Hilflos – Barbara Gowdy

29. September 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

IMG_7258Ich bin mittlerweile hoffnungslos in Rückstand mit meinen Rezensionen. Und ja, ich schäme mich angemessen (ein bisschen).

Vor einiger Zeit hatte ich dieses Buch hier gelesen und habe es schon fast wieder verdrängt. Ihr könnt euch also denken, dass ich es nicht besonderes toll fand.

Protagonistinnen sind Celia, eine alleinerziehende Mutter, und Rachel, ihre neunjährige Tochter. Celia arbeitet hart, um die beiden durchzubringen und ist eher immer etwas zu besorgt um ihre Tochter, vor allem, weil sie eben nicht immer da sein kann und weil Rachel außergewöhnlich hübsch ist. Wie gut, dass sie nicht weiß, dass Rachel schon seit einiger Zeit beobachtet wird: Ron, der sonst Elektrogeräte repariert, fährt durch die Stadt und schaut zu, was Rachel so macht. Er hat ein Auge auf sie geworfen und interpretiert das, was er sieht, aus diesem Blickwinkel. Er findet, dass es Rachel nicht gut geht – die Mutter immer bei der Arbeit (sie nimmt Rachel sogar manchmal in die Bar mit, in der sie Klavier spielt!), der komische Nachbar, der sich um sie kümmert, das heruntergekommen aussehende Haus, in dem die beiden wohnen… Ron schmiedet also den Plan, Rachel zu sich zu nehmen und ihr dort ein besseres Leben zu ermöglichen.

Eines Abends, als Celia wieder bei der Arbeit ist, fällt der Strom aus. Mika (der Nachbar, der auf Rachel aufpasst) stolpert im Dunkeln auf der Treppe und wird kurz bewusstlos; als Rachel aufgeregt aus dem Haus läuft, hat Ron nur auf seine Gelegenheit gewartet und entführt sie.

Nun, wie zu erwarten ist, geht eine Vermisstensuche los, sobald Celia über das Verschwinden ihrer Tochter erfährt. Immer wird hier abwechselnd aus Celias und Rons Perspektive berichtet, und so erfährt man auch einiges über seine Motive.

Ich hatte ja schon das Schlimmste befürchtet bei dem Thema Pädophilie – aber Ron empfindet eine Art „reiner“ Liebe für Rachel, er ist fast schüchtern ihr gegenüber und traut sich kaum, sie auch nur anzusehen. Insofern kann man fast ein wenig Verständnis für ihn aufbringen, weil er ihr nie wehtun würde. Aber auf der anderen Seite gruselt man sich bei dem Thema unweigerlich.

Ansonsten – naja, ich fand das Buch eher mäßig. So richtig hat mich die Story nicht gepackt, es gab zuviel Leerlauf dazwischen und die meisten Protagonisten waren mir relativ egal. Einzig Nancy, die Freundin von Ron, war mir irgendwie sympathisch. Sprachlich war das Ganze auch nicht herausragend. Muss man also nicht lesen.

ISBN: 978-3888974625
336 Seiten
Originaltitel: Helpless
Diana Verlag
 
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Der Schwarm – Frank Schätzing

28. Mai 2013 § 8 Kommentare

IMG_6847Ein weiterer Re-Read – und um schonmal einen Teil des Fazits vorwegzunehmen: Das erste Lesen hat mich weitaus mehr begeistert als jetzt das zweite.  „Der Schwarm“ war ja in den letzten Jahren hochpopulär und hochgelobt und das, so muss ich eingestehen, nicht ganz zu Unrecht. Die Story ist jedenfalls sehr, sehr spannend (die Kritik kommt dann später).

Im Meer und ums Meer herum passieren plötzlich auf der ganzen Welt seltsame Dinge. Vor der norwegischen Küste tauchen eines Tages Unmengen von Würmen auf, die sich mit überdimensionierten Beißwerkzeugen in das dort lagernde Methanhydrat bohren. Der Experte Sigur Johanson bekommt von der Ölfirma Statoil den Auftrag, diese Würmer zu klassifizieren. Johanson stellt fest, dass es sich um eine neue Art handeln muss. Was den Wissenschaftlern zunehmend Sorgen macht: Die Würmer graben Gänge und Löcher in das Hydrat und könnten es so destabilisieren. Größere Blowouts, also Freisetzungen von Methangas, könnten Plattformen beschädigen und sogar Schiffe versenken.

Zur gleichen Zeit beobachten Whalewatcher vor der westkanadischen Küste ein seltsames Verhalten der Tiere: Zuerst kommen sie später als gewöhnlich aus südlicheren Gewässern an, dann verhalten sie sich aggressiv gegenüber Booten. Nach einigen folgenschweren Angriffen auf Schiffe wird dem Walexperten Leon Anawak klar, dass irgendetwas nicht stimmen kann und er versucht herauszufinden, was die Wale derart verändert.

Darüber hinaus tauchen plötzlich vergiftete Krabben in Frankreich und den USA auf und andere Späße – die Ereignisse erscheinen wie aufeinander abgestimmt und zielen offenbar darauf ab, den Menschen zu schaden. Es scheint fast so, als würde sich irgendetwas im Meer gegen den Menschen wenden…

Das Ganze klingt – zu Recht – nach schöner Spannungskurve und viel Action, daher auch gar nicht so viel von der eigentlichen Handlung an dieser Stelle. Es gibt nämlich noch einige andere Twists und die Handlung hat mehr als einen Höhepunkt. Es ist natürlich klar, was Schätzing mit diesem Buch letztlich sagen will: Der Mensch ist zu lange zu sorglos mit dem Meer und seinen Bewohnern umgegangen und bekommt nun die Quittung. Insofern ist sein Verdienst, die Leser zum Nachdenken zu bringen und es wird wohl kaum einen geben, der nicht zwischendrin mal innehält, um das Gelesene zu reflektieren. Angereichert ist die fiktive Geschichte mit vielen, vielen Fakten, die offensichtlich gründlich recherchiert wurden. 

Aber es sollte ja noch Kritik kommen. Nun, dieses Buch hat über 1000 Seiten und nach meinem Geschmack hätten es gerne ein paar weniger sein dürfen. Manchmal verliert sich Schätzing in seinen Details und Nebenhandlungen. Er charakterisiert zwar seine Protagonisten sorgfältig, schweift dabei aber oft zu sehr ab. Da hätte man einiges straffen und weglassen können. Manche Nebencharaktere, insbesondere diejenigen US-amerikanischer Herkunft, sind mir manchmal etwas stereotyp geraten. 

Fazit also: Wenn man diese tolle und spannende Story auf 700 Seiten gepackt hätte, wäre es ein super Buch. So ist es leider manchmal etwas zäh. 

ISBN: 978-3462033748
1008 Seiten
Kiepenheuer&Witsch
€24,95

Der Tag, als Marilyn starb – Donna Milner

9. Mai 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Ethies Mutter Lucy stirbt am selben Tag wie Marilyn Monroe, dem 5. August 1962 – und auch um ihren Tod gibt es Ungereimtheiten. Wieso war Lucy betrunken, wo sie doch sonst nie Alkohol trank? Wieso hatte sie am selben Tag noch dringend eine Freundin sprechen wollen, traf diese aber nicht an? (Ich sollte vielleicht an dieser Stelle schonmal sagen, dass das Datum die einzige Parallele  zu M. M. ist – im Buch selbst wird, glaube ich, nur einmal direkt auf sie Bezug genommen.)

Die Familie – Lucys Mann Howard und die Kinder Frankie, Ethie und Kipper – sind natürlich geschockt. Gleichzeitig beginnt Ethie, in der Vergangenheit ihrer Eltern nachzuforschen. Ihr Vater Howard war im Zweiten Weltkrieg in Hongkong stationiert und kam von dort verändert wieder. Regelmäßig wirkt er wie in sich gekehrt, er unternimmt bei Regen einsame, stundenlange Spaziergänge und scheint manchmal seine Umgebung nicht so recht wahrzunehmen. Diese Gewohnheit verstärkt sich nach dem Tod seiner Frau noch, zusätzlich beginnt er zu trinken. Als dann einige Tage nach Lucys Tod ein asiatisch aussehendes Mädchen auftaucht und einfach nur das Haus der Familie beobachtet, muss Ethie dem nachgehen.

Die Geschichte aus dem Krieg wird parallel zu dem Handlungsverlauf in der Gegenwart erzählt – Kapitel für Kapitel kommt man dem „Geheimnis“ näher und bekommt schon bald eine Ahnung, was in Hongkong passiert sein muss. Gleichzeitig beschreibt Ethie, wie die Familie in den unmittelbaren Tagen nach Lucys Tod versucht zurechtzukommen: Zu den Geldsorgen und der Trinkerei ihres Vater kommt noch, dass Ethies Tante Kipper, der das Downsyndrom hat, in ein Heim einweisen lassen will.

Das Geheimnis an sich ist gar nicht mal sooo spektakulär, zumal man bald eine Ahnung bekommt, worauf das Ganze hinausläuft. Das Lesen hat mir trotzdem Spaß gemacht, die Geschichte ist recht interessant und spannend zu lesen – ein schöner Schmöker für den Sommerurlaub für alle, die Familiengeschichten und Historisches mögen.

ISBN: 978-3492272117
400 Seiten
Originaltitel: Promise of Rain
Piper
€9,95

ER – Marie-Sissi Labrèche

31. Dezember 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Émilie-Kiki ist in ihren Literaturprofessor verliebt, und das schon seit über einem Jahr. Als sie schließlich miteinander ausgehen und anschließend in einem Hotelzimmer im Bett landen, könnte alles gut sein. Der Haken: Besagter Professor könnte ihr Vater sein, außerdem ist er verheiratet und hat selbst Kinder. Für Émilie-Kiki ist da eigentlich kein Platz mehr. Diese ist aber dummerweise verrückt nach ihm: Wartet ständig auf seine Anrufe, schwankt zwischen Vermissen und Wut, wenn er sich nicht meldet, wenn er ihre Treffen absagt, wenn er ihr nicht die magischen drei Worte sagen kann.

Viel mehr Handlung hat das Ganze eigentlich auch nicht, dafür jede Menge Sex (meistens irgendwas mit Schwänzen, die in Schlitze gesteckt werden). Irgendwie bleibt die Geschichte – jedenfalls für Émilie-Kiki – unerfüllt, auch dann, als sie mehr aus Trotz eine Affäre mit einem gutaussehenden, reichen Typen anfängt, der sie auf Händen trägt.

Mir hat’s gut gefallen – klar, ein bisschen weniger Schwänze und Schlitze dürften es schon sein, aber das schien mir dann eher ein Stilmittel und daher Mittel zum Zweck zu sein, um die Eindimensionalität dieser Beziehung darzustellen. Das Buch ist quasi ein einziger innerer Monolog – aber sehr gut und flüssig zu lesen, weil die Sprache wirklich außergewöhnlich ist und Spaß macht. Nur mit dem Ende bin ich ziemlich unzufrieden gewesen. Ich möchte euch dieses recht dünne Büchlein durchaus empfehlen – mit der Einschränkung, dass es den ein oder anderen vielleicht stören könnte, dass hier (stellenweise sogar recht vulgär) über Sex geschrieben wird. Das ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack.

ISBN: 978-3888973499

178 Seiten

Originaltitel: La brèche

Kunstmann

€16,90

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