Die Tochter des Fotografen – Kim Edwards

11. November 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich spare mir dieses Mal einfach das Vorgeplänkel, in dem ich meine Blogunlust erkläre – das kommt ja hier mit schöner Regelmäßigkeit vor und muss nicht mehr weiter verwundern… Stattdessen steige ich lieber direkt in die Rezension ein.

In einer verschneiten Winternacht Anfang der 1960er Jahre hilft der Arzt David seiner Frau Norah bei der Entbindung ihrer gemeinsamen Zwillinge. Ihr Glück scheint perfekt, als zuerst ein gesunder Junge zur Welt kommt – doch als er die dazugehörige Schwester in den Armen hält, sieht David, dass sie anders ist als ihr Bruder: Sie hat das Downsyndrom. David entscheidet schnell und ohne Norah einzubeziehen, die noch in der Narkose liegt: Er übergibt seine Tochter der anwesenden Krankenschwester Caroline und trägt ihr auf, sie in ein Pflegeheim für behinderte Kinder zu bringen.

Norah erfährt von David kurz danach, dass ihre Tochter – sie nennen sie Phoebe – tot auf die Welt kam und sie leider nichts mehr für sie tun konnten. Norah leidet sehr unter dem Verlust, daran kann nicht einmal eine inszenierte Trauerfeier etwas ändern. In den folgenden Jahren beginnt Norah zu trinken und beide schlittern in eine Ehekrise. Dazu kommen Davids Probleme mit seinem Sohn Paul. Dieser entwickelt sich ganz anderes als von David gewünscht, ist musisch begabt und will später als Künster sein Geld verdienen.

Norah versucht ihre Unruhe und Unzufriedenheit mit unterschiedlichen Affären zu betäuben, später beginnt sie wieder zu arbeiten und macht schnell Karriere. David derweil beginnt fast obsessiv zu fotografieren – er will jeden Moment festhalten und scheint damit irgendetwas kompensieren zu wollen, was ihm in seiner Familie und seiner Ehe verloren gegangen ist. Er kämpft mehrmals mit sich, Norah das Ganze zu beichten, doch da die beiden kaum mehr als die alltäglichen Notwendigkeiten miteinander besprechen, scheitert dieses Vorhaben.

Caroline konnte sich derweil nicht durchringen, Phoebe in dem Heim abzugeben – zu schrecklich scheinen ihr die Zustände dort zu sein. Sie ist alleinstehend und zieht Phoebe alleine groß. Sie entwickelt sich zu einer kämpferischen Frau, die sich entschieden für Phoebes Recht auf eine möglichst umfassende Teilnahme am öffentlichen Leben einsetzt. Sie schreibt David ab und an Briefe und schickt Fotos, um ihm von Phoebes Entwicklungen zu berichten. Jedoch verschleiert sie immer ihren Wohnort – sie möchte nicht, dass David auf die Idee kommen könnte, Phoebe besuchen oder sie gar wieder in seine Familie aufnehmen zu wollen, schließlich ist Phoebe ihr mittlerweile wie eine leibliche Tochter. Und so möchte man die Protagonisten gelegentlich schütteln, sie mögen sich doch bitte wie vernünftige erwachsene Menschen verhalten und endlich miteinander reden. Aber gleichzeitig versteht man, dass jeder hier seine Motive hat, eben dies nicht zu tun…

Die Geschichte ist ja wirklich ganz nett, war mir aber stellenweise zu kitschig. Zum Teil verliert sich Edwards in unnötigen Nebenhandlungen, bei denen man zunächst vermutet, dass sie irgendwie bedeutsam sind, die sich dann aber doch irgendwie wieder verlieren. Weniger Seiten wären hier mehr gewesen.

ISBN: 978-3746624440
540 Seiten
Originaltitel: The Memory Keeper’s Daughter
Aufbau Taschenbuch
€9,90

P.S. I love you – Cecelia Ahern

12. Juni 2012 § 2 Kommentare

Holly und Gerry sind eines dieser seltenen perfekten Pärchen: Kennen sich seit der Teeniezeit, waren seitdem immer zusammen und sind Seelenverwandte. Umso härter trifft es Holly, als bei Gerry ein Hirntumor diagnostiziert wird und er bald darauf stirbt. Sie ist jetzt gerade mal 30 und schon verwitwet. Klar, dass sie erstmal jeder Lebensmut verlässt und sie sich nicht vorstellen kann, wie sie ihr restliches Leben ohne Gerry bestreiten soll. Doch dann erfährt sie, dass Gerry ein Päckchen für sie bei ihren Eltern hinterlegt hat. In diesem Päckchen: Zehn Briefe, einer für jeden restlichen Monat in diesem Jahr. An jedem Ersten darf sie einen Brief mit einer Nachricht von Gerry öffnen. Mit kleinen Ratschlägen und Aufgaben will er sie möglichst gut darauf vorbereiten, auch ohne ihn weiterzuleben. Das sind so kleine Dinge wie das Kaufen einer Nachttischlampe (weil sie sich im Dunkeln immer die Zehen am Bettpfosten angeschlagen hat), schöne Überraschungen wie ein gemeinsamer Urlaub mit ihren zwei besten Freundinnen Denise und Sharon, aber auch Herausforderungen – Gerry hat die absolut unmusikalische Holly zu einem Karaokewettbewerb angemeldet und bittet sie, sich von seinen Klamotten und anderen Habseligkeiten zu trennen.

Holly stürzt sich also in ein Wechselbad der Gefühle, tatkräftig unterstützt von ihren Freunden und ihrer großen und etwas chaotischen Familie. Und schwierig wird es natürlich auch, etwa als Denise sich verlobt und Sharon die frohe Botschaft verkündet, schwanger zu sein – das alles erinnert Holly daran, was sie alles nicht mehr haben kann.

Daniel, der Besitzer ihres Stammpubs, ist einer der wenigen in ihrem Freundeskreis, der ebenfalls Single ist, und beide unterstützen sich gegenseitig während der üblichen Pärchenabende – bald aber entwickeln die beiden Gefühle füreinander und Holly muss sich fragen, ob sie schon bereit ist für eine neue Beziehung.

Naja, man muss ja immer aufpassen, welche Maßstäbe man an Bücher eines bestimmten Genres anlegt. Man darf bei solchen Chick Lit-Schmökern ja auch nicht zu kritisch sein. Klar ist es ab und an kitschig und nicht sonderlich realistisch, aber wer so ein pastellblau-pinkes Buch mit Pünktchen auf dem Cover in die Hand nimmt, erwartet ja auch keine tiefsinnige Handlung, oder? Also: „P.S. I love you“ ist eine nette Herzschmerz-Lektüre, die fein ausbalanciert das Traurige und Lustige vereint. Es wird einem leicht gemacht, die Charaktere zu mögen und man sieht die Wendungen auch ohne Weiteres voraus. Also alles schön locker-leicht und fluffig – ich glaube, sowas nennt man „Wohlfühlbuch“.

ISBN: 978-0007165001
503 Seiten
Deutscher Titel: P.S. Ich liebe dich
Harpercollins
€6,99

Julia – Anne Fortier

31. Mai 2012 § 2 Kommentare

Ein Buch, das so heißt wie ich, muss ich doch lesen, oder? 😉

Die titelgebende Julia ist zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Janice bei ihrer älteren Tante Rose aufgewachsen – ihre leiblichen Eltern waren bei einem Unfalls in Italien, wo die beiden auch geboren wurden, getötet worden.

Janice und Julia sind sich überhaupt nicht grün und bekommen sich bei der kleinsten Angelegenheit in die Haare. Umso erstaunlicher ist, was passiert, als Tante Rose stirbt und ihr Testament eröffnet wird: Janice wird Alleinerbin des Hauses, Julia bekommt dagegen nur eine alte Truhe mit Briefen und anderem Papierkram. Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen, dass Janice alles Wertvolle erben soll! Doch Julia bekommt noch einen Brief von Tante Rose: Darin bittet sie sie, nach Italien zu reisen – ihre Mutter war damals, ehe sie starb, einem Familiengeheimnis auf der Spur und Julia solle dem weiter nachgehen. Dabei liegt ein Pass, ausgestellt auf den Namen Guilietta Tolomei – dies, so schreibt Rose, sei ihr Geburtsname.

Bereits am Flughafen in Florenz macht sie scheinbar zufällig Bekanntschaft mit Eva Maria Salimbeni, die sie mit den ersten Leuten in Siena bekannt macht – unter anderem mit ihrem Neffen Alessandro.

Doch bald merkt Julia, das irgendetwas faul ist: Sie wird von fremden Männern verfolgt, die Leute scheinen ihren Namen irgendwoher zu kennen und dann wird auch noch in ihr Hotelzimmer eingebrochen.

Es stellt sich schnell heraus, worin das Familiengeheimnis liegt: Im Jahre 1340 gab es bereits eine Guilietta Tolomei – sie war damals in Romeo Marescotti verliebt, musste aber aus politischen Gründen einen anderen heiraten: Den Patriarchen der Familie Salimbeni, um dadurch die Familienfehde zwischen den Tolomeis und den Salimbenis zu beenden. Diese tragische Liebesgeschichte zwischen Guilietta und Romeo soll die wahre Vorlage für Shakespeares Romeo und Julia gewesen sein.

Damit nicht genug: Es gibt außerdem noch einen Fluch auf den Familien, uralte Gegenstände, hinter denen jeder herzusein scheint und natürlich findet Julia alias Guilietta auch ihren Romeo… Das ist ja fast schon klar. 😉

Es gibt hier natürlich, wie sich das gehört, mehr als genug Wendungen bzw. Überraschungen und auch einen zünftigen Showdown. Ob das jetzt alles so realistisch war – ich finde nicht. Für mich hätte es ein bisschen weniger von allem (Männer mit basilikumfarbenen Augen, anyone? Oder war’s Thymian?) sein dürfen. Dafür hätte ich mir eine realistischere Ausarbeitung der Charaktere gewünscht – da wundert man sich doch über so manche Meinungsänderung. Kann man mal lesen, wenn grade leichte Unterhaltung gefragt ist, muss man aber auch nicht. Auch nicht, wenn das Buch den eigenen Namen trägt.

ISBN: 978-3810506788
637 Seiten
Originaltitel: Juliet
Krüger
€19,95

Ich kehre zurück nach Afrika – Stefanie Gercke

18. Mai 2011 § Ein Kommentar

Dieses Buch macht mich ratlos. Ich habe es jetzt tatsächlich bestimmt schon zum dritten Mal gelesen, und dabei ist es doch soooo kitschig – damit hab ich’s ja sonst so gar nicht. Und wieso ich es doch immer wieder lese? Null Ahnung. Eigentlich.

Aber erstmal die Handlung: Henrietta wird mit nicht mal 20 von ihren Eltern aus dem winterlichen Hamburg ins tropische Durban geschickt. Dort lebt ihr Onkel Hans mit seiner Frau Gertrude. Henrietta soll sich dort die Flausen aus dem Kopf schlagen – sie hatte es nämlich tatsächlich gewagt, ihren afrikanischen Freund (zwar Diplomatensohn und ergo aus gutem Hause, aber eben schwarz!) an die heimatliche Kaffeetafel mitzubringen!

Henrietta selbst stürzt sich wahnsinnig naiv und voller kindlicher Neugierde in ihr afrikanisches Abenteuer. Von den Gesetzen der Apartheid (das Ganze spielt in den 1960er Jahren) hat sie null Ahnung, sie bewundert die Schönheit der Natur aus vollem Herzen und ist sich sicher: Hier gehört sie hin. Gercke spart hier wahrhaftig nicht mit bildhaften Beschreibungen: Die Nacht ist nicht nur einfach dunkel, nein, sie ist samtig-schwarz und glühend (was auch immer man sich darunter vorstellen mag). Die Inderinnen sind bunt gekleidet wie Schmetterlinge und die Schwarzen tanzen und singen eigentlich ständig. In Afrika ist allgemein alles etwas wilder und ursprünglicher als im kalten, steifen Europa. Kennt man ja.

Blitzschnell findet Henrietta Freunde in der reichen, weißen Oberschicht, unter denen jedoch auch (vereinzelt) die ersten kritischen Stimmen der Rassentrennung gegenüber zu hören sind. Über sie lernt sie Benedict kennen, sehr charmant, sehr gut aussehend, nur leider etwas pleite. Sie verlieben sich (sie natürlich auf den ersten Blick und un-sterb-lich, wie es sich in solchen Geschichten gehört), er ist zwar noch mit ihrer Cousine verlobt, das ficht ihn jedoch nicht an, ihr ebenfalls einen Heiratsantrag zu machen (in erster Linie wegen ihres riesigen Vermögens, das sie in der Zwischenzeit von ihrem verstorbenen Onkel Diederich geerbt hat). Und doch, ach: Schließlich trennt sich Henrietta schweren Herzens von ihm, sie will nicht immer die zweite Frau an seiner Seite sein.

Wenig später – Auftritt Ian: Ein wahnsinnig (!!!!) gut aussehender Schotte, groß, mit kornblumenblauen (!!!) Augen, tritt in ihr Leben und prompt sind die beiden unsterblich verliebt, ach was, Seelenverwandte! Ian ist ein wunderbar starker Mann zum Anlehnen, er übernimmt gern auch mal den Telefonhöhrer, wenn ihr Papa im fernen Hamburg nicht nett zu Henrietta ist. A knight in shining armour, ein Traum, ein Klischee.

Henrietta selbst ist mittlerweile eine gefragte Unternehmerin, sie entwirft Kleider, die in der Upper Class schwer gefragt sind. Und mit zwei bezaubernden Kindern – Jan und Julia – wird das Glück komplettiert.

Wenn sie nicht beim Kauf ihres perfekten Hauses in paradiesisch-perfekter Lage jemandem sehr Einflussreichen auf die Füße getreten wären, hätte es ja so bleiben können. Doch ist dieser jemand der Schwager des berüchtigten Generalstaatsanwaltes Dr. Piet Kruger, der vor recht wenig zurückschreckt. Belastend könnte sein, dass Ian und Henrietta vor Jahren einmal einen Abend im Township Kwa Mashu verbracht haben, und noch viel schwerer wiegt, dass Henriettas Erbschaft auf einem Schweizer Konto verwahrt wird – solche Auslandskonten sind zu dieser Zeit streng verboten und stehen in etwa auf einer Stufe mit Mord. Plötzlich wird das Telefon von Henrietta und Ian abgehört, sie werden beschattet und schließlich tauchen gefälschte Beweise gegen sie auf, die sie für Jahre ins Gefängnis bringen könnten. Es bleibt nur noch ein Weg: Die Familie muss schnellstens das Land verlassen.

Ich glaube, ich weiß, warum ich dieses Buch immer wieder lese: Man kann sich so schön über diese ganzen Stereotypen lustig machen. Und es ist auf vorhersehbare Weise total spannend. Es geht quasi schief, was schiefgehen kann, auf den letzten Metern tauchen noch Probleme auf, man will auf jeden Fall wissen, wie es weitergeht und kann sich doch sicher sein, dass hier ein Happy End folgen wird (haha, und was für eins! Filmreif wäre da noch untertrieben).

Wie schon angedeutet: Dieses Buch ist sooo kitschig! Meine Güte. Von dem Liebesgesülze zwischen Henrietta und Ian bekommt man fast schon Zahnschmerzen. Es ist alles so wahnsinnig klischeehaft überladen, dass man ständig den Kopf schütteln will. Und doch macht das Lesen irgendwie Spaß. Weil man deutliche Grenzen zwischen Gut und Böse hat. Weil man nicht nachdenken muss, wer auf welcher Seite steht. Weil man sich einfach mal hemmungslos dem Schmalz hingeben kann, unter dem Deckmäntelchen, sich für die gesellschaftlichen Zustände im Südafrika der Apartheid zu interessieren. Und weil man ab und zu halt auch mal seine ganz persönliche Fernweh-Schicksalsschmonzette braucht.

Ich steh dazu: Ich mag dieses Buch.

ISBN: 3-426-61498-7

537 Seiten

Knaur

€6,95

Der verborgene Garten – Kate Morton

2. Mai 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Cassandra ist überrascht: Ihr kürzlich verstorbene Großmutter Nell hat ihr ein Haus in Cornwall vermacht! Was wollte eine Australierin mit einem Haus in Großbritannien? Urlaub gemacht hat sie dort jedenfalls nie, Cassandra wusste nicht einmal von der Existenz des Cottages, obwohl sie viele Jahre bei ihrer Großmutter lebte. Sie beginnt, der Sache nachzugehen und erfährt, dass ihre Großmutter als kleines Mädchen adoptiert wurde; sie wurde mutterseelenalleine am Hafen gefunden, als gerade ein Schiff aus Großbritannien dort angelegt hatte. Bei der Familie eines Hafenarbeiters hatte sie schließlich eine glückliche und behütete Kindheit und erfuhr erst als junge Frau, dass ihre Eltern nicht die leiblichen waren.

Cassandra will der Sache auf den Grund gehen und reist kurzentschlossen nach Cornwall, um ihr Erbe in Augenschein zu nehmen: Ein kleines Cottage an der Küste, nicht wirklich gut in Schuss, aber wunderschön gelegen. Als sie beginnt, sich im Dorf etwas umzuhören, kommt auch nach und nach etwas Licht ins Dunkel der Familiengeschichte: Nell war in den 1970er Jahren ebenfalls nach Cornwall gereist und hatte herausgefunden, dass sie die leibliche Tochter von Rose Mountrachet und Nathaniel Walker war. Sie aus einer alteingesessenen, vornehmen Familie, die seit Generationen das Herrenhaus Blackhurst an der Küste bewohnte, er ein talentierter New Yorker Zeichner und Maler.

Rose war seit Kindertagen sehr eng mit ihrer Cousine Eliza befreundet, die nach dem Tod ihrer Eltern ebenfalls auf Blackhurst aufwuchs. Die beiden konnte nichts trennen – doch nach der Hochzeit von Rose und Nathaniel schien irgendetwas vorgefallen zu sein, was die beiden Freundinnen entfremdete. Denn Eliza war es, die Nell damals mit auf das Schiff nach Australien genommen hatte. War Nell entführt worden? Wollte Eliza sich damit für irgendetwas an Rose rächen? Und wieso ist Eliza scheinbar nie in Australien angekommen?

Trotz der 600 nochwas Seiten liest sich diese Geschichte sehr schnell weg – halt so ein typischer Familiensaga-Schicksalsroman, den man nur mit halbem Hirn lesen kann. Manche Stellen fand ich recht langatmig, aber die konnte ich dann auch überfliegen, ohne groß was zu verpassen.

Man muss vielleicht nicht verstehen, wie dieses Buch zum Bestseller geworden ist, aber für ein paar Stunden leichter Lektüre ist auf jeden Fall gesorgt. Das richtige Buch für Freunde und Freundinnen großer Gefühle, dunkler Geheimnisse und alter Herrenhäuser sowie für Cornwall-Urlauber und Familiensaga-Fans.

ISBN: 978-3453354760

640 Seiten

Originaltitel: The Forgotten Garden

Diana Verlag

€9,95

Das Perlenmädchen – Barbara Wood

24. Februar 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Das neue Jahr habe ich lesetechnisch leider nicht sonderlich gut angefangen… Die Perlentaucherin war ein Weihnachtsgeschenk, aber irgendwie war das nicht so recht was für mich.

Um was gehts? Tonina lebt auf der Perleninsel, die irgendwo in der Nähe des heutigen Mexiko angesiedelt ist. Sie ist die beste Perlentauchern ihres Stammes und liebt das Meer. Sie weiß jedoch, dass sie als Kind ausgesetzt wurde: Das Ehepaar, das sie in einem Körbchen aus dem Meer fischte, sind nicht ihre richtigen Eltern, und die Perleninsel nicht ihre richtige Heimat. Daher bricht sie Richtung Festland auf – zunächst will sie nur eine besondere Blume mit Heilkräften aufzuspüren, doch das eigentliche Ziel ihrer Reise ist es, den Stamm zu finden, zu dem sie gehört. Sie gelangt so ins Reich der Maya, wo sie Chac kennenlernt, den von allen bewunderten Ballspieler. Doch aufgrund einer Intrige schweben beide bald in Lebensgefahr – Tonina kann Chac aber retten, und nach Maya-Brauch ist Chac nun an sie gebunden, um wiederum ihr einmal das Leben zu retten. Auch Chac ist kein Maya, und daher sind beide in ihrer Mission verbunden, ihre Abstammung zu finden. Doch sie werden verfolgt von Prinz Balám, den einstigen Förderer und engen Freund Chacs, den jener nun bezichtigt, sein Leben zerstört zu haben.

Fazit: Man könnte auf den ersten Seiten denken, man habe es hier mit einer starken und für ihre Zeit recht emanzipierten Frau zu tun: Sie ist so, wie sie eben ist, ist klug und lässt sich von keinem was sagen. Nur leider rutscht die Geschichte mehr und mehr in Klischees ab: Zuerst wird ständig darauf hingewiesen, dass Tonina ja nicht wirklich gut aussieht (und daher mit Anfang 20 immer noch unverheiratet und Jungfrau ist…), aber irgendwann verlieben sich jede Menge Männer in sie. Ah ja. Auch die späteren Liebesszenen zwischen Tonina und Chac sind… nun ja, nicht sonderlich originell. Vielleicht schreibt Frau Wood ja im Nebenberuf noch Nackenbeißer?

Ansonsten besteht ein Großteil der Handlung daraus, dass Tonina, Chac und ihre immer größer werdende Gefolgschaft herumziehen, immer mal wieder das Ziel ändert und hier und da irgendwelchen Gefahren begegnet. Irgendwann erfahren beide dann, wer sie wirklich sind usw. Das war mir manchmal ein bisschen zu viel Rumgewandere, zwischendurch hatte ich auch schlicht und einfach den Durchblick verloren, wer jetzt wohin unterwegs ist und wieso.

Identifizieren konnte ich mich mit keinem der Protagonisten, zumal Tonina mal wieder eine von diesen perfekten Menschen ist: Sie ist ja so toll, macht keine Fehler und beherrscht ratzfatz die ihr vorher vollkommen fremde Maya-Sprache. Auch die anderen Charaktere waren eher holzschnittartig und in ein Gut-Böse-Schema eingepresst.

Mich hat trotzdem interessiert, wie das Ganze ausgeht (auch wenn sich die Logik gegen Ende so richtig verabschiedete), und ich würde mal sagen: Dieses Buch hat in etwa den selben Stellenwert wie die abendliche Soap – super, wenn man keine hohen Ansprüche an Logik stellt und auch keine geistreiche Lektüre, sondern einfach nur das Hirn ausschalten will. Alle anderen sollten lieber was anderes lesen.

ISBN: 3596158842

602 Seiten

Originaltitel: Woman of a Thousand Secrets

Fischer Taschenbuch

€9,95

Kein Engel an meiner Seite – Elizabeth Glaser

11. März 2009 § Ein Kommentar

Schon wieder ein nicht komplett gelesenes Buch… Dieses Mal wars aber auch „nur“ ein Bookcrossing-Zufallsfund, der nach leichter Lektüre aussah und den ich schnell mal lesen wollte. Schnell wurde die Lektüre vor allem deswegen, weil ich einen Großteil des Buches nur quergelesen habe.

Um was gehts? Elizabeth Glaser ist die Ehefrau von Paul Glaser, der vor allem durch seine Rolle in „Starsky & Hutch“ bekannt wurde, dieser 70er-Jahre-Serie. Er und Elizabeth gelten als das Hollywood-Traumpaar, erst recht, als zwei (natürlich) bezaubernde Kinder auf die Welt kommen, Ariel und Jake. So weit, so unspektakulär. Nun schreiben wir allerdings die frühen 80er Jahre, man hört zwar überall von der neuen Seuche AIDS, aber weiß noch wenig darüber, vor allem über die Übertragungswege. Elizabeth musste während Ariels Geburt eine Bluttransfusion bekommen, und als Ariel mit vier Jahren plötzlich kränklich wird, kommt nach unzähligen Tests die Diagnose: Ariel hat AIDS, Elizabeth und Jake sind HIV-positiv. Die Blutkonserve, die Elizabeth bekommen hatte, stammte von einem infizierten Spender.

Während es Elizabeth und Jake weiterhin recht gut geht, wird Ariel immer schwächer, bis sie mit sieben Jahren stirbt. Elizabeth will nicht hinnehmen, dass dies auch mit Jake passieren wird, und sie beginnt, für eine bessere Forschung und Aufklärung, vor allem bei Kindern mit HIV und AIDS, zu kämpfen.

Fazit: Der Titel lässt es schon befürchten: Kitsch!!! Okay, es ist ein trauriges Thema, aber das Buch ist nicht wirklich gut geschrieben und über weite Teile extrem schwülstig. Die einzige Erkenntnis war für mich, dass man einmal mitbekommt, wie weit verbreitet damals die Vorurteile waren: Die Kinder hatten Probleme, eine Schule und Spielkameraden zu finden und Elizabeth wurde aus ihrem Yoga-Unterricht ausgeschlossen. Positiv ist es allemal, das Glasers ihre Bekanntheit und ihre Kontakte ausgenutzt haben, um mehr für die Aufklärung der Bevölkerung und für die Forschung an AIDS zu tun. Aber alles in allem: Das hier ist kein Buch, was man gelesen haben muss, außer man mag Kitsch.

Das Buch geht folgerichtig auch bald wieder auf die Reise, wers haben will (innerhalb von Freiburg), der melde sich! 😉

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