Süden – Friedrich Ani

16. Oktober 2013 § 2 Kommentare

IMG_7391Ich muss gestehen, dass ich hier mehrmals kurz davor war, dieses Buch wegzulegen. Zu viel Drumherum, zu wenig Spannung. Schließlich habe ich doch durchgehalten – ob’s das wirklich gebracht hat? Ich bin mir noch nicht so recht sicher.

Tabor Süden hat es mit einem Vermisstenfall zu tun – der Wirt Raimund Zacherl ist verschwunden. Zunächst wurde er seltsam und irgendwie schweigsam, saß nur noch teilnahmslos rum und gestand schließlich seiner Frau, dass er eine andere kennengelernt habe. Irgendwann danach war er auf einmal verschwunden.

Süden geht dem Ganzen nach und findet heraus, dass der Wirt tatsächlich eine Geliebte hatte und mir ihr auf Sylt ein neues Leben anfangen wollte. Bei einer Recherchereise auf die Insel kommt so nach und nach eine recht tragische Geschichte ans Licht, und Süden bekommt so langsam eine Idee, was es mit Zacherls Verschwinden auf sich haben könnte.

Süden hat selbst aber noch eine Baustelle im Privaten: Plötzlich meldet sich sein Vater, der die Familie verlassen hatte, als Süden 16 Jahre alt war. Also muss sich der Sohn auch noch auf die Suche nach seinem Vater machen und hat quasi einen zweiten Vermisstenfall zu bearbeiten.

Was nun hat mir nicht gefallen? Ich fand das Buch über weite Strecken zu langatmig, es gab zu viele Passagen, die eher ablenkten und auch nichts sonst zu der Geschichte beitrugen. In etwa das letzte Drittel war dann wieder ganz oay, aber allgemein bin ich eher weniger begeistert von diesem Buch.

ISBN: 978-3426509357
386 Seiten
Knaur Taschenbuch
€9,99
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Trackers – Deon Meyer

25. Juli 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

IMG_6893Deon Meyer mausert sich so langsam zu einem meiner Lieblingskrimiautoren. Woran man sowas merkt? Zum Beispiel, wenn man von diesem Autor sogar Spontaneinkäufe in der Bahnhofsbuchhandlung tätigen kann und trotzdem Volltreffer landet.

Hier haben wir es mit gleich drei in sich abgeschlossenen Handlungssträngen zu tun, die jedoch nach und nach einige Berühungspunkte erkennen lassen. Bei einigen Aspekten war das für mich erst wirklich ganz am Ende erkennbar, bei ein paar dagegen gar nicht. Aber trotzdem war das Ganze in sich sehr stimmig – besser, als wenn der Autor alles auf Biegen und Brechen irgendwie zusammenführen will und dann plötzlich irgendwelche absurden Begegnungen stattfinden.

Also, zu den drei Handlungsabschnitten: Zuerst hätten wir da Milla, die beim Nachrichtendienst arbeitet und dort Reports und Dossiers zu verdächtigen Personen erstellt und Recherchearbeiten durchführt. Milla hat gerade ihren Ehemann verlassen und ist gerade dabei, ihr Leben neu zu ordnen. Dass sie den Job angenommen hat, lag vor allem daran, dass sie schnell Geld verdienen musste. Milla wird darangesetzt, Informationen über verdächtige Personen im Umfeld von möglichen Terroristen zusammenzustellen. Offenbar ist irgendein Anschlag in Planung, doch die Zusammenhänge sind noch unklar. Muslimische Terroristen, Gangster auf den Cape Flats, Diamentenschmuggler, alle scheinen irgendwie miteinander verbandelt und irgendetwas ist da im Busch. Dann gibt es noch einen gewissen Lukas Becker, der als hartnäckiger Anrufer eines der Hauptverdächtigen das Spielfeld und wenig später leibhaftig die Tanzfläche eines Lokals betritt, in dem die mittlerweile etwas unterv…., ähm, liebeshungrige Milla Tanzstunden nimmt…

Dann haben wir im zweiten Handlungsstrang Lemmer, der einen etwas eigenartigen Job annimmt, bei dem er die Überführung von geschmuggelten Nashörnern überwachen soll. Diese geht leider schief, da das Überführungskommando in einen Hinterhalt gerät – die ihnen auflauern, scheinen irgendwas zu suchen. Umso eigenartiger, als dass die seltsame Hautkrankheit, die die Rhinos bei der Abfahrt befallen hatte, nach der Ankunft auf wundersame Weise verschwunden ist, ebenso wie die mysteriöse Begleiterin Lemmers, die Lara-Croft-mäßige Flea van Jaarsfeld. Nun, jeder Maskenbildner weiß, dass man Geschwüre super aus Plaste modellieren kann, doch warum sollte man das tun, wenn man nichts darunter verstecken will? Und natürlich: Was?

Zu guter Letzt taucht noch der uns bereits bekannte Mat Joubert auf, der mittlerweile als Privatermittler arbeitet und es gleich zu Beginn seiner Tätigkeit mit dem Fall eines verschwundenen Mannes zu tun bekommt. Dessen Frau hat die Ermittler beauftragt: Ihr Mann sei bereits seit einiger Zeit verschwunden. Es wurde nur sein Auto gefunden, das auf dem Parkplatz seines Fitnessstudios geparkt war. Es gab weder Ehe- noch Geldprobleme, und auch bei der Arbeit in einem Busunternehmen schien alles wunderbar zu laufen. Wobei genau dort Mat dann nach einer gewissen Durststrecke den ersten Hinweis auf den Grund für das Verschwinden findet.

Was mir an diesem Krimi so gut gefallen hat? Er ist wirklich anspruchsvoll und durchdacht. Man muss ein bisschen dabei bleiben und sich konzentrieren, aber dann wird man so das ein oder andere Aha-Erlebnis haben. Die jeweiligen Stories erschienen mir realistisch und nicht konstruiert, was ebenfalls ein großes Plus ist.

Besonders gut fand ich außerdem, dass die Charaktere nicht wie so oft üblich schwarz-weiß gezeichnet sind. Es bleibt noch genug Raum für Uneindeutigkeiten, für persönliche Schwächen bei den „Guten“ und bei einigen Protagonisten eine gewisse Unvorhersehbarkeit, was sich tatsächlich hinter der Fassade verbirgt.

Vorhersehbar ist dagegen mein Fazit: Absolut empfehlenswert!

ISBN: 978-1444740660
504 Seiten
Deutscher Titel: Rote Spur
Hodder & Stougton
€7,90

Totengleich – Tana French

20. April 2013 § Ein Kommentar

IMG_6684So so, es gibt also auch eine Art Frühjahrsmüdigkeit, was das Rezensieren von Büchern angeht; genauer gesagt handelte es sich in meinem Fall um eine ausgewachsene Schreibblockade. So wie es scheint, habe ich die aber fürs Erste überwunden (lange genug hat es schließlich gedauert) und ich hoffe, dass ich soweit alles Wichtige im Gedächtnis behalten habe.

„Totengleich“ ist der Vorgänger zu „Sterbenskalt„, den ich letztes Jahr rezensiert hatte. Die Bücher der Serien sind aber nur lose miteinander verbunden. Frank Mackey, der im dritten Band die Hauptrolle spielt, ist hier der Chef der Protagonistin, Cassie Maddox.

Cassie ist eine talentierte Undercoveragentin. Bei ihrem letzten Einsatz wurde sie jedoch schwer verletzt und hat sich in eine Abteilung versetzen lassen, wo sie Fälle von Häuslicher Gewalt bearbeitet. Da bekommt sie einen Anruf: Sie solle an einen Tatort kommen und sich etwas anschauen. Ihr Freund Sam, der bei der Mordkommission arbeitet, klingt höchst besorgt, so dass sie sich sofort auf den Weg macht. Vor Ort versteht sie dann Sams Aufregung: Die Tote gleicht ihr bis aufs Haar. Sie wurde erstochen in einem kleinen, verfallenen Cottage gefunden, es gibt keine Hinweise, was passiert sein könnte.

Bald stellt sich heraus: Die junge Frau war Doktorandin an der Universität in Dublin und lebte gemeinsam mit vier Freunden in einem alten Herrenhaus auf dem Land. Die fünf schienen gerne unter sich zu sein, bildeten eine verschworene Gemeinschaft und verhalten sich natürlich während der Vernehmungen wenig kooperativ. Als sich herausstellt, dass sich Lexie – so der Name der Toten – im ersten Stadium einer Schwangerschaft befand und dass die fünf Studenten im benachbarten Dorf alles andere als beliebt waren, kommt Frank mit einer Idee um die Ecke: Cassie solle die große Ähnlichkeit mit Lexie nutzen und sich undercover in das Haus einschleichen. Den vier Freunden hat er praktischerweise erzählt, Lexie sei schwer verletzt und liege im Koma, es sei nicht möglich, sie zu besuchen, man würde sie aber auf dem Laufenden halten. Nur so, argumentiert Frank, könnte man wirklich herausfinden, was dort los war und wie Lexie ums Leben kam.

Cassie hat nach ersten Zweifeln schnell Blut geleckt und bereitet sich akribisch auf ihren Einsatz vor. Sie studiert Fotos und Handyvideos, um Lexie kennenzulernen und bestmöglich kopieren zu können.

Schließlich wird sie als die Genesene zurück in die WG gebracht und muss nun den Spagat hinbekommen, zum einen ihre Rolle möglichst gut zu spielen, zum anderen herauszufinden, wie und wieso Lexie sterben musste.

Die Fünf – neben Lexie noch Daniel, der Erbe des Hauses, Rafe, Justin und Abby – sind ein eingeschworenes Team. Kaum ein Moment, den sie nicht gemeinsam verbringen, kaum ein Augenblick im Tagesablauf, der nicht durchgetaktet wäre und in dem alle eine beeindruckende Eingespieltheit beweisen. Cassei wird schnell klar: Die Freunde hatten sich ein Bollwerk gegen die Welt geschaffen und schaffen es – auch durch Regeln wie „Keine Vergangenheit!“ – sich ihre eigene kleine Familie zu schaffen. Sie scheinen auf den ersten Blick wahnsinnig harmonisch und zufrieden zu sein, ehe es deutlich wird, dass hinter dieser Fassade irgendetwas brodelt und zu immer größeren Spannungen führt. Noch dazu wird sie den Verdacht nicht los, dass Daniel irgendeinen Verdacht geschöpft hat…

Mir gefällt diese Reihe zunehmend. Cassie war mir sehr sympathisch, ich würde ihr gerne noch einmal wieder begegnen. Die Story dieses Bandes war sehr spannend und gut konstruiert, wenn es auch zwischendurch einige Längen gab. Aber die Idee, die dem Ganzen zugrunde liegt, ist mal eine neue, und alleine deswegen lohnt sich die Lektüre. Mehr von Tana French, bitte!

ISBN: 978-3596175437
784 Seiten
Originaltitel: Likeness
Fischer Taschenbuch
€8,95

Die Stadt der Toten – Sara Gran

19. Februar 2013 § 4 Kommentare

IMG_6651Claire DeWitt ist jetzt nicht so die typische Krimiheldin: Sagt nie nein zu einem guten Joint oder zu einem Schluck aus der Pulle, zieht gerne ihr kryptisches Detektivhandbuch zu Rate oder deutet ihre Träume, um der Lösung des Falls näher zu kommen. Dafür verlangt sie irrsinnig viel Geld, was sie dadurch rechtfertigt, dass sie schließlich die Beste ihres Fachs sei und entsprechend jeden Fall lösen würde.

Ihr neuer Auftraggeber hier ist ein Mann, der seinen vermissten Onkel sucht. Vic Willing, ein Staatsanwalt in New Orleans, ist irgendwann während des Hurrikans Katrina verschwunden. Claire DeWitt soll herausfinden, was mit ihm passiert ist.

Dazu muss man sagen: Das Post-Katrina-New Orleans ist ein Moloch, die Wahrscheinlichkeit, erschossen zu werden, ist ziemlich hoch und Claire muss sich im Laufe ihrer Recherchen mit mehr als einer zwielichtigen Gestalt abgeben. Sie ermittelt in einer teilweisse zerstörten Stadt, die von Entwurzelten bevölkert ist, die wenig zu verlieren haben.

Zwischendurch wurde die Story etwas undurchsichtig und für meinen Geschmack etwas zu wenig stringent. Daher verzichte ich darauf, allzu viel davon wiederzugeben. Die Auflösung hat mir aber sehr gut gefallen: Vic Willing hatte selbst eine dunkle Seite, weswegen es einem schwer gemacht wird, eindeutig Partei zu ergreifen. So, wie übrigens die meisten der Charaktere irgendwie zwei Gesichter haben: Sogar die Gangmitglieder, die sonst regelmäßig Leute abknallen, entpuppen sich zum Teil als kluge und feinfühlige Jungs, die vielleicht etwas ganz anderes aus ihrem Leben hätten machen können, wenn sie nur an einem anderen Ort zur Welt gekommen wären.

So haben mich das knallige Cover und der entsprechende Klappentext auf positive Weise hinters Licht geführt: Man erwartet einen lustigen, schrägen und abgefahrenen Krimi mit wenig Tiefgang, bekommt aber eine Geschichte, die vielleicht von einer etwas unkonventionellen Heldin getragen wird und sich manchmal etwas in Nebenhandlungen verliert, die aber letztlich doch überraschend viel Substanz hat und mit einem Ende aufwartet, das zum Nachdenken anregt.

ISBN: 978-3426226094
368 Seiten
Originaltitel: Claire DeWitt and the City of the Dead
Droemer
€14,99

Erlösung – Jussi Adler Olsen

23. Dezember 2012 § 6 Kommentare

IMG_6467Der einzige, aber wirklich einzige Vorteil, krank im Bett zu liegen? Ihr habt es erraten.

Mal wieder Carl Mørk (und jedes Mal wieder die Suche nach dem ø bei den Sonderzeichen…), mal wieder ein spannender Fall für ihn, Assad und Rose (die zwischendurch mal von ihrer „Zwillingsschwester“ Yrsa vertreten wird). Aus Schottland bekommen die Dänen eine alte Flaschenpost zugesendet, die dort jahrelang in irgendwelchen Büros rumstand und daher schon gewisse Alterserscheinungen zeigt. Doch in der Flasche befindet sich ein Brief, und was man davon noch entziffern kann, gibt Grund zur großen Sorge: Es handelt sich scheinbar um einen Hilferuf von zwei Entführungsopfern, geschrieben mit Blut. Sie seien von einem Mann entführt und in einer Hütte eingesperrt worden. Der Mann habe damit gedroht, sie zu töten. Der Rest des Briefes, der möglicherweise noch Details zu Ort und Zeit der Entführung enthält, lässt sich kaum entziffern.

Das Ganze muss bereits vor Jahren passiert sein, aber eine entsprechende Vermisstenmeldung wurde nie aufgegeben. Ein Fall, der von Anfang an fast zu viele Unbekannte hat – aber das Sonderdezernat Q wäre nicht es selbst, wenn es sich nicht Schritt für Schritt an eine Lösung herantasten würde.

Als Leserin weiß man – wie immer bei Adler Olsen – schon etwas mehr, da von Anfang an aus der Perspektive des Täters erzählt wird. Es gibt bereits mehrere Entführungsopfer, jedes Mal Kinder aus Familien, die unterschiedlichen religiösen Gruppierungen und Sekten angehören. Auch aktuell sind zwei Kinder in seiner Gewalt. Mørk und Kollegen müssen sich also beeilen, dem Täter rechtzeitig auf die Schliche zu kommen, um wenigstens diese Kinder zu retten. Und das wird nochmal ordentlich spannend.

Dieser Band gefiel mir wieder besser als der zweite, den ich insgesamt als den schwächsten der Reihe beurteilen würde. Der Fall ist spannend konstruiert und obwohl man über den Täter und dessen Motive nicht ganz im Unklaren gelassen wird, fiebert man trotzdem mit dem Team Mørk mit.

Zwar ist es durchaus keine schlechte Idee, die Story mit etwas Humor aufzulockern, allerdings hat das hier manchmal etwas genervt. Gerade diese Sache mit Roses Zwillingsschwester Yrsa, die sich dann doch als die verkleidete Rose herausstellte, empfand ich als unnötig, da sie zur Geschichte an sich nichts beiträgt und ich auch nicht so recht wusste, was uns Adler Olsen damit sagen will. Aber nun gut, darüber kann man hinweglesen.

Grundsätzlich gilt also: Wer die ersten beiden Bände gerne gelesen hat, wird diesen Teil umso mehr mögen.

ISBN: 978-3423248525
592 Seiten
Originaltitel: Flaskepost fra P
dtv
€14,90

Fatherland – Robert Harris

21. Dezember 2012 § 2 Kommentare

IMG_6460Die Frage danach, wie die Geschichte alternativ hätte verlaufen können, ist ja immer eine spannende. Harris hat sich bei diesem Buch das wohl krasseste Szenario ausgesucht: Hitler hat den Krieg gewonnen, das „Tausendjährige Reich“ bereitet sich im Jahr 1964 auf den 75. Geburtstag des Führers vor. Berlin heißt zwar (noch?) nicht Germania, ist aber bereits nach Speers Plänen für die „Welthauptstadt“ umgebaut. Deutschland hat seine Grenzen bis weit hinter Moskau und auf die Krim ausdehnen können, ist an den Ostgrenzen jedoch noch immer in Kämpfe verwickelt. Es gibt diffuse Gerüchte über eine massenhafte Umsiedlung der Juden Europas in den Osten – doch Genaueres weiß keiner.

Das Deutsche Reich ist derweil in einer Art Kaltem Krieg mit den Amerikanern verstrickt; umso größer wird gefeiert, dass der amerikanische Präsident Kennedy (allerdings Joseph P., nicht John F.) bald nach Deutschland reisen will, um eine Versöhnung zu forcieren.

Vor diesem Setting treffen wir den Kripo-Mann Xavier March (komischer Name für einen Nazi, oder? Dachte ich auch). Wenige Tage vor dem „Führertag“, also Hitlers Geburtstag, wird die Leiche eines Mannes aufgefunden. Bald stellt sich heraus, dass es sich um Josef Buhler handelte, einen alten Parteifunktionär. Obwohl ihm klar gemacht wird, dass die Gestapo die weiteren Ermittlungen übernehmen wird, ermittelt March auf eigene Faust weiter. Bald erkennt er, dass Buhler mit einigen anderen Männern offenbar in eine Verschwörung verwickelt war: Alle vierzehn nahmen im Jahr 1942 an einer Konferenz in Wannsee teil, und alle vierzehn sind mittlerweile tot oder verschwunden. Dass das kein Zufall sein kann, ist March schnell klar und so beginnt er gemeinsam mit der amerikanisch-deutschen Journalistin Charlotte Maguire seine eigenen Nachforschungen anzustellen.

Irgendwie bin ich bis kurz vor Schluss mit dieser Geschichte nicht so 100%ig warm geworden. Dabei hatte sie ja eigentlich alles, um so richtig spannend zu werden. Ich denke, es lag daran, dass der Plot relativ langsam Fahrt aufnimmt und March die meiste Zeit relativ blass bleibt – es wird zwar einiges aus seinem Privatleben erzählt (geschiedener Einzelgänger, der später sogar von seinem eigenen Sohn denunziert wird) aber so richtig fassbar war er für mich nicht. Viele Aspekte des täglichen Lebens werden nur angeschnitten – ich hätte hier gerne mehr erfahren, aber natürlich hätte das den Rahmen dieser Geschichte, die ja in erster Linie ein Krimi sein sollte, gesprengt.

Ich will das Buch hier gar nicht schlecht machen. Die Story nimmt zunehmend Fahrt auf und wird immer spannender – es gibt sogar einen zünftigen Showdown. Und das Setting eines in Vetternwirtschaft und Filz erstarrten Nazi-Staates ist allemal interessant und etwas gruselig zu lesen.

ISBN: 978-0099527893
386 Seiten
Deutscher Titel: Vaterland
Arrow
€8,10

Schändung – Jussi Adler Olsen

12. November 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich meine bereits erwähnt zu haben, dass ich nach dem Auslesen von Teil 1 unverzüglich mit Teil 2 begonnen hatte, weil ich einfach grade so gut drin und meine Krimi-/Thrillerlust nach einem Buch noch nicht so recht befriedigt war.

In „Schändung“ ermittelt wieder das mittlerweile gut bekannte Team aus Carl und Assad, wobei sie jetzt Verstärkung von Rose bekommen, mit der Carl, nun ja, nicht soo gut klarkommt. Die Akte, die sie aus dem Stapel der ungelösten Fälle ziehen, hat es wieder in sich: Ende der 1980er Jahre wurden zwei Geschwister brutal in ihrem Sommerhaus ermordet. Unter Verdacht geriet damals eine Clique schnöseliger Internatsschüler, die jedoch nie belangt werden konnten. Einer aus der Gruppe nahm die Tat auf sich und wanderte dafür in den Knast – wenig überraschend derjenige, der nur mit Hilfe eines Stipendiums auf das teure Internat gehen konnte und eher aus einfachen Verhältnissen stammte. Bei der erneuten Überprüfung tauchen einige Ungereimtheiten auf, die dafür sorgen, dass das Team vom Sonderdezernat Q genauer nachforscht.

Die Schüler sind mittlerweile erwartungsgemäß an die Spitzen der dänischen Gesellschaft aufgestiegen; ihren Sadismus und ihre Brutalität lassen sie gut versteckt bei Jagdausflügen, an ihren Ehefrauen oder an ihren Angestellten aus. Entsprechend bekommt Carl auch bald von seinen Vorgesetzten signalisiert, er solle den Fall lieber ruhen lassen und sich eine andere Akte vornehmen. Doch es wäre nicht Carl, wenn er sich dadurch nicht noch zusätzlich anstacheln ließe. Es gilt vor allem, die Schlüsselfigur von damals zu finden: Kimmie, die früher ebenfalls zur Clique gehörte und nicht minder brutal war, dann aber untertauchte und seitdem auf der Straße lebt. Doch auch die Clique ist ihr auf den Fersen, denn sie ist die einzige, die ihnen noch gefährlich werden könnte.

Auch der zweite Band hat mir gut gefallen, wenn auch einen Tick weniger als der erste. Die Story hat mich nicht ganz so stark gefesselt wie die erste. Darüber hinaus war mir noch nicht so ganz klar, was für eine Rolle Rose in dem Team spielt; das Gekabbel zwischen ihr und Carl erschien mir manchmal nicht so zielführend und es wird auch nicht so recht klar, warum die beiden sich nicht ausstehen können. Vielleicht wird das aber im dritten Band deutlicher, wer weiß.

Das soll jetzt nicht heißen, dass es ein schlechtes Buch ist, im Gegenteil: Es ist ein guter Nachfolger in dieser Reihe. Man braucht aber auch hier wieder starke Nerven: Die ehemaligen Internatsschüler sind samt und sonders sadistische, brutale Arschlöcher, denen man sofort das schlimmstmögliche Ende wünscht.

Aber ich freu mich jetzt auf Band 3, auch wenn ich damit wahrscheinlich noch ein bisschen warten werde.

ISBN: 978-3423247870
464 Seiten
Originaltitel: Fasandræberne
dtv
€14,90

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