Grabesgrün – Tana French

3. Oktober 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Die letzte Dienstreise in meinem (noch) aktuellen Job mit einigen Zugstunden sowie ein langes Wochenende haben mir vor Kurzem recht viel Lesezeit beschert. Die wollte ich auch nutzen; in den kommenden Wochen steht nach dem Projektabschluss ein Umzug an mit entsprechender To Do-Liste. Deswegen wollte ich vorher nochmal einen schönen Krimi  lesen und ich weiß mittlerweile, dass ich da mit Tana French gut bedient bin. Die Reihe finde ich ja von Buch zu Buch besser – ein kleiner Wermutstropfen ist, dass ich das Ganze irgendwie von hinten nach vorne gelesen habe. Nun gut, das ist jetzt nicht sooo tragisch, weil die einzelnen Geschichten in sich abgeschlossen sind, aber so den ein oder anderen Bezug hätte ich schon nochmal gerne aufgegriffen gehabt.

Dieses Mal führt uns Detective Rob Ryan durch die Geschichte. Cassie (die in Teil 2 die Erzählerin ist) ist seine Partnerin und beste Freundin (auf die Kumpel-Art). Die beiden bekommen einen Fall auf den Tisch, der für beide zur Nervenprobe werden wird: Die Leiche eines zwölfjährigen Mädchen wird nahe einer archäologischen Ausgrabungsstätte gefunden. Katy, so hieß das Mädchen, wurde erst bewusstlos geschlagen und dann mit einer Plastiktüte erstickt. Anschließend wurde sie auf einem alten Altar so drapiert, als würde sie schlafen.

Rob und Cassie merken recht schnell, dass in Katys Familie einiges nicht stimmt: Die distanzierten Eltern, die ältere Schwester Rosalind, die viel zu erwachsen und reif für ihr Alter wirkt, schließlich Jessica, Katys Zwillingsschwester, die ziemlich verstört zu sein scheint. Nach einigen Nachfragen kommt heraus, dass die Familie Drohnanrufe bekommen hat; Katys Vater ist an einer Bürgerinitiative beteiligt, die gegen eine geplante Schnellstraße kämpft. Aber auch der ein oder andere aus der Gruppe der Archäologen benimmt sich seltsam, Alibis scheinen nicht immer wasserdicht zu sein.

Für Rob kommen die Dämonen allerdings aus einer ganz anderen Richtung: In dieser Gegend ist er aufgewachsen und als er 12 war, sind zwei seiner besten Freunde im Wald spurlos verschwunden. Rob war dabei, als es passierte, doch er hat keine Erinnerungen mehr daran. Er wurde erst Stunden später aufgegriffen, voller Blut und vollkommen verstört. Robs Familie ist kurz darauf weggezogen, er ist nach England aufs Internet gegangen, und nur Cassie kennt seine Vergangenheit.

Es stellt sich tatsächlich heraus, dass es Berührungspunkte zwischen dem alten und dem neuen Fall gibt. Und nicht nur dadurch verstricken sich Rob und Cassie zunehmend in alten Geschichten und aktuellen Fragen, die letztlich dann auch ihre Freundschaft auf die Probe stellen.

Ich wusste ja schon, dass dieser Fall ein sehr schwieriger werden würde; in Band 2 wurde das öfter mal angedeutet. Aber für mich tat das der Spannung oder dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Ich mag einfach die Charaktere supergerne, Cassie fand ich ja schon vorher klasse und auch Rob als Ich-Erzähler mochte ich sehr gerne. Ich finde sowieso die Idee gut, jeden Band aus der Perspektive von jemand anderem erzählen zu lassen, ohne das Setting zu verlassen.

Auch den Fall fand ich spannend und interessant und mir gefiel die leicht melancholische Stimmung, so dass ich das Buch bei Goodreads über die meiste Zeit glattweg mit 5 Sternen bewertet hätte (das wäre dann in diesem Jahr erst das zweite gewesen, nach dem Herrndorf. Erstaunlich schlechte Bilanz). Und dann hatte ich den Schluss gelesen und war doch… ein klitzekleines Bisschen enttäuscht. Ich fand den Schluss realistisch und alles, aber irgendwie… Ich dachte, da käme noch mehr. Rob machte zum Ende hin immer mehr Andeutungen und baut so eine Erwartung auf, die dann das eigentliche Finale nicht zu 100% erfüllen kann. Gut, es muss nicht immer filmreif und mit x Wendungen auf den letzten fünf Seiten sein. Aber hier bleiben eben einige Dinge in der Schwebe und ich hatte etwas mehr erwartet. So läuft der Fall eher etwas plätschernd aus. Aber auf der anderen Seite: Ich mag ja eigentlich die French-Krimis dafür, dass sie eben grade nicht so rüberkommen wie ein Actionfilm. Wie dem auch sei: Ich habe auch diesen Band sehr, sehr gerne gelesen. Und für alle, die die Serie bisher nicht kannten: Das wäre jetzt eine gute Gelegenheit für euch, damit anzufangen.

ISBN: 978-3596175420
704 Seiten
Originaltitel: In The Woods
Fischer
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Totengleich – Tana French

20. April 2013 § Ein Kommentar

IMG_6684So so, es gibt also auch eine Art Frühjahrsmüdigkeit, was das Rezensieren von Büchern angeht; genauer gesagt handelte es sich in meinem Fall um eine ausgewachsene Schreibblockade. So wie es scheint, habe ich die aber fürs Erste überwunden (lange genug hat es schließlich gedauert) und ich hoffe, dass ich soweit alles Wichtige im Gedächtnis behalten habe.

„Totengleich“ ist der Vorgänger zu „Sterbenskalt„, den ich letztes Jahr rezensiert hatte. Die Bücher der Serien sind aber nur lose miteinander verbunden. Frank Mackey, der im dritten Band die Hauptrolle spielt, ist hier der Chef der Protagonistin, Cassie Maddox.

Cassie ist eine talentierte Undercoveragentin. Bei ihrem letzten Einsatz wurde sie jedoch schwer verletzt und hat sich in eine Abteilung versetzen lassen, wo sie Fälle von Häuslicher Gewalt bearbeitet. Da bekommt sie einen Anruf: Sie solle an einen Tatort kommen und sich etwas anschauen. Ihr Freund Sam, der bei der Mordkommission arbeitet, klingt höchst besorgt, so dass sie sich sofort auf den Weg macht. Vor Ort versteht sie dann Sams Aufregung: Die Tote gleicht ihr bis aufs Haar. Sie wurde erstochen in einem kleinen, verfallenen Cottage gefunden, es gibt keine Hinweise, was passiert sein könnte.

Bald stellt sich heraus: Die junge Frau war Doktorandin an der Universität in Dublin und lebte gemeinsam mit vier Freunden in einem alten Herrenhaus auf dem Land. Die fünf schienen gerne unter sich zu sein, bildeten eine verschworene Gemeinschaft und verhalten sich natürlich während der Vernehmungen wenig kooperativ. Als sich herausstellt, dass sich Lexie – so der Name der Toten – im ersten Stadium einer Schwangerschaft befand und dass die fünf Studenten im benachbarten Dorf alles andere als beliebt waren, kommt Frank mit einer Idee um die Ecke: Cassie solle die große Ähnlichkeit mit Lexie nutzen und sich undercover in das Haus einschleichen. Den vier Freunden hat er praktischerweise erzählt, Lexie sei schwer verletzt und liege im Koma, es sei nicht möglich, sie zu besuchen, man würde sie aber auf dem Laufenden halten. Nur so, argumentiert Frank, könnte man wirklich herausfinden, was dort los war und wie Lexie ums Leben kam.

Cassie hat nach ersten Zweifeln schnell Blut geleckt und bereitet sich akribisch auf ihren Einsatz vor. Sie studiert Fotos und Handyvideos, um Lexie kennenzulernen und bestmöglich kopieren zu können.

Schließlich wird sie als die Genesene zurück in die WG gebracht und muss nun den Spagat hinbekommen, zum einen ihre Rolle möglichst gut zu spielen, zum anderen herauszufinden, wie und wieso Lexie sterben musste.

Die Fünf – neben Lexie noch Daniel, der Erbe des Hauses, Rafe, Justin und Abby – sind ein eingeschworenes Team. Kaum ein Moment, den sie nicht gemeinsam verbringen, kaum ein Augenblick im Tagesablauf, der nicht durchgetaktet wäre und in dem alle eine beeindruckende Eingespieltheit beweisen. Cassei wird schnell klar: Die Freunde hatten sich ein Bollwerk gegen die Welt geschaffen und schaffen es – auch durch Regeln wie „Keine Vergangenheit!“ – sich ihre eigene kleine Familie zu schaffen. Sie scheinen auf den ersten Blick wahnsinnig harmonisch und zufrieden zu sein, ehe es deutlich wird, dass hinter dieser Fassade irgendetwas brodelt und zu immer größeren Spannungen führt. Noch dazu wird sie den Verdacht nicht los, dass Daniel irgendeinen Verdacht geschöpft hat…

Mir gefällt diese Reihe zunehmend. Cassie war mir sehr sympathisch, ich würde ihr gerne noch einmal wieder begegnen. Die Story dieses Bandes war sehr spannend und gut konstruiert, wenn es auch zwischendurch einige Längen gab. Aber die Idee, die dem Ganzen zugrunde liegt, ist mal eine neue, und alleine deswegen lohnt sich die Lektüre. Mehr von Tana French, bitte!

ISBN: 978-3596175437
784 Seiten
Originaltitel: Likeness
Fischer Taschenbuch
€8,95

Sterbenskalt – Tana French

30. Juli 2012 § Ein Kommentar

Undercoverpolizist Frank Mackey will eigentlich nur ein entspanntes Wochenende mit seiner kleinen Tochter verbringen, als ihn seine Schwester Jacky anruft: Er sollte dringend nach Hause kommen, es wäre etwas passiert. Dazu muss man sagen: Frank war nicht mehr zu Hause, seit er vor 22 Jahren abgehauen ist. In der Zwischenzeit hat er Karriere bei der Polizei gemacht und sich nur ab und zu mit Jacky getroffen. Geplant war damals eigentlich, zusammen mit seiner großen Liebe Rosie nach England auszuwandern und dort im Musikbusiness Fuß zu fassen. Doch Rosie ist an ihrem vereinbarten Treffpunkt nie aufgetaucht, Frank fand nur einen Abschiedsbrief, der offenbar an ihn gerichtet war. Rosie hat ihn ganz klar versetzt und ist alleine nach England gegangen. Seitdem hat nie wieder jemand etwas von ihr gehört.

Nun der Grund für Jackys Anruf: In einem alten Abbruchhaus haben Arbeiter in einem Kamin Rosies Koffer gefunden, den sie damals für den Neustart in England gepackt hatte. Als wenig später im Keller des selben Hauses ihre Leiche gefunden wird, ist klar: Rosie hat Frank gar nicht versetzt, sie wurde vorher abgefangen und ermordet.

Frank ist zwar offiziell gar nicht für diese Ermittlungen zuständig, stellt aber trotzdem seine Nachforschungen an. Gar nicht so leicht, wenn er zusätzlich noch mit den Geistern seiner Vergangenheit konfrontiert wird, die in Form seiner Familie auf ihn losgehen. Als da wären: Seine stets mürrische und gemeine Mutter, sein trinkender und aggressiver Vater, seine Brüder Shay und Kevin sowie die Schwestern Carmel und Jacky. Als die Familie zu ersten Mal seit 22 Jahren wieder zusammensitzt, kommen alte Konflikte wieder hoch und in dem Maße, in dem sich Frank an seine Jugend im Viertel erinnert, kristallisiert sich allmählich heraus, was damals tatsächlich passiert sein muss. Und das gefällt ihm ganz und gar nicht.

Ich bin sehr angetan gewesen von diesem Krimi, insbesondere weil es kein reiner Krimi ist, sondern zusätzlich noch eine tragikomische Familiengeschichte mit ordentlich Lokalkolorit. Die Mackeys sind ein ziemlich dysfunktionaler Haufen und ich hatte viel Spaß daran, ihnen zuzusehen. Bei aller Komik wirkten die Figuren nie überzeichnet oder grotesk – wir alle wissen, es gibt solche Leute tatsächlich (manche haben sie ja sogar selbst in der Familie).

Die Auflösung des Falles fand ich bei aller Heftigkeit wohltuend realistisch. Es kristallisiert sich recht schnell heraus, dass Rosie ihren Mörder gekannt haben muss, und das ist ja im wahren Leben leider in den meisten Fällen ebenfalls so.

ISBN: 978-3596188345
624 Seiten
Originaltitel: Faithful Place
Fischer Taschenbuch
€9,99

P.S. I love you – Cecelia Ahern

12. Juni 2012 § 2 Kommentare

Holly und Gerry sind eines dieser seltenen perfekten Pärchen: Kennen sich seit der Teeniezeit, waren seitdem immer zusammen und sind Seelenverwandte. Umso härter trifft es Holly, als bei Gerry ein Hirntumor diagnostiziert wird und er bald darauf stirbt. Sie ist jetzt gerade mal 30 und schon verwitwet. Klar, dass sie erstmal jeder Lebensmut verlässt und sie sich nicht vorstellen kann, wie sie ihr restliches Leben ohne Gerry bestreiten soll. Doch dann erfährt sie, dass Gerry ein Päckchen für sie bei ihren Eltern hinterlegt hat. In diesem Päckchen: Zehn Briefe, einer für jeden restlichen Monat in diesem Jahr. An jedem Ersten darf sie einen Brief mit einer Nachricht von Gerry öffnen. Mit kleinen Ratschlägen und Aufgaben will er sie möglichst gut darauf vorbereiten, auch ohne ihn weiterzuleben. Das sind so kleine Dinge wie das Kaufen einer Nachttischlampe (weil sie sich im Dunkeln immer die Zehen am Bettpfosten angeschlagen hat), schöne Überraschungen wie ein gemeinsamer Urlaub mit ihren zwei besten Freundinnen Denise und Sharon, aber auch Herausforderungen – Gerry hat die absolut unmusikalische Holly zu einem Karaokewettbewerb angemeldet und bittet sie, sich von seinen Klamotten und anderen Habseligkeiten zu trennen.

Holly stürzt sich also in ein Wechselbad der Gefühle, tatkräftig unterstützt von ihren Freunden und ihrer großen und etwas chaotischen Familie. Und schwierig wird es natürlich auch, etwa als Denise sich verlobt und Sharon die frohe Botschaft verkündet, schwanger zu sein – das alles erinnert Holly daran, was sie alles nicht mehr haben kann.

Daniel, der Besitzer ihres Stammpubs, ist einer der wenigen in ihrem Freundeskreis, der ebenfalls Single ist, und beide unterstützen sich gegenseitig während der üblichen Pärchenabende – bald aber entwickeln die beiden Gefühle füreinander und Holly muss sich fragen, ob sie schon bereit ist für eine neue Beziehung.

Naja, man muss ja immer aufpassen, welche Maßstäbe man an Bücher eines bestimmten Genres anlegt. Man darf bei solchen Chick Lit-Schmökern ja auch nicht zu kritisch sein. Klar ist es ab und an kitschig und nicht sonderlich realistisch, aber wer so ein pastellblau-pinkes Buch mit Pünktchen auf dem Cover in die Hand nimmt, erwartet ja auch keine tiefsinnige Handlung, oder? Also: „P.S. I love you“ ist eine nette Herzschmerz-Lektüre, die fein ausbalanciert das Traurige und Lustige vereint. Es wird einem leicht gemacht, die Charaktere zu mögen und man sieht die Wendungen auch ohne Weiteres voraus. Also alles schön locker-leicht und fluffig – ich glaube, sowas nennt man „Wohlfühlbuch“.

ISBN: 978-0007165001
503 Seiten
Deutscher Titel: P.S. Ich liebe dich
Harpercollins
€6,99

Tödliche Lügen – Gemma O’Connor

19. September 2008 § Hinterlasse einen Kommentar

Zu allererst muss ich sagen: Ich persönlich bin ja Fan von unerwarteten Wendungen in Romanen – und dieses hier hat tatsächlich so eine Wendung. Zwar kommt diese nicht so ganz kurz vor Schluss, aber durch den speziellen Erzählstil wird die Spannung gehalten.
Um was geht’s? Grace Hartfield wird in London von ihrem Mann Reggie verlassen. Als sie eines Tages ein Anwaltsschreiben im Briefkasten hat, denkt sie auch sofort an eine Nachricht von Reggie – doch ein Anwalt aus Dublin teilt ihr mit, ihre Schwester Eileen Lacey sei verstorben und sie sei die letzte lebende Verwandte. Grace hielt ihre Schwester seit 30 Jahren für tot, und so ist sie erstaunt, als sie erfährt, dass sich auch ihre bis dato unbekannte Nichte, Bid Lacey, wenige Tage nach Eileens Tod das Leben genommen hat, obwohl sie bald heiraten wollte und ein Kind erwartete. Wie hängen diese beiden Ereignisse zusammen? Mehr und mehr taucht Grace in das Leben der beiden Frauen ein, um festzustellen, wie viel von ihrer Kindheit sie verdrängt hat – und dass diese Dinge beinahe ihr Leben zerstört hätten.
Fazit: Gut gefallen hat mir an diesem Buch, dass diese Geschichte aus der Sicht von Grace, Bid und Eileen erzählt wird, dass man also in zahlreichen Rückblenden und aus wechselnden Perspektiven nach und nach den Zusammenhang erkennen kann.
Diese Technik sorgt andererseits für die ein oder andere Länge, vor allem an Anfang – zum Schluss des Buches hin verstärkt dies jedoch noch die Spannung.
In gleichem Maße, wie Grace nach und nach hinter die wahre Geschichte hinter alldem aufdeckt, sieht man zu, wie Eileen und Bid in ihr Verderben laufen – auf den letzten 100 Seiten wird es dann richtig spannend.

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