich gerne vor allem deswegen, weil mir diese Geschichte so gut gefallen hat. Insbesondere die Hauptcharaktere waren mir ziemlich sympathisch, so dass ich gerne etwas mehr Zeit mit ihnen verbracht hätte. Bleibt mir also nur, anderen ihre Gesellschaft wärmstens zu empfehlen.

ISBN: 978-3446236301
320 Seiten
Carl Hanser Verlag
€19,90
 

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