ZERO. Sie wissen, was du tust – Marc Elsberg

25. März 2015 § 2 Kommentare

IMG_8069Von Elsbergs Erstling „Blackout“ war ich ja ziemlich angetan und da ich die ganze Big Data-Thematik sehr spannend finde, habe ich mich gefreut, als ich „ZERO“ geschenkt bekommen habe.

Auch ZERO hat wieder ein Szenario zur Grundlage, das gar nicht mal sooo unrealistisch ist. Wir müssen uns dafür nur ein paar Jahre in die Zukunft denken, denn alle Technologien, um die es hier geht, gibt es auch heute schon.

Der neue heiße Scheiß in dieser Geschichte ist ein Netzwerk namens „Freeme“: Jedem Nutzer gehören seine aggregierten Daten und er kann entscheiden, was mit ihnen passiert und auch, welchen Wert sie haben. Klar, dass alle den Wert ihrer Daten stetig verbessern wollen, denn es gibt Rankings und Scores, so dass jeder immer nachprüfen kann, wie wertvoll seine Persönlichkeit und sein Können aktuell sind. Und um das alles zu verbessern, gibt es dann die ActApps, die für alle möglichen Lebenslagen Ratschläge geben. In erster Linie geht es natürlich um ein besseres, gesünderes und zufriedeneres Leben, mit dem netten Nebeneffekt, dass die Erfolgreichen auch ihren Datenwert steigern können.

Gut, das an sich ist jetzt nicht so tragisch. Vi, die Tochter der Journalistin Cynthia, ist dank der ActApps besser in der Schule geworden, hat ihre etwas schwierige Emophase überstanden und benimmt sich allgemein zugänglicher und erwachsener (und Mama Cynthia lässt sich immerhin von einer App schon Flirttipps einflüstern, um diesen einen knackigen IT-Experten rumzukriegen für sich zu gewinnen). Doch dann passiert ein Unglück: Einer der Freunde von Vi hat sich mit einer Datenbrille auf Verbrecherjagd begeben und wurde dabei erschossen. Und natürlich wird diskutiert: Haben ihn diese ActApps dazu gebracht, mutig und zu wagehalsig zu werden, um seine Werte zu verbessern? Ist Freeme etwa gefährlich?

Befeuert wird die Debatte zusätzlich vom Hackerkollektiv ZERO, das mit einigen spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam gemacht und sein Ziel, die „Datenkraken“ zu vernichten, dabei mehr als deutlich artikuliert hat.

Cynthia ist zunächst überfordert, da sie mit diesen ganzen neuen Technologien nie wirklich Schritt gehalten hat. Plötzlich ist sie als Mutter gefragt, aber auch in ihrem Job als Journalistin: Wegen ihrer direkten Nähe zu dem Fall soll sie davon berichten. Gemeinsam mit Kollegen versucht sie, hinter Freemes Geheimnis zu kommen und begibt sich damit auf ein vermintes Terrain – denn das Netzwerk will sich natürlich nicht in die Karten schauen lassen und auch ZERO mischt kräftig mit.

Ich muss sagen, mich hat die ganze Geschichte etwas zwiegespalten zurückgelassen. Klar, die Thematik ist super-spannend und die Story könnte aktueller nicht sein. Auf der anderen Seite schien die Geschichte nicht als solche zu leben, sondern in erster Linie dem Namedropping zu dienen. So sprechen die Charaktere manchmal, als zitierten sie gerade aus der Wikipedia. Ich bin mir bewusst, dass dieses Buch eine große Rechercheleistung darstellt und man merkt, dass Elsberg diese Sache recht gründlich erledigt hat. Allerdings hätten die Protagonisten ruhig etwas lebendiger und dreidimensionaler und die Dialoge etwas natürlicher sein dürfen.

Ich will das Buch hier aber nicht zu schlecht machen: Es ist auf jeden Fall ein ganz guter Einstieg in die Big Data-Thematik und zeigt einige der Probleme auf, mit denen wir uns in den nächsten Jahren wohl beschäftigen dürfen.

Im Übrigen, um gleich mal beim Thema zu bleiben: Ich bin ab heute bis Freitag bei der Herrenhäuser Konferenz der Volkswagen Stiftung „Big Data in a Transdisciplinary Perspective“ dabei – als eine der Science Reporter werde ich darüber bei Twitter, Facebook und eventuell auch hier im Blog berichten (ansonsten lautet der Hashtag #hkbigdata). Ich freue mich auf die Konferenz und auch darauf, wenn der ein oder die andere von euch sich dafür interessiert!

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Jetzt ich noch: Mein Lesejahr 2014

31. Dezember 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

goodreads2014

Die letzten Tage eines Jahres bieten ja allerlei Gelegenheit zur fleißigen Selbstbespiegelung und Nabelschau. Wir Literaturblogger erstellen dann unsere Top 5, lassen das Lesejahr nochmal Revue passieren und befinden in der Regel, dass es doch alles in allem ziemlich gut war, was wir so gelesen haben (An dieser Stelle erstarre ich immer in Ehrfurcht, wenn Bloggerkollegen von ihren erfolgreichen Challenges, Themenprojekten und Lebenswerk-Leserunden berichten. Zusätzlich zu der „normalen“ Lektüre nebenher. Chapeau!).

Und dieses Jahr bei mir? Tja. Die Goodreads-Statistik zeigt, was mein Gefühl mir schon vorher sagte. Mein Jahr 2014 war zwar, ganz allgemein gesehen, gar nicht mal so schlecht. Lesetechnisch wars aber erstaunlich mau. Allgemein kam ich schon weniger zum Lesen (viel anderen Kram zu tun und keinen wirklichen Urlaub gehabt…), und es waren sehr, sehr wenige Highlights dabei. Erstaunlich häufig waren die Bücher eher mittelmäßig – von richtigen Fehlgriffen wie der Bücherdiebin reden wir hier noch gar nicht.

Was lerne ich daraus? Ein reines „Mehr“ möchte ich mir gar nicht wirklich vornehmen. Zum einen kann ich noch gar nicht abschätzen, was die (immer noch) neue Stadt, der kommende Job und das Leben allgemein für mich bereithalten und was ich an Lesezeit abknapsen kann. Im kommenden Jahr möchte ich vor allem wieder gezielter lesen. Nur solche Bücher ins Regel stellen, die mich wirklich interessieren, von denen ich mir auch etwas verspreche. Und sei es nur gute Unterhaltung. Ich werde wahrscheinlich noch mal meinen SUB bereinigen. Vor meinem Umzug im Herbst habe ich zwar schon einige der ganz üblen Leichen weggegeben, aber immer noch steht da eigentlich zu viel rum, was ich wahrscheinlich nie lesen werde. Da sehe ich irgendwie noch die Möglichkeiten, überrascht zu werden oder neue Lieblingsautoren zu entdecken. Aber mal ehrlich: Oft genug lief es in diesem Jahr auf „Geht so“-Lektüren hinaus, gerade bei Büchern dieser Art. Ich sehe es da einfach mal als Zeichen, dass meine neue Hood einen öffentlichen Bücherschrank hat. 😉

Und ein weiteres Fazit? Einfach mal wieder länger Urlaub machen. DAS wünsche ich mir sowieso schon. Mal sehen, was 2015 mir in dieser Hinsicht bringt. 🙂

Crossing the Line – William Finnegan

29. November 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Dieses Buch hat mal wieder eine Geschichte – daher also erstmal kurzes Vorgeplänkel, ehe es zur eigentlich Rezension kommt.

Ich googelte mal vor einiger Zeit die Schule, auf der ich in Südafrika war – einfach um mal zu schauen, ob’s da was Neues gibt. Dazu habe ich nichts gefunden, dafür aber ein paar Seiten aus diesem Buch hier via Google Books. Ich, aufmerksam geworden, lese ein bisschen weiter und finde heraus, dass genannter Autor Anfang der 1980er Jahre während einer Weltreise auch ein Schuljahr an einer südafrikanischen Schule für „Coloureds“ unterrichtet hatte – eben der Grassy Park High School, auf die ich auch gegangen bin. Damit war klar, dass ich dieses Buch lesen muss. Wie das so ist: Lesezeichen gesetzt und erstmal wieder vergessen. Jetzt aus den Archiven geholt und über weite Stellen verschlungen.

Finnegan ist eigentlich, wie gesagt, nur auf Weltreise und landet in Südafrika, damals noch mitten in der Apartheid. Da ihm das nötige Kleingeld fehlt und Lehrer immer knapp sind, verdingt er sich kurzerhand als Lehrer an einer High School für „Coloureds“, also für diejenigen Schüler, die auf der strikten Apartheids-Skala zwischen Schwarzen und Weißen stehen. Es fehlt nahezu an allem, die Lehrpläne sind hoffnungslos ohne Niveau und darüber hinaus hat Finnegan erst einmal gar keine gültige Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis, aber trotzdem stürzt er sich recht idealistisch in seine neue Aufgabe.

Er wird Zeuge der ganz alltäglichen Schikanen, denen alle Nicht-Weißen damals in Südafrika ausgesetzt waren und bemerkt auch die zunehmende Politisierung und Radikalisierung seiner Schüler, die dann im Laufe des Schuljahres in einen weitreichenden Boykott gegen das Regime mündete. Das alles beschreibt er anschaulich mit sehr genauer Beobachtungsgabe, das Lesen ist sehr spannend – vor allem natürlich (aber nicht nur), wenn man sich vor dem inneren Auge alles zumindest so grob vorstellen kann. Einige der Eigenarten und Verhaltensweisen haben sich offensichtlich über diese gut 20 Jahre hinübergerettet, denn bekannt war mir doch das eine oder andere.

Namen usw. wurden aus Sicherheitsgründen offenbar geändert und grundsätzlich ist es natürlich möglich, dass das Ganze an einer anderen Schule in Kapstadt oder irgendwo anders im Land stattgefunden hat – es ist eine wahnsinnig interessante Erzählung aus einem ziemlich absurden Land, die exemplarisch für die frühen 1980er Jahre stehen kann.

Spannend fand ich die persönliche Entwicklung, die Finnegan auch durchaus selbstkritisch beschreibt. Er geht zunächst ein wenig wie der gute Weiße Mann an die Sache ran: Zwar mit großem Interesse an den Südafrikanern, aber doch mit einer gewissen Überzeugung, dass er als Amerikaner einen besseren Unterricht machen kann und seinen Schülern noch wirklich etwas beibringen kann. Man merkt, wie dieser Idealismus im Laufe des Schuljahres schwindet, dass Finnegan jedoch immer großen Respekt und eine große Verbundenheit zu diesem speziellen Teil Südafrikas verspürt. Letztlich ist es allerdings immer klar, dass er als Weißer, noch dazu als Ausländer, nie wirklich wissen kann, wie es ist, als „Coloured“ während der Apartheid zu leben – alle alltäglichen Schikanen treffen ihn eben nie wirklich, und zum Feierabend fährt er wieder zurück in sein weißes, alternatives Studentenviertel. Das meint er mit „Crossing the Line“ – es ist immer eine Linie da, die er täglich überquert und die für seine Schüler und Kollegen aus Grassy Park eine tatsächliche Grenze darstellt.

ISBN: 978-0-89255-325-9
426 Seiten
keine deutsche Übersetzung bekannt
Persea Books
€16,99

Bücher zu verkaufen!

26. Oktober 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich miste mal wieder Bücher aus – vielleicht wollt ihr ja welche haben. Hier ist eine Liste, schaut doch einfach mal vorbei!

Kurz: Goodreads

12. Juni 2011 § Ein Kommentar

Was Gecko da neulich über Lovelybooks schrieb, animierte mich dazu, mal wieder bei Goodreads reinzuschauen – das hatte ich damals zugunsten von Lovelybooks etwas vernachlässigt (wobei ich gar nicht mehr so recht weiß, wieso…). Jetzt bin ich wieder da, hab schnell alle Bücher importiert (zum Glück geht das wirklich recht fix…) und bin wieder ziemlich angetan. Ich glaube, da werde ich jetzt erstmal bleiben!

Jetzt meine Frage in die Runde: Wer ist denn von euch noch da? Wenn ihr Lust habt, lasst doch einfach in den Kommentaren euren Nutzernamen da, dann können wir uns da vernetzen. Ansonsten gibts den direkten Link zu meinem Profil jetzt auch in der rechten Spalte auf der Startseite etwas weiter unten.

Wie war das mit Rezensionen und Spoilern?

1. Juni 2011 § 8 Kommentare

Vorab-Info: Es geht hier um „Die Therapie“ von Fitzek, meine aktuelle Lektüre. Und es geht um Spoiler, deswegen vorsichtig sein, falls ihr das Buch noch nicht kennt, aber unbedingt demnächst noch lesen wollt.

Lovelybooks ist ja diese Bücher-Community, wo man u.a. Bücher bewerten und rezensieren kann. Mit „rezensieren“ ist eigentlich gemeint, dass man eine Inhaltszusammenfassung liefert, das Buch bewertet etc., aber bitte, bitte nicht das Ende verrät (siehe auch diese Diskussion bei Blauraum, wo es u.a. um Spoiler in Rezensionen geht.). Man will ja die Leute nur auf ein Buch aufmerksam machen und ihnen nicht gleich das Lesen ersparen. Soweit, so selbstverständlich.

Moment – selbstverständlich? Nein, anscheinend nicht – und Achtung, das Bild unten kann man anklicken, es enthält aber einen Mega-Spoiler!

Joa, danke auch. Einfach mal so die Auflösung zu dem Ganzen rausgehauen. Nicht weiter schlimm, wenn man das Buch schon kennt. Blöd für die, die es grade lesen. Da kann man dann nämlich die Spannung so richtig genießen, wenn man sich eh die ganze Zeit denkt: Ach, Leute, stellt euch nicht so an, ich weiß genau, dass… siehe oben. Da wird ein Thriller erst richtig gut. Das ist die hohe Kunst der Rezension.

Die einzig offene Frage meinerseits: Wer zum Henker gibt dafür auch noch !fünf! Favoritenherzchen???

Wenn man nicht vom Spoilern lassen kann, dann sollte man am besten nur noch Biografien von irgendwelchen mittelalterlichen Königen besprechen – da ist ja eh schon klar, dass die Hauptperson am Ende stirbt.

Aus aktuellem Anlass…

19. März 2011 § 2 Kommentare

Normalerweise bin ich ja nicht so der Fan von Artikel-Recycling, aber da aktuell eine Rezension von mir derart gut besucht ist (fast alle Besucher, die momentan über Suchmaschinen hierher kommen, suchen nach diesem Titel), dachte ich, dass sie auch für mein reguläres Publikum von Interesse sein könnte.

Vor knapp zwei Jahren hatte ich „Tschernobyl: Eine Chronik der Zukunft“ von Swetlana Alexijewitsch gelesen und rezensiert. Ich hatte damals schon geschrieben, dass es eines der heftigsten, aber auch der eindrucksvollsten Bücher war, das ich je gelesen habe.

Ich möchte meiner damaligen Rezension eigentlich nur eine Anmerkung hinzufügen: Wenn ihr jetzt angesichts der Ereignisse in Japan mehr über den Super-GAU in Tschernobyl erfahren wollt, dann lest dieses Buch. Mehr braucht es eigentlich auch gar nicht, und der nüchterne, faktenreiche Stil hilft sicherlich dabei, einige Relationen wieder geradezurücken.

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