Tödliche Spiele (Die Tribute von Panem, Bd. 1) – Suzanne Collins

4. August 2014 § Ein Kommentar

Nein, ich lese mitnichten so viel zur Zeit, ich muss nur meine Motivation grade nutzen, um meinen Rezensionsstau abzuarbeiten. Nachdem nun diese Trilogie sogar schon verfilmt wurde und mich die Filme auch interessiert hatten, wollte ich vorher noch unbedingt die Bücher lesen. Und die sollen ja so SPANNEND sein!! Der erste Band durfte mich auch direkt mal wieder auf eine Dienstreise begleiten (die erfahrene Dienstreisende weiß, dass man bei manchen Trips lieber schonmal prophylaktisch für Spannung sorgt – manchmal braucht man das. Dieses Mal wäre es zwar gar nicht nötig gewesen, aber better safe than sorry. Ihr wisst schon).

Das Amerika der Zukunft ist in 12 Distrikte aufgeteilt. Es gab auch mal einen 13. Distrikt, doch dieser wurde nach einem Aufstand dem Erdboden gleichgemacht. Seitdem veranstaltet die Regierung zur Machtdemonstration jedes Jahr die so genannten Hungerspiele: Die Namen aller Kinder und Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 wandern dabei in jedem Distrikt in einen großen Lostopf. Diejenigen (1 Junge, 1 Mädchen), deren Namen gezogen werden, werden als Tribute in die Hauptstadt, das Kapitol, entsandt. Die Tribute müssen sich in einer Arena bekämpfen, bis nur noch einer überlebt hat und zum Sieger ernannt wird. Das Ganze wird live im TV übertragen und ist ein riesiges Ereignis.

Katniss, ihre kleine Schwester Prim und ihre Mutter leben im 12. Distrikt, einem der ärmsten Distrikte. Katniss jagt illegal im Wald und ernährt so ihre Familie. Prim ist ihr Ein und Alles, die Mutter ist seit dem Tod des Vaters depressiv und antriebslos. Als für die diesjährigen Hungerspiele Prim ausgelost wird, meldet sich Katniss freiwillig, um ihre kleine Schwester zu retten. Ihr Partner wird Peeta, ein Bäckersjunge, der ihr vor einigen Jahren das Leben gerettet hat. Die Tribute werden zunächst in die Hauptstadt gebracht, um dort ein Training zu erhalten und durch öffentliche Auftritte um Sponsoren zu werben.

In der Arena hat Katniss nicht nur mit ihren Gegnern zu kämpfen: Einsamkeit, Wasserknappheit und Verletzungen machen ihr zu schaffen. Zudem ist sie sich nicht im Klaren, was Peeta eigentlich für eine Agenda hat: Dieser hatte bei seinen Auftritten auf einmal den Verehrer von Katniss gespielt – oder ist er tatsächlich schon lange in sie verliebt? Aber wieso scheint er sich dann zunächst mit anderen Tributen gegen Katniss zu verbünden? Wie auch immer, überleben wollen schließlich alle. Und Katniss hat sich geschworen, heil nach Hause zu Prim und zu ihrem Freund Gale zurückzukehren.

Katniss ist eine sehr interessante Heldin. Sie ist tough und unabhängig, natürlich, aber mit Ecken und Kanten und Schwächen. Das hat mir sehr gut gefallen, sie ist endlich mal ein role model, wie man es sich grade für Mädchen öfter wünscht. Die Story an sich hatte außerdem viel Drive; dass sie ein Pageturner ist, haben viele vor mir schon gesagt und geschrieben.

Teil 2, ich komme!

ISBN: 3-86274-141-9
416 Seiten
Originaltitel: The Hunger Games
Verlag Friedrich Oetinger
€8,99 (ebook)

Looking for Alaska – John Green

29. Juli 2014 § 2 Kommentare

IMG_7896Miles war an seiner bisherigen Schule in Florida eher ein Außenseiter und hatte auch sonst nicht das spannendste Leben. Um daran etwas zu ändern, welchselt er auf ein Internat in Alabama. Dort findet er schnell Freunde: Seinen Zimmergenossen Chip, seine Mitschüler Takumi und Lara und vor allem Alaska: Traumhaft hübsch, sexy, unternehmungslustig, klug und geistreich im Streiche-Ausdenken, aber auch launisch, unberechenbar und depressiv.

Die fünf werden Freunde und unternehmen viel zusammen; Alaska verkuppelt Miles sogar mit Lara und gibt den beiden Tipps, als es mit der, nun ja, körperlichen Annäherung nicht so ganz klappen will. Dabei ist Miles wenigstens ein bisschen in (die vergebene) Alaska verliebt. Und immerhin: An einem Abend gelingt es Miles immerhin, von Alaska geküsst zu werden, doch ehe sie ihr irgendwie geartetes Versprechen auf „mehr“ einlösen kann, passiert etwas, das die bisher eigentlich relativ heile Welt der Freunde durcheinanderwirbelt und sie vor Fragen stellt, die sie sich so noch nie stellen mussten.

Die Geschichte ist in „before“ und „after“ eingeteilt und klugerweise gibt auch der Klappentext keine weiteren Informationen, was dieses „after“ eigentlich ist. Und das fand ich gut, weswegen ich euch auch nicht mehr verraten will. „Before“ ist eine normale, lockere und lustige Internatsgeschichte, wie es schon andere vor ihr gab und wie sie jetzt nicht sooo speziell war. „After“ hat mir jedoch dafür um einiges besser gefallen. Es ist etwas passiert, was normalen Teenies sonst nicht widerfährt, und so geht es um Fragen, mit denen man sich in diesem Alter eigentlich auch nicht beschäftigen sollte. Hier kommt dann der Tiefgang rein und bildet einen krassen Kontrast zu dem unbeschwerten „Before“-Teil.

Die Charaktere fand ich sehr sympathisch, jeder brachte so eine andere Facette mit rein; Alaska war vielleicht ein wenig too much. Aber ja, auf der anderen Seite ist sie ein extremer Charakter, der auch immer wieder zeigt, wie viel Klugheit und Verletzlichkeit hinter der ach-so-harten Schale steckt. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie bei vielen Leserinnen (und sicher auch Lesern) gut ankommt.

Alles in allem also ein wirklich lesenswertes YA-Buch mit einigen ernsten und wichtigen Themen im Hintergrund.

ISBN: 978-0-14-240251-1
221 Seiten
Deutscher Titel: Eine wie Alaska
Penguin
€7,20

Erebos – Ursula Poznanski

2. Januar 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Das war ja DER Hype in den Bücherblogs im letzten (oder schon vorletzten?) Jahr. Und ich, die ich ja gerne mal einen Bogen um YA-Bücher mache, bin wieder mal spät dran. Aber: Der Hype war nicht so ganz unberechtigt.

Zunächst wundert sich Nick nur, dass sich einige seiner Kumpels seltsam benehmen: Sie sind wortkarg und übernächtigt, lassen das Basketballtraining ausfallen und gehen nicht mehr ans Telefon. Nick beobachtet ein paarmal in der Schule, wie CDs heimlich den Besitzer wechseln. Schließlich wird er selbst von einer Klassenkameradin beiseite genommen, die ihm ein nie dagewesenes Erlebnis verspricht, wenn er selbst eine dieser CDs entgegennimmt und das Spiel darauf ausprobiert.

Nick tut wie geheißen und ist bald auch von Erebos – so heißt das Computerspiel, das von der CD installiert werden kann – in seinen Bann geschlagen. Was zunächst aussieht wie ein gewöhnliches, wenn auch grafisch perfekt gemachtes Computerspiel, wird immer gruseliger: Das Spiel scheint Nick genau zu kennen, es kann mit ihm problemlos kommunizieren und gibt sich außerdem höchst konspirativ. Niemand darf außerhalb des Spieles darüber sprechen, Eltern und Nichteingeweihte dürfen erst recht nichts erfahren und man muss immer alles befolgen, was das Spiel einem aufträgt. Dies sind zunächst bestimmte Missionen, die man gemeinsam mit anderen Spielern in Erebos selbst absolviert, später dann aber sogar in der Realität. Erstmal sind die Aufgaben harm- bis sinnlos: So soll Nick etwa eine Kiste irgendwo finden und an einer anderen Stelle wieder ablegen. Ein andermal findet er als Belohnung für eine gut gelöste Aufgabe in Erebos im wirklichen Leben ein Shirt seiner Lieblingsband. Nick kann sich Erebos kaum entziehen. Er steigt schnell auf, sammelt Kampferfahrung und bekommt signalisiert, dass er es im Spiel weit bringen wird, wenn er bei der Stange bleibt.

Da immer mehr Schüler Erebos spielen und deswegen im Unterricht unkonzentriert sind und sogar tagelang fehlen, werden auch Lehrer aufmerksam und ziehen die wenigen Schüler auf ihre Seite, die noch nicht spielen. Vor allem Mr. Watson versucht, gegen das Spiel vorzugehen und die Schüler vor dessen Gefahren zu warnen. Nachdem er und einige der engagierten Schüler Drohungen erhalten haben, bekommt nun Nick die Aufgabe vom Spiel, Mr Watson ein Medikament in den Tee zu schütten, das potenziell tödlich sein kann. Nick macht im letzten Moment einen Rückzieher und wird aus dem Spiel ausgeschlossen. Jetzt ist es an ihm, Erebos zurückzuschlagen, der er hat erkannt: Dieses Spiel bedroht das reale Leben echter Menschen.

Es hat ein bisschen gedauert, ehe ich komplett in der Geschichte drin war. Das lag in erster Linie daran, dass ich keine Computerspielerin bin und auch mit der Fantasywelt Erebos‘ recht wenig anfangen konnte. In dem Maße, in dem Erebos allerdings auf die reale Welt Einfluss nimmt und umgekehrt, hat mich die Geschichte immer weniger losgelassen. Es ist echt spannend und auch wenn man schon ahnt, was oder wer hinter dem Spiel steckt, fiebert man trotzdem noch mit.

Ich könnte mir vorstellen, dass man anhand dieser Geschichte auch ganz gut das Pro und Contra von Computerspielen und deren exzessiven Konsum diskutieren kann. Insofern kann man Erebos allen empfehlen, die in Bezug auf das Alter zur Zielgruppe gehören, aber auch beispielsweise Eltern und Lehrern. Darüber hinaus aber auch allen, die ein bisschen Affinität zur Thematik haben und gerne gute, spannende Bücher lesen.

ISBN: 978-3785573617
485 Seiten
Loewe Verlag
€8,99 (ebook)

Auserkoren – Carol Lynch Williams

11. November 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Kyra hat einen Vater, drei Mütter und ca. 20 Geschwister. Die Familie ist (ihr habt es euch vielleicht schon gedacht) Mitglied in einer Polygamistensekte in irgendeinem abgeschiedenen Winkel der USA.

An der Spitze dieser Sekte stehen der Prophet und seine Apostel. Diese sind nahezu allmächtig, leben in schönen Häusern (während die anderen Mitglieder in Wohnwägen leben), unterhalten mit den so genannten Kadern Gottes eine Art Geheimpolizei und kontrollieren das Leben jedes Einzelnen der Gemeinschaft recht effektiv. Viele weltliche Vergnügungen sind nicht erlaubt, und nur um wichtige Dinge einzukaufen, fahren die Sektenmitglieder ab und zu in die nächstgelegene Stadt.

Auch Liebesbeziehungen werden restriktiv behandelt: Die Männer suchen sich Frauen aus, diese müssen gehorchen und den Mann heiraten – im Zweifel als x-te Ehefrau und auch wenn sie ihn gar nicht lieben.

So soll auch Kyra mit ihrem über 60jährigen Onkel verheiratet werden – dieser ist ein mächtiger Mann in der Gemeinde, und auch wenn ihre Familie sie versucht zu unterstützen, haben sie keine Chance gegen den Willen des Propheten (dieser hat die Heirat nämlich in einer Vision gesehen – is klar).

Kyra ist sowieso schon rebellisch: Sie liest Bücher, obwohl nur die Bibel erlaubt ist und trifft sich heimlich mit ihrem Freund Joshua. Die beiden sind verliebt, und als Joshua von den prophetischen Eheplänen erfährt, will er Kyra erwählen, damit er sie heiraten kann. Ehe er irgendetwas ausrichten kann, wird er jedoch böse zusammengeschlagen und verschwindet aus dem Dorf.

Für Kyra gibt es jetzt nur noch eine Wahl: Sie muss ebenfalls aus der Gemeinschaft fliehen – auch wenn das heißt, dass sie ihre Familie und Freunde ebenfalls verlassen muss.

Die Geschichte hat, soviel kann ich verraten, nicht das klassische Happy End. Aber es ist ein stimmiges Ende, wie ich fand. Nicht alle Konflikte werden geklärt oder aufgelöst, aber so bietet sich noch genug Stoff zum Nachdenken oder Diskutieren. Kyra ist sicherlich mal wieder eine dieser „vorbildhaften“ Heldinnen, die fast übermäßig stark erscheinen. Aber sie bleibt gerade noch im erträglichen Bereich. 😉

Das Ganze ist übrigens ein Jugendbuch. Geeignet ist es für schon etwas ältere Jugendliche und natürlich für Erwachsene ebenso.

ISBN: 3641041007
224 Seiten
Originaltitel: The Chosen One
cbt
€5,99 (ebook)

Zweier ohne – Dirk Kurbjuweit

10. März 2013 § 4 Kommentare

Meine These war ja: Die eher schlechten Bewertungen zu diesem Buch sind wohl der Tatsache geschuldet, dass es zumindest in einigen Bundesländern Schullektüre ist… oder? Mal sehen…

In diesem recht schmalen Büchlein geht es um zwei Freunde: Johann und Ludwig lernen sich kennen, als Ludwig neu in die Klasse kommt. Dort scheint es dazuzugehören, möglichst viele Telefonnummern zu sammeln, an denen sich dann die Beliebtheit messen lässt. Ludwig sammelt fleißig, ruft aber schließlich Johann – den Ich-Erzähler – an. Sie tasten sich erstmal etwas aneinander heran, werden dann jedoch beste Freunde und unternehmen viel gemeinsam. Letztlich werden sie unzertrennlich – eine Entwicklung, die vor allem von Ludwig ausgeht. Ludwig möchte, dass Johann sein Zwillingsbruder wird. Er will eins werden mit ihm, immer die gleichen Erfahrungen machen und immer das gleiche wollen. Die genauen Gründe für diesen Wunsch bleiben jedoch unklar.

Bei ihrem gemeinsamen Sport, dem Rudern, ist dieses Aufeinandereinstimmen sehr nützlich, die beiden werden aufgrund ihrer Eingespieltheit wirklich gut und gewinnen einige Rennen. Doch das genügt Ludwig nicht, er möchte, dass Johann und er eine Person werden, nicht mehr zu unterscheiden, gleich in jeder Hinsicht. Als schließlich Mädchen und Sex interessant werden, gibt es für die beiden nur eine Lösung, ihre Erfahrungen zu machen: Ludwig bringt eines Tages ein Mädchen mit, Josefina, die einen eindeutigen Ruf an der Schule genießt. Ohne es genau auszusprechen, wissen beide, was zu tun ist: Zunächst geht Ludwig mit ihr auf sein Zimmer, um mit ihr zu schlafen, danach ist Johann dran. (Ja, das ist Schullektüre! Wie schön es ist, in aufgeklärten Zeiten zu leben! 😉 )

Doch als Johann etwas später eine Affäre mit Ludwigs Schwester Vera beginnt, ist ihm auch bewusst: Damit kündigt er den Pakt mit Ludwig auf. Er tut es in aller Heimlichkeit, natürlich, und beobachtet, wie Ludwig gleichzeitig immer extremer in seinem Verhalten wird. Er neigt zu immer gefährlicheren Aktionen, fängt schließlich vor einem wichtigen Wettkampf an, unkontrolliert zu essen, obwohl sie ein gewisses Maximalgewicht nicht überschreiten dürfen. Fast schon klar ist, dass Johann als Ausgleich streng fastet und sie schließlich gerade so unter der Gewichtsgrenze bleiben.

Ein immer wiederkehrendes Element in diesem Buch ist die Autobahnbrücke, die das Tal überquert, in dem der Wohnort der beiden liegt. Die Jungs klettern von Anfang an oft die Böschung hinauf, um den Autos zuzuschauen, später wird die Brücke Schauplatz von Ludwigs immer wagemutigeren Aktionen, zu denen er Johann wiederholt anstiften kann. Später wird eine Schulkameradin entführt und in einem der Brückenpfeiler in einem kleinen Verlies gefangen gehalten, bis ihre Eltern das Lösegeld zahlen. Und da sind noch die Selbstmörder, die von der Brücke springen und mehr als einmal im Garten von Ludwigs Familie landen. Am Anfang, als ein junges Mädchen dort liegt, wird noch die Polizei gerufen, die Leiche wird abgeholt. Dann springt eines Nachts ein Mann, und hier sitzen Ludwig und Johann die ganze Nacht bei der Leiche und denken sich die Lebensgeschichte des Mannes aus. Sie verstecken die Leiche und erzählen niemandem davon.

Ich glaube, es wird deutlich, dass diese Geschichte nicht auf ein gutes Ende zusteuern kann. Insofern ist das, was kommt, nicht überraschend und nur konsequent. Was ich sonst von dem Ganzen halten soll? Ich bin wirklich etwas ratlos. Zum einen kann man hier durchaus über die Gefahren von ungleichen und manipulierenden Freundschaften oder Beziehungen diskutieren. Man kann die Beziehung (Freundschaft will ich es gar nicht nennen) zwischen Ludwig und Johann als Extrembeispiel sehen. Johann gibt mehr als einmal seine Gedanken als die von Ludwig aus und umgekehrt, handelt in vorauseilendem Gehorsam, tut alles, um den Prozess des Eins-Werdens nicht zu gefährden, distanziert sich aber durch die Beziehung zu Vera auch wieder ein stückweit davon oder treibt ihn zumindest nicht ganz auf die Spitze.

Auf der anderen Seite durchzieht dieses Buch eine sehr niedergedrückte Stimmung. Selbst wenn die beiden Protagonisten eine gute Zeit haben, das Dunkle lauert immer schon im Hintergrund. Für mich war es irgendwie immer diese Brücke, die so bedrohlich wirkte, die alles überragt, in deren Schatten alles stattfindet und von der aus immer diese Selbstmörder in den Garten springen. Letzteres ist ja fast schon absurd, zumal in der Szene, als Johann und Vera zusammen unter der Brücke im Gras liegen und sich Johann überlegt, wie gefährlich das doch ist, ein Selbstmörder könnte ja direkt auf sie drauffallen.

Mich hat dieses Buch sehr zwiegespalten zurückgelassen. Wie gesagt, die Themen, die man damit ansprechen kann, sind durchaus wichtige und interessante. In seiner Gesamtheit ist die Geschichte aber ziemlich depri und irgendwie… ja, was eigentlich? Trostlos trifft es vielleicht am ehesten. Ein sehr eigenartiges Buch.

ISBN: 978-3462040265
144 Seiten
Kiepenheuer & Witsch
€6,99

Berts dagbok – Sören Olsson/Anders Jacobsson

11. September 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Bert Ljung hat mich ja durch meine Jugend begleitet und ich tippe mal, dass ich damit nicht alleine bin. Als eine Freundin meinen automatischen Goodreads-Post zu dem Buch bei Facebook sah, kommentiert sie, dass sie und ihr Bruder auch alle Bücher dieser Reihe gelesen hätten. Ich hatte vor einigen Jahren den ersten Teil der Reihe auf Schwedisch erstanden und habe ihn jetzt in Vorbereitung eines Schweden-Kurztrips vor Kurzem endlich mal durchgelesen. Kinder- und Jugendbücher sind ja immer dankbare Lektüre in Fremdsprachen… 😉

Bert ist 11 und über beide Ohren verliebt in Rebecka aus seiner Klasse. Vereinzelte Bemühungen, bei ihr zu landen, fruchten nicht, was aber Bert nicht anficht, da er sich sowieso bald entliebt hat und nur noch an eine (andere) denken kann: Nadja Nilsson von der Jungbergschule, die er bei der Schuldisco gesehen hat. Er ruft sie sogar heimlich unter falschem Namen an, trotz ihrer drei gemeingefährlichen Brüder. Dumm nur, dass er zur Tarnung den Namen seines besten Freundes Åke verwendet hat, denn als Nadja schließlich rausrückt, dass sie sich leider, leider in Åkes Freund Bert verguckt hat, muss sich ebendieser eine gute Ausrede einfallen lassen…

Ansonsten hat Bert unter seiner ersten Brille und unter seinem Vornamen zu leiden, kommt zusammen mit Åke regelmäßig auf dumme Ideen, versucht ständig, seine letztlich doch fehlende Coolness zu überspielen und sich irgendwie gegen den Klassenchaoten Klimpen durchzusetzen.

Stellvertretend hier noch ein paar Worte zu der restlichen Reihe: Ich glaube, es gibt für jedes Alter von Bert einen Band, bis er 18 ist. Was hier noch harmlos anfängt, wird dann später mehr und mehr durch Berts Pubertät und die damit verbundenen Schwierig- und Peinlichkeiten geprägt. Unterm Strich bleibt Bert der ewig verhinderte Liebhaber, der übers Fummeln nicht herauskommt – was ihm schwer zu schaffen macht.

Aber davon ist, wie gesagt, in diesem Band noch nichts zu spüren. Der Stil dürfte vor allem Jugendliche ansprechen, die etwa im gleichen Alter von Bert sind. Der Humor ist altersentsprechend und für Erwachsene bisweilen etwas albern. Aber ich lasse auf Bert nichts kommen, bei der Erstlektüre habe ich regelmäßig Tränen gelacht. Insofern stellvertretend hier die Empfehlung für diese Fast-schon-Klassiker – auf das auch die nächste Generation zusammen mit Bert erwachsen werden kann.

ISBN: 91-29-62828-8
153 Seiten
Deutscher Titel: Berts gesammelte Katastrophen
Rabén & Sjögren
Preis unbekannt (deutsche Ausgabe: €9,90)

Tova – Ylva Karlsson

9. Juli 2012 § 2 Kommentare

Um es vorweg zu sagen: Ich bin voreingenommen. Das war jetzt bestimmt das dritte oder vierte Mal, dass ich dieses Buch gelesen habe und ich finde es immernoch genauso toll wie am Anfang.

Tova ist der Name der Protagonistin. 17 Jahre alt ist sie, lebt in Stockholm zusammen mit ihrem Vater, dessen Lebensgefährtin Eva und ihren kleinen Stiefbrüdern. Tovas Mutter hat die Familie verlassen, als Tova noch klein war; sie sah ihre Berufung als Entwicklungshelferin in Nicaragua und lebt seitdem dort.

Tova war bis zum Frühjahr noch mit Torsten zusammen, ehe dieser mit ihr Schluss machte. Jetzt ist Sommer, Tovas Vater und Eva sind ins Sommerhaus gefahren, Tova ist alleine in der Stadt und muss mit ihrem Liebeskummer klarkommen. Daran hätte sie schon genug zu knabbern, zu allem Überfluss schreibt ihre Mutter, sie sei über den Sommer eine zeitlang in Schweden und würde sich gerne mit Tova treffen. Was also tun?

Tova fühlt sich vor allem einsam. Nicht, dass sie nicht schon immer eher eine Einzelgängerin war. Nicht, dass sie keine Freunde hätte. Doch die sind mehr mit dem Entwerfen einer gerechteren Gesellschaft beschäftigt als damit, sie mal zu fragen, wie es ihr denn geht; auch ihr bester Freund Viktor ist ihr nicht immer eine große Hilfe, weil er grade selbst an seinem eigenen Gefühlschaos zu knabbern hat.

Klingt anstrengend und kompliziert? Ist es aber gar nicht so sehr. Tatsächlich liest sich die Geschichte recht leicht, sie ist in einer ganz eigenen, schönen Schreibe erzählt, dass man gar nicht anders kann als mit Tova mitzufühlen. Tova ist eine sehr schlaue und reflektierte Person, die sich viele kluge, melancholische und zum Teil auch verzweifelte Gedanken macht. Diese Melancholie zieht sich durch die ganze Geschichte. Und das gefällt mir so gut daran. Einfach, weil die Gefühle, die Tova durchmacht, so gut und treffend beschrieben sind und in eine so schöne Sprache gefasst sind. Und weil man haargenau weiß, wie sie sich fühlt und wie sich das anfühlen muss.

Das Buch eignet sich für alle ab 15 oder 16 Jahren aufwärts (alternativ: ab dem ersten Liebeskummer) – also ein Jugendbuch, das auch von Erwachsenen noch sehr gut gelesen werden kann.

ISBN: 3-423-62063-3
172 Seiten
Originaltitel: Tova
dtv
€7,50

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