Der Wald ist Schweigen – Gisa Klönne

26. April 2015 § 2 Kommentare

IMG_8073Tatort Bergisches Land – die Försterin Diana Westermann findet auf einem Hochsitz in ihrem Revier eine schwer identifizierbare Männerleiche. Judith Krieger und ihre Kollegen der Kripo Köln beginnen mit den Ermittlungen, bei denen sie schnell das Gefühl haben, dass alle Befragten nicht wirklich mit der ganzen Wahrheit rausrücken: Die Försterin selbst, die Ehefrau des Toten, die Yogis im nahegelegenen Ashram… Was also ist da los?

Diana Westermann hat das Revier gerade neu übernommen, sie bekommt Drohanrufe, Falschmeldungen über Wildunfälle mitten in der Nacht, ihr Hund verschwindet kurzzeitig. Sie versucht die Vorfälle damit abzutun, dass ihre Kollegen ihr, der jungen gutaussehenden Frau, das Revier nicht gönnen. Oder steckt da mehr dahinter und hängen die Vorfälle irgendwie mit dem Mord zusammen?

Juliane Wengert, die Ehefrau des Toten, gerät schnell in Verdacht, nicht zuletzt durch ihr kühles und distanziertes Verhalten bei den Befragungen der Kripo: Ihr Mann, ein Lehrer, hatte eine Affäre mit einer Schülerin. Die schien zwar beendet zu worden sein, aber könnte es nicht sein, dass die betrogene Ehefrau doch aus Eifersucht gehandelt hat?

Und dann gibt es noch den erwähnten Ashram – dort laufen einige undurchsichtige Gestalten herum, die nur auf den ersten Blick yogamäßig nett und entspannt sind. Was hat es mit Laura auf sich, der jungen Frau, und mit ihrem Geliebten? Was verschweigen die Leiter der Einrichtung? Und wo steckt Darshan, eine junge Lebenskünstlerin, die einige Monate vorher kurz auf dem Weg nach Indien hier Station gemacht hatte, aber nie in Asien ankam?

Ich hatte ja schon angekündigt, die Reihe rund um Judith Krieger mal ganz von Anfang zu lesen, und damit scheine ich absolut richtig gelegen zu haben. Mir hat auch diese Geschichte rundum gut gefallen. Ich fand es toll, dass es hier vor allem die vielschichtigen Frauenfiguren sind, die die Handlung tragen. Vor allem Judith Krieger finde ich sympathisch und interessant, ich freue mich auf die nächsten Fälle, in denen sie ermittelt (denn ja, die werde ich auch lesen). Die einzelnen Erzählstränge sind gut und stimmig miteinander verknüpft, ohne dass es aufgesetzt oder gezwungen wirkt.

Außerdem fand ich die Story interessant, vor allem, da hier so eine nette falsche Fährte eingebaut war. Okay, man könnte die schon etwas früher als auf den letzten Seiten erahnen. Ich hatte eher so ein Bauchgefühl, war mir aber dann doch nicht so sicher – am Schluss wurde mein Gefühl bestätigt. Dafür, dass ich sonst so eine schlechte Mitraterin bin, verbuche ich das mal als kleinen Erfolg.

Also ja, ich hab rein gar nichts zu meckern. Große Empfehlung!

 

Nichts als Erlösung – Gisa Klönne

11. November 2014 § Ein Kommentar

IMG_7946Bei einer morgendlichen Joggingrunde stolpert Kommissarin Judith Krieger mitten in einen Tatort: Ein Touri-Pärchen hat nahe der Kölner Altstadt einen Toten mit weggeschossenem Gesicht gefunden. Zunächst ist unklar, wer überhaupt der Tote ist. Doch als schließlich die Identität festgestellt wurde, gibt das der Mordkommission nur noch mehr Rätsel auf, denn Jonas Vollenweider war in den 80ern selbst der Hauptverdächtige, als seine Eltern und seine Schwester ermordet wurden. Ihm konnte jedoch nie etwas nachgewiesen, die Leichen wurden nie gefunden und er selbst lebte zuletzt mit seiner Lebensgefährtin auf Samos, nahezu ohne Kontakt zu Deutschland. Zuletzt wollte er aber endlich das ehemalige Haus der Familie verkaufen; dort wurden die Vollenweiders ermordet, und seitdem stand das Haus leer, nahezu unberührt seit der Tat.

Was Judith Krieger zusätzlich zu schaffen macht: Sie bekommt regelmäßig anonyme Briefe mit Fotos von Details, die mit den aktuellen Ermittlunngen zu tun haben. Und sie wird das Gefühl nie los, dass ihr der Täter immer sehr nah und stets einen Schritt voraus ist.

Der Täter selbst – nun, es gibt am jüngsten Tatort und im Haus der Vollenweiders keinerlei verwertbare Spuren, alle Hinweisen laufen irgendwie ins Leere, doch Krieger und ihr Team sind sich sicher, dass sie, um diesen Fall zu lösen, tief in der Vergangenheit graben müssen. Die Eltern von Jonas Vollenweider waren Leiter eines Kinderheims in der Eifel, wo in der Nazizeit und auch danach noch Kinder misshandelt und sogar getötet wurden. Aber warum kommt das nun alles nach Jahrzehnten wieder ans Licht? Und musste der Sohn für die Verbrechen seiner Eltern büßen?

Ja, sehr schöner Krimi. Sympathische Ermittler, nicht zuviel Privatkram und ein interessanter und stimmiger Fall. Da auch das hier wieder ein Mittendrin-angefangen-Buch war, kam der Band 1 mit Judith Krieger sofort auf meine Wunschliste.

 

Die Toten, die niemand vermisst – Michael Hjorth/Hans Rosenfeldt

29. Oktober 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

IMG_7943Das mit den viellesenden Angehörigen ist ja so ne Sache: Zwar profitiert man regelmäßig von Buchgeschenken und Leihgaben, was perfekt ist. Nun habe ich allerdings eine Tante, die mir gerne Bücher empfiehlt und auch ausleiht, die sich dann als Teil x irgendeiner Serie entpuppen – und in der Regel ist es nie der erste Teil. Normalerweise stört mich das nicht so sehr, hier war es aber dem Lesegenuss eher abträglich, weil es zu viele Bezüge zu den vorangehenden Bänden gibt. Aber zum gestörten Lesegenuss gleich noch mehr.

In der nordschwedischen Einöde werden durch Zufall sechs Skelette entdeckt, zwei davon von Kindern. Die Toten wurden offenbar erschossen und liegen schon seit einigen Jahren dort – besonders viel mehr kann man nicht herausfinden, denn es gibt keine Vermisstenmeldungen aus der fraglichen Zeit, die auf diese Personen passen könnten.

Parallel suchen Shibeka und ihr Sohn Mehran aus Stockholm seit Jahren ihren verschwundenen Ehemann und Vater Hamid; die Behörden waren damals davon ausgegangen, dass sich Hamid durch Untertauchen seiner Abschiebung zurück nach Afghanistan widersetzen wollte. Shibeka aber glaubt, ihren Mann zu kennen – Hamid war nicht so. Sie nimmt Kontakt zu einem Journalisten auf, um die Geschichte um das Verschwinden endlich aufzuklären.

Im Fall um die Skelette übernimmt die Reichsmordkommission. Zunächst scheint es keine heiße Spur zu geben, ehe sie eine alte Meldung von einem ausgebrannten Auto mit einer Frauenleiche darin finden. Die Zeit könnte passen, doch die Leiche wurde nie identifiziert. Oder genauer: Bei dem Auto handelte es sich um einen Mietwagen, der von einer gewissen Patricia Wellton gemietet wurde. Nur: Diese Frau hat nie existiert, sie taucht in keinem offiziellen Register auf. Doch bei den Nachforschungen wird immer klarer, dass der ein oder andere Schlapphut (nicht nur) aus Schweden hier seine Finger im Spiel und natürlich kein Interesse daran hat, dass das jemand herausfindet. Eine Sache, die auch Shibeka und Mehran schnell merken…

Wie man sieht: Die Geschichte an sich ist echt interessant und spannend, keine Frage. Nur leider wird die Story durch Privatprobleme und Nebenhandlungen viel zu sehr aufgebläht. Da wird mehr als einmal die Frage aufgeworfen, wer mit wem schläft oder geschlafen hat oder wieder schlafen wird, und wieso, und wer jetzt der Vater von Vanja ist und wann sie das erfahren wird und ob Billy mit seiner Freundin My (bei dem Namen ist ja wohl klar, wie man sie sich vorstellt, oder?) zusammenziehen will oder nicht. Und das hat dann schnell was von Waynetrain und Whateverest. Mich hat sogar der Mega-Cliffhanger am Schluss relativ kaltgelassen. Schade eigentlich.

Grabesgrün – Tana French

3. Oktober 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Die letzte Dienstreise in meinem (noch) aktuellen Job mit einigen Zugstunden sowie ein langes Wochenende haben mir vor Kurzem recht viel Lesezeit beschert. Die wollte ich auch nutzen; in den kommenden Wochen steht nach dem Projektabschluss ein Umzug an mit entsprechender To Do-Liste. Deswegen wollte ich vorher nochmal einen schönen Krimi  lesen und ich weiß mittlerweile, dass ich da mit Tana French gut bedient bin. Die Reihe finde ich ja von Buch zu Buch besser – ein kleiner Wermutstropfen ist, dass ich das Ganze irgendwie von hinten nach vorne gelesen habe. Nun gut, das ist jetzt nicht sooo tragisch, weil die einzelnen Geschichten in sich abgeschlossen sind, aber so den ein oder anderen Bezug hätte ich schon nochmal gerne aufgegriffen gehabt.

Dieses Mal führt uns Detective Rob Ryan durch die Geschichte. Cassie (die in Teil 2 die Erzählerin ist) ist seine Partnerin und beste Freundin (auf die Kumpel-Art). Die beiden bekommen einen Fall auf den Tisch, der für beide zur Nervenprobe werden wird: Die Leiche eines zwölfjährigen Mädchen wird nahe einer archäologischen Ausgrabungsstätte gefunden. Katy, so hieß das Mädchen, wurde erst bewusstlos geschlagen und dann mit einer Plastiktüte erstickt. Anschließend wurde sie auf einem alten Altar so drapiert, als würde sie schlafen.

Rob und Cassie merken recht schnell, dass in Katys Familie einiges nicht stimmt: Die distanzierten Eltern, die ältere Schwester Rosalind, die viel zu erwachsen und reif für ihr Alter wirkt, schließlich Jessica, Katys Zwillingsschwester, die ziemlich verstört zu sein scheint. Nach einigen Nachfragen kommt heraus, dass die Familie Drohnanrufe bekommen hat; Katys Vater ist an einer Bürgerinitiative beteiligt, die gegen eine geplante Schnellstraße kämpft. Aber auch der ein oder andere aus der Gruppe der Archäologen benimmt sich seltsam, Alibis scheinen nicht immer wasserdicht zu sein.

Für Rob kommen die Dämonen allerdings aus einer ganz anderen Richtung: In dieser Gegend ist er aufgewachsen und als er 12 war, sind zwei seiner besten Freunde im Wald spurlos verschwunden. Rob war dabei, als es passierte, doch er hat keine Erinnerungen mehr daran. Er wurde erst Stunden später aufgegriffen, voller Blut und vollkommen verstört. Robs Familie ist kurz darauf weggezogen, er ist nach England aufs Internet gegangen, und nur Cassie kennt seine Vergangenheit.

Es stellt sich tatsächlich heraus, dass es Berührungspunkte zwischen dem alten und dem neuen Fall gibt. Und nicht nur dadurch verstricken sich Rob und Cassie zunehmend in alten Geschichten und aktuellen Fragen, die letztlich dann auch ihre Freundschaft auf die Probe stellen.

Ich wusste ja schon, dass dieser Fall ein sehr schwieriger werden würde; in Band 2 wurde das öfter mal angedeutet. Aber für mich tat das der Spannung oder dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Ich mag einfach die Charaktere supergerne, Cassie fand ich ja schon vorher klasse und auch Rob als Ich-Erzähler mochte ich sehr gerne. Ich finde sowieso die Idee gut, jeden Band aus der Perspektive von jemand anderem erzählen zu lassen, ohne das Setting zu verlassen.

Auch den Fall fand ich spannend und interessant und mir gefiel die leicht melancholische Stimmung, so dass ich das Buch bei Goodreads über die meiste Zeit glattweg mit 5 Sternen bewertet hätte (das wäre dann in diesem Jahr erst das zweite gewesen, nach dem Herrndorf. Erstaunlich schlechte Bilanz). Und dann hatte ich den Schluss gelesen und war doch… ein klitzekleines Bisschen enttäuscht. Ich fand den Schluss realistisch und alles, aber irgendwie… Ich dachte, da käme noch mehr. Rob machte zum Ende hin immer mehr Andeutungen und baut so eine Erwartung auf, die dann das eigentliche Finale nicht zu 100% erfüllen kann. Gut, es muss nicht immer filmreif und mit x Wendungen auf den letzten fünf Seiten sein. Aber hier bleiben eben einige Dinge in der Schwebe und ich hatte etwas mehr erwartet. So läuft der Fall eher etwas plätschernd aus. Aber auf der anderen Seite: Ich mag ja eigentlich die French-Krimis dafür, dass sie eben grade nicht so rüberkommen wie ein Actionfilm. Wie dem auch sei: Ich habe auch diesen Band sehr, sehr gerne gelesen. Und für alle, die die Serie bisher nicht kannten: Das wäre jetzt eine gute Gelegenheit für euch, damit anzufangen.

ISBN: 978-3596175420
704 Seiten
Originaltitel: In The Woods
Fischer

Nichts ist verjährt – Horst Bosetzky

18. März 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

IMG_7675Im Jahr 2007 werden bei Bauarbeiten auf einem Ostberliner Grundstück die sterblichen Überreste einer Frau gefunden, die dort wohl vor etwa dreißig Jahren Opfer eines Gewaltverbrechens wurde. Sofort gerät der Eigentümer des Grundstücks unter Verdacht, der Schriftsteller Bernhard Oybin. Dieser ist alles andere als ein Sympathieträger: Mit dem SED-Regime hatte er sich bestens arrangiert, er galt als ein Vorzeigeschriftsteller des Ostens und genoss entsprechende Vorzüge. Doch er bleibt nicht der einzige Verdächtige, da er regelmäßig das Haus seinen Freunden und Freundesfreunden wahlweise als Partylocation, Rückzugsort und/oder Liebesnest zur Verfügung gestellt hatte.

Also eine Rückblende ins Jahr 1980: Der junge Westberliner René Truckenbrodt begleitet seine Mutter zur Leipziger Buchmesse. Gedacht ist das als Ablenkung, wurde René nicht gerade von seiner Verlobten betrogen. Auf der Messe selbst ist diese jedoch schnell vergessen, als er Tamara begegnet, einer Fotografin aus Ostberlin und, so ist René überzeugt, der Frau seines Lebens. Zunächst führen die beiden eine Fernbeziehung über die Zonengrenze hinweg, doch mit der Zeit wollen beide gemeinsam im Westen leben. Ein erster Fluchtversuch Tamaras über die grüne Grenze schlägt fehl, weswegen ein Plan B her muss. Und der findet sich auch bald – in Gestalt der Studentin Angelika, die Tamara unheimlich ähnlich sieht…

Der Anfang war zugegebenerweise etwas zäh: Die Dialoge fand ich blöd, die Witze albern und die Namen einiger Protagonisten schlicht und einfach beknackt. Darüber hinaus gefällt sich der Autor offenbar als Warner und Mahner vor Feministinnen, Grünen und anderen Gutmenschen, denn Gruppen außerhalb des Konservativ-Bürgerlichen kriegen des Öfteren ihr Fett weg. Das könnte man ja als Darstellung bestimmter Milieus so stehenlassen und mit einem Augenzwinkern sogar ganz lustig rüberbringen, hier war es mir jedenfalls etwas zu unsubtil. Am Anfang war ich also schon mehrmals versucht, das Buch einfach wegzulegen, als es dann endlich etwas besser wurde. Unterm Strich wars doch eine ganz gut zu lesende Geschichte, auch wenn die Auflösung schon relativ früh zu erahnen ist.

ISBN: 978-3-89773-589-7
268 Seiten
Jaron
€9,95

Asche zu Asche – Elizabeth George

1. Januar 2014 § Ein Kommentar

IMG_7444Ich habe vor Jahren schonmal ein oder zwei Bücher aus dieser Reihe gelesen, die mir glaube ich auch ganz gut gefallen haben. Bloß weiß ich nicht mehr, warum ich nicht dabeigeblieben bin und erst eine Uralt-Ausgabe beim Bücherflohmarkt erwischen musste, um mal wieder Inspector Lynley und Barbara Havers zu begegnen…

Als der gefeierte Cricket-Nationalspieler Kenneth Fleming tot in einem Landhaus aufgefunden wird, sieht das Ganze auf den ersten Blick aus wie ein Unfall: Eine Zigarette hat einen Sessel in Brand gesetzt und Fleming ist an Rauchvergiftung gestorben. Doch Inspector Lynley und Barbara Havers merken schnell, dass da mehr dahintersteckt: Die Zigarette wurde dort gezielt platziert – jemand wollte Fleming umbringen.

Doch so einfach ist es dann doch nicht: Fleming lebte in dem Haus mit seiner Geliebten, von der er sich jedoch trennen wollte und die am Abend des Mordes kurz vorher das Haus im Streit verlassen hatte. Galt der Mordanschlag womöglich ihr?

Wer auch immer das Opfer gewesen sein sollte, Motive in Flemings Umfeld gäbe es genug: Da wäre seine Noch-Ehefrau, die weiterhin auf eine Revival gehofft hatte. Oder sein ältester Sohn Jimmy, der sowieso schon schwierig ist und sich mehr Aufmerksamkeit von seinem Vater wünscht. Außerdem Miriam Whitelaw, die weitaus ältere Mentorin Flemings, bei der er zuletzt gewohnt hat und von der man nie genau weiß, wie jetzt ihre exakte Beziehung zu Fleming aussieht – und wie sie auf eine potenzielle Konkurrentin reagiert hätte. Oder haben vielleicht Miriams Tochter Olivia und deren Freund Chris etwas mit dem Mord zu tun, da Olivia damals mit ihren Eltern brach und Fleming als Eindringling gesehen hat?

Das Dumme ist nur: Nahezu jeder dieser Verdächtigen hat neben einem Motiv auch ein Alibi vorzuweisen. Und es ist für Lynley und Havers alles andere als einfach, das Gestrüpp an wechselseitigen Gefühlen, Enttäuschungen, Hass und Verzweiflung zu durchschauen und herauszufinden, was genau dahintersteckt.

Ich muss gestehen: Anfangs war ich etwas skeptisch, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass George es wirklich schaffen würde, die Krimi-Spannung über 700 Seiten zu halten. Aber: Sie hat es tatsächlich geschafft. Zwar hat diese Geschichte auch mal ruhigere Phasen, aber es gibt immer eine gewisse Grundspannung, die mich immer wieder bei der Stange gehalten hat. Und: Jedes Detail, jede Wendung, jede zusätzliche Information ist irgendwie relevant und führt dazu, dass die Auflösung dann ein stimmiges Bild ergibt.

ISBN: 978-3442437719
768 Seiten
Originaltitel: Playing for the Ashes
Goldmann
€9,95

Blutsbräute – Margie Orford

10. November 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

In Kapstadt wird an der Uferpromenade die Leiche einer jungen Frau gefunden. Ihre Hände sind gefesselt, die Augen zerstochen worden; ganz offenbar wurde sie vor ihrem Tod schwer misshandelt.

Die Profilerin Clare Hart wird sofort von der Polizei hinzugezogen, doch bald darauf passieren noch zwei weitere Morde an jungen Frauen, eine vierte verschwindet. Es ist klar, dass es sich um einen Serientäter handeln muss – schließlich sind alle Opfer junge Frauen, und alle wurden auf die gleiche Weise misshandelt.

Gleichzeitig arbeitet Clare an Doku zum Frauenhandel am Kap. Dazu interviewt sie Opfer und auch ein paar der unsympathischen Typen, die damit ihr Geld verdienen. Dadurch entdeckt sie Parallelen und sie ist bald überzeugt, dass sie womöglich den Mörder der Frauen schon getroffen hat…

„Blutsbräute“ ist definitiv ein spannender Fall, auch wenn die Story nicht sonderlich raffiniert ist: Es wird recht bald klar, dass der Täter in dem Milieu zu suchen ist, in dem Clare sowieso schon recherchiert. Natürlich sorgt schon alleine die Thematik dafür, dass man bei manchen Passagen ganz schön schlucken muss.

Ansonsten werde ich diese Serie bei Gelegenheit mal weiterlesen, Claire und die sonstigen Protagonisten waren mir recht sympathisch, und sowieso: Kapstadt!

ISBN: 3-641-12728-9
400 Seiten
Originaltitel: Like Clockwork
blanvalet
€7,99 (ebook)

Süden – Friedrich Ani

16. Oktober 2013 § 2 Kommentare

IMG_7391Ich muss gestehen, dass ich hier mehrmals kurz davor war, dieses Buch wegzulegen. Zu viel Drumherum, zu wenig Spannung. Schließlich habe ich doch durchgehalten – ob’s das wirklich gebracht hat? Ich bin mir noch nicht so recht sicher.

Tabor Süden hat es mit einem Vermisstenfall zu tun – der Wirt Raimund Zacherl ist verschwunden. Zunächst wurde er seltsam und irgendwie schweigsam, saß nur noch teilnahmslos rum und gestand schließlich seiner Frau, dass er eine andere kennengelernt habe. Irgendwann danach war er auf einmal verschwunden.

Süden geht dem Ganzen nach und findet heraus, dass der Wirt tatsächlich eine Geliebte hatte und mir ihr auf Sylt ein neues Leben anfangen wollte. Bei einer Recherchereise auf die Insel kommt so nach und nach eine recht tragische Geschichte ans Licht, und Süden bekommt so langsam eine Idee, was es mit Zacherls Verschwinden auf sich haben könnte.

Süden hat selbst aber noch eine Baustelle im Privaten: Plötzlich meldet sich sein Vater, der die Familie verlassen hatte, als Süden 16 Jahre alt war. Also muss sich der Sohn auch noch auf die Suche nach seinem Vater machen und hat quasi einen zweiten Vermisstenfall zu bearbeiten.

Was nun hat mir nicht gefallen? Ich fand das Buch über weite Strecken zu langatmig, es gab zu viele Passagen, die eher ablenkten und auch nichts sonst zu der Geschichte beitrugen. In etwa das letzte Drittel war dann wieder ganz oay, aber allgemein bin ich eher weniger begeistert von diesem Buch.

ISBN: 978-3426509357
386 Seiten
Knaur Taschenbuch
€9,99

Trackers – Deon Meyer

25. Juli 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

IMG_6893Deon Meyer mausert sich so langsam zu einem meiner Lieblingskrimiautoren. Woran man sowas merkt? Zum Beispiel, wenn man von diesem Autor sogar Spontaneinkäufe in der Bahnhofsbuchhandlung tätigen kann und trotzdem Volltreffer landet.

Hier haben wir es mit gleich drei in sich abgeschlossenen Handlungssträngen zu tun, die jedoch nach und nach einige Berühungspunkte erkennen lassen. Bei einigen Aspekten war das für mich erst wirklich ganz am Ende erkennbar, bei ein paar dagegen gar nicht. Aber trotzdem war das Ganze in sich sehr stimmig – besser, als wenn der Autor alles auf Biegen und Brechen irgendwie zusammenführen will und dann plötzlich irgendwelche absurden Begegnungen stattfinden.

Also, zu den drei Handlungsabschnitten: Zuerst hätten wir da Milla, die beim Nachrichtendienst arbeitet und dort Reports und Dossiers zu verdächtigen Personen erstellt und Recherchearbeiten durchführt. Milla hat gerade ihren Ehemann verlassen und ist gerade dabei, ihr Leben neu zu ordnen. Dass sie den Job angenommen hat, lag vor allem daran, dass sie schnell Geld verdienen musste. Milla wird darangesetzt, Informationen über verdächtige Personen im Umfeld von möglichen Terroristen zusammenzustellen. Offenbar ist irgendein Anschlag in Planung, doch die Zusammenhänge sind noch unklar. Muslimische Terroristen, Gangster auf den Cape Flats, Diamentenschmuggler, alle scheinen irgendwie miteinander verbandelt und irgendetwas ist da im Busch. Dann gibt es noch einen gewissen Lukas Becker, der als hartnäckiger Anrufer eines der Hauptverdächtigen das Spielfeld und wenig später leibhaftig die Tanzfläche eines Lokals betritt, in dem die mittlerweile etwas unterv…., ähm, liebeshungrige Milla Tanzstunden nimmt…

Dann haben wir im zweiten Handlungsstrang Lemmer, der einen etwas eigenartigen Job annimmt, bei dem er die Überführung von geschmuggelten Nashörnern überwachen soll. Diese geht leider schief, da das Überführungskommando in einen Hinterhalt gerät – die ihnen auflauern, scheinen irgendwas zu suchen. Umso eigenartiger, als dass die seltsame Hautkrankheit, die die Rhinos bei der Abfahrt befallen hatte, nach der Ankunft auf wundersame Weise verschwunden ist, ebenso wie die mysteriöse Begleiterin Lemmers, die Lara-Croft-mäßige Flea van Jaarsfeld. Nun, jeder Maskenbildner weiß, dass man Geschwüre super aus Plaste modellieren kann, doch warum sollte man das tun, wenn man nichts darunter verstecken will? Und natürlich: Was?

Zu guter Letzt taucht noch der uns bereits bekannte Mat Joubert auf, der mittlerweile als Privatermittler arbeitet und es gleich zu Beginn seiner Tätigkeit mit dem Fall eines verschwundenen Mannes zu tun bekommt. Dessen Frau hat die Ermittler beauftragt: Ihr Mann sei bereits seit einiger Zeit verschwunden. Es wurde nur sein Auto gefunden, das auf dem Parkplatz seines Fitnessstudios geparkt war. Es gab weder Ehe- noch Geldprobleme, und auch bei der Arbeit in einem Busunternehmen schien alles wunderbar zu laufen. Wobei genau dort Mat dann nach einer gewissen Durststrecke den ersten Hinweis auf den Grund für das Verschwinden findet.

Was mir an diesem Krimi so gut gefallen hat? Er ist wirklich anspruchsvoll und durchdacht. Man muss ein bisschen dabei bleiben und sich konzentrieren, aber dann wird man so das ein oder andere Aha-Erlebnis haben. Die jeweiligen Stories erschienen mir realistisch und nicht konstruiert, was ebenfalls ein großes Plus ist.

Besonders gut fand ich außerdem, dass die Charaktere nicht wie so oft üblich schwarz-weiß gezeichnet sind. Es bleibt noch genug Raum für Uneindeutigkeiten, für persönliche Schwächen bei den „Guten“ und bei einigen Protagonisten eine gewisse Unvorhersehbarkeit, was sich tatsächlich hinter der Fassade verbirgt.

Vorhersehbar ist dagegen mein Fazit: Absolut empfehlenswert!

ISBN: 978-1444740660
504 Seiten
Deutscher Titel: Rote Spur
Hodder & Stougton
€7,90

Totengleich – Tana French

20. April 2013 § Ein Kommentar

IMG_6684So so, es gibt also auch eine Art Frühjahrsmüdigkeit, was das Rezensieren von Büchern angeht; genauer gesagt handelte es sich in meinem Fall um eine ausgewachsene Schreibblockade. So wie es scheint, habe ich die aber fürs Erste überwunden (lange genug hat es schließlich gedauert) und ich hoffe, dass ich soweit alles Wichtige im Gedächtnis behalten habe.

„Totengleich“ ist der Vorgänger zu „Sterbenskalt„, den ich letztes Jahr rezensiert hatte. Die Bücher der Serien sind aber nur lose miteinander verbunden. Frank Mackey, der im dritten Band die Hauptrolle spielt, ist hier der Chef der Protagonistin, Cassie Maddox.

Cassie ist eine talentierte Undercoveragentin. Bei ihrem letzten Einsatz wurde sie jedoch schwer verletzt und hat sich in eine Abteilung versetzen lassen, wo sie Fälle von Häuslicher Gewalt bearbeitet. Da bekommt sie einen Anruf: Sie solle an einen Tatort kommen und sich etwas anschauen. Ihr Freund Sam, der bei der Mordkommission arbeitet, klingt höchst besorgt, so dass sie sich sofort auf den Weg macht. Vor Ort versteht sie dann Sams Aufregung: Die Tote gleicht ihr bis aufs Haar. Sie wurde erstochen in einem kleinen, verfallenen Cottage gefunden, es gibt keine Hinweise, was passiert sein könnte.

Bald stellt sich heraus: Die junge Frau war Doktorandin an der Universität in Dublin und lebte gemeinsam mit vier Freunden in einem alten Herrenhaus auf dem Land. Die fünf schienen gerne unter sich zu sein, bildeten eine verschworene Gemeinschaft und verhalten sich natürlich während der Vernehmungen wenig kooperativ. Als sich herausstellt, dass sich Lexie – so der Name der Toten – im ersten Stadium einer Schwangerschaft befand und dass die fünf Studenten im benachbarten Dorf alles andere als beliebt waren, kommt Frank mit einer Idee um die Ecke: Cassie solle die große Ähnlichkeit mit Lexie nutzen und sich undercover in das Haus einschleichen. Den vier Freunden hat er praktischerweise erzählt, Lexie sei schwer verletzt und liege im Koma, es sei nicht möglich, sie zu besuchen, man würde sie aber auf dem Laufenden halten. Nur so, argumentiert Frank, könnte man wirklich herausfinden, was dort los war und wie Lexie ums Leben kam.

Cassie hat nach ersten Zweifeln schnell Blut geleckt und bereitet sich akribisch auf ihren Einsatz vor. Sie studiert Fotos und Handyvideos, um Lexie kennenzulernen und bestmöglich kopieren zu können.

Schließlich wird sie als die Genesene zurück in die WG gebracht und muss nun den Spagat hinbekommen, zum einen ihre Rolle möglichst gut zu spielen, zum anderen herauszufinden, wie und wieso Lexie sterben musste.

Die Fünf – neben Lexie noch Daniel, der Erbe des Hauses, Rafe, Justin und Abby – sind ein eingeschworenes Team. Kaum ein Moment, den sie nicht gemeinsam verbringen, kaum ein Augenblick im Tagesablauf, der nicht durchgetaktet wäre und in dem alle eine beeindruckende Eingespieltheit beweisen. Cassei wird schnell klar: Die Freunde hatten sich ein Bollwerk gegen die Welt geschaffen und schaffen es – auch durch Regeln wie „Keine Vergangenheit!“ – sich ihre eigene kleine Familie zu schaffen. Sie scheinen auf den ersten Blick wahnsinnig harmonisch und zufrieden zu sein, ehe es deutlich wird, dass hinter dieser Fassade irgendetwas brodelt und zu immer größeren Spannungen führt. Noch dazu wird sie den Verdacht nicht los, dass Daniel irgendeinen Verdacht geschöpft hat…

Mir gefällt diese Reihe zunehmend. Cassie war mir sehr sympathisch, ich würde ihr gerne noch einmal wieder begegnen. Die Story dieses Bandes war sehr spannend und gut konstruiert, wenn es auch zwischendurch einige Längen gab. Aber die Idee, die dem Ganzen zugrunde liegt, ist mal eine neue, und alleine deswegen lohnt sich die Lektüre. Mehr von Tana French, bitte!

ISBN: 978-3596175437
784 Seiten
Originaltitel: Likeness
Fischer Taschenbuch
€8,95

Wo bin ich?

Du durchsuchst momentan die Kategorie Krimi auf Besser lesen.

%d Bloggern gefällt das: