Headhunter – Jo Nesbø

25. Dezember 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Jo Nesbø ist auch so ein Hype-Autor, den ich bisher geflissentlich ignoriert hatte. Er stand zwar mit ein paar seiner Werke auf irgendeiner meiner Wunschlisten, aber irgendwie immer nur so halbherzig, bis mir neulich eine Freundin „Headhunter“ empfahl und gleich auch auslieh. Also war ich dann doch gespannt drauf.

Protagonist ist Roger Brown, ein brillianter, hoch angesehener Headhunter und ein recht stark von sich überzeugter Idiot. Sympathisch ist jedenfalls anders. Brown ist aber nunmal einer der Besten seines Fachs und wird von den führenden Firmen in Norwegen engagiert, um passende Kandidaten für Top-Posten dort zu finden.

Was die alle jedoch nicht wissen: Während des Kennenlern-Smalltalks mit seinen Kandidaten wird auch über Kunst geplaudert – allerdings will Brown nur herausfinden, ob die Bewerber wertvolle Gemälde in ihrem Besitz haben. Dann bricht er dort ein und klaut diese (Jo, ich hab da auch keinen Zusammenhang zum Headhunter-Business gesehen. Macht aber wohl nix).

Eines Tages sitzt vor ihm ein sehr aussichtsreicher High Potential: Clas Greve. Das übliche Spielchen folgt und Brown findet raus, dass Greve offenbar einen echten Rubens (!) in seinem Besitz hat. Roger fängt zumindest innerlich an zu sabbern und weiß, dass er sich dieses Kunstwerk unbedingt beschaffen muss.

Als er dann schließlich in Greves Wohnung ist und das Bild gerade heraustragen will, hört er ein Handyklingeln aus dem Schlafzimmer – angesichts der Unverwechselbarkeit der Melodie erkennt er, dass es das Handy seiner Frau Diana ist, das dort klingelt… Und das ist erst der Anfang, denn Brown wird verfolgt, sein Komplize Ove fast umgebracht und sowieso ist alles nicht so einfach, wie es am Anfang ausgesehen hatte.

Ja, man ahnt es schon: Headhunter ist eine sehr abgedrehte Geschichte mit mehr als einer 180°-Wendung – ein bisschen over the top für meinen Geschmack. Nicht immer ist Nesbø ganz geschmackssicher, was die Details seiner Handlung betrifft – ich möchte hier nicht zu viel verraten, aber man sollte nicht zu empfindlich sein bei Themen, die den menschlichen Körper und seine Ausscheidungen betreffen (klingt doof, ist aber so).

Die Charaktere sind weder realitätsnah noch besonders sympathisch – wer also mindestens einen Sympathieträger unter der Protagonisten braucht, sollte ebenfalls die Finger von dieser Geschichte lassen.

Trotzdem hat mich die Story irgendwie doch ganz gut unterhalten, es ist eine spannende (trotz allem!) und schön leichte Lektüre. Nur das Ende war dann wieder ein Minus, das fand ich irgendwie doof und unrealistisch.

Ich sags mal so: Ich bin ganz froh, dass ich dafür keine zehn Euro ausgeben musste. Insofern wars unterm Strich noch ganz gut. 😉

ISBN: 978-3548283883
320 Seiten
Originaltitel: Hodejegerne
Ullstein Taschenbuch
€9,99

Der Schwarm – Frank Schätzing

28. Mai 2013 § 8 Kommentare

IMG_6847Ein weiterer Re-Read – und um schonmal einen Teil des Fazits vorwegzunehmen: Das erste Lesen hat mich weitaus mehr begeistert als jetzt das zweite.  „Der Schwarm“ war ja in den letzten Jahren hochpopulär und hochgelobt und das, so muss ich eingestehen, nicht ganz zu Unrecht. Die Story ist jedenfalls sehr, sehr spannend (die Kritik kommt dann später).

Im Meer und ums Meer herum passieren plötzlich auf der ganzen Welt seltsame Dinge. Vor der norwegischen Küste tauchen eines Tages Unmengen von Würmen auf, die sich mit überdimensionierten Beißwerkzeugen in das dort lagernde Methanhydrat bohren. Der Experte Sigur Johanson bekommt von der Ölfirma Statoil den Auftrag, diese Würmer zu klassifizieren. Johanson stellt fest, dass es sich um eine neue Art handeln muss. Was den Wissenschaftlern zunehmend Sorgen macht: Die Würmer graben Gänge und Löcher in das Hydrat und könnten es so destabilisieren. Größere Blowouts, also Freisetzungen von Methangas, könnten Plattformen beschädigen und sogar Schiffe versenken.

Zur gleichen Zeit beobachten Whalewatcher vor der westkanadischen Küste ein seltsames Verhalten der Tiere: Zuerst kommen sie später als gewöhnlich aus südlicheren Gewässern an, dann verhalten sie sich aggressiv gegenüber Booten. Nach einigen folgenschweren Angriffen auf Schiffe wird dem Walexperten Leon Anawak klar, dass irgendetwas nicht stimmen kann und er versucht herauszufinden, was die Wale derart verändert.

Darüber hinaus tauchen plötzlich vergiftete Krabben in Frankreich und den USA auf und andere Späße – die Ereignisse erscheinen wie aufeinander abgestimmt und zielen offenbar darauf ab, den Menschen zu schaden. Es scheint fast so, als würde sich irgendetwas im Meer gegen den Menschen wenden…

Das Ganze klingt – zu Recht – nach schöner Spannungskurve und viel Action, daher auch gar nicht so viel von der eigentlichen Handlung an dieser Stelle. Es gibt nämlich noch einige andere Twists und die Handlung hat mehr als einen Höhepunkt. Es ist natürlich klar, was Schätzing mit diesem Buch letztlich sagen will: Der Mensch ist zu lange zu sorglos mit dem Meer und seinen Bewohnern umgegangen und bekommt nun die Quittung. Insofern ist sein Verdienst, die Leser zum Nachdenken zu bringen und es wird wohl kaum einen geben, der nicht zwischendrin mal innehält, um das Gelesene zu reflektieren. Angereichert ist die fiktive Geschichte mit vielen, vielen Fakten, die offensichtlich gründlich recherchiert wurden. 

Aber es sollte ja noch Kritik kommen. Nun, dieses Buch hat über 1000 Seiten und nach meinem Geschmack hätten es gerne ein paar weniger sein dürfen. Manchmal verliert sich Schätzing in seinen Details und Nebenhandlungen. Er charakterisiert zwar seine Protagonisten sorgfältig, schweift dabei aber oft zu sehr ab. Da hätte man einiges straffen und weglassen können. Manche Nebencharaktere, insbesondere diejenigen US-amerikanischer Herkunft, sind mir manchmal etwas stereotyp geraten. 

Fazit also: Wenn man diese tolle und spannende Story auf 700 Seiten gepackt hätte, wäre es ein super Buch. So ist es leider manchmal etwas zäh. 

ISBN: 978-3462033748
1008 Seiten
Kiepenheuer&Witsch
€24,95

Wer die Kälte liebt – Tilmann Bünz

12. November 2008 § Ein Kommentar

Ich bin – sozialisiert mit Astrid Lindgren und anderen schwedischen Autoren – heute immer noch Skandinavien-Fan. Angeblich (es soll sogar soziologische Studien über diese Präferenzen geben) findet man den Norden entweder toll oder kann damit nichts anfangen, dafür umso mehr mit Spanien und Italien und wo es sonst noch warm ist. Zu letzter Gruppe gehören meine Eltern, und so habe ich es „erst“ im Ohne-Eltern-Verreisen-Alter in den Norden geschafft, zuletzt im vergangenen Sommer. Das letzte Mal ist es auf keinen Fall gewesen!
Bünz war fünf Jahre lang als ARD-Korrespondent in Stockholm und berichtet viel über Schweden, aber auch über andere skandinavische Länder und deren Eigenheiten.
Um was gehts? Einen großen Teil des Buches nimmt die Beschreibung von schwedischen Gewohnheiten und gesellschaftlichen Eigenheiten ein. Dazu kommen Geschichten aus Island, Norwegen sowie den polaren Gebieten Lapplands, Grönlands und Spitzbergens. Einiges hat man bereits gehört, manches ist neu, aber bewusst sollen die „Bullerbü-Klischees“, die man als Deutscher gerne von Skandinavien und speziell von Schweden hat, widerlegt werden.
Fazit: Auf jeden Fall eine unterhaltsame Lektüre, für Neulinge, die sich über die nordischen Länder informieren wollen genauso wie für bereits Erfahrene – insofern ist der Titel irreführend, denn wer die beschriebenen Länder bereits kennt, wird vielleicht nur noch wenig Neues erfahren, auf jeden Fall aber das ein oder andere Aha-Erlebnis haben, denn Bünz schreibt auch viel über selbst Erlebtes. Da er mit seiner Familie dort gelebt hat, nimmt Schweden und vor allem die Stockholmer Gegend viel Raum in dem Buch ein. Finnland und Dänemark werden nur am Rande mal erwähnt, und zu Norwegen und Island werden einzelne, schlaglichartige Akzente gesetzt. Das fand ich manchmal ein wenig schade. Aber gibt es trotzdem viel Lustiges, Wissenswertes und Kurioses zu lesen, und man merkt, dass Bünz sehr, sehr gerne in Schweden gelebt hat.

Die Präsidentin – Anne Holt

1. Oktober 2008 § Hinterlasse einen Kommentar

Man sollte nicht meinen Fehler wiederholen und dieses Buch in der Hausarbeits-Endphase lesen… Dafür ist es nämlich zu spannend.
Um was gehts?
Helen Lahrdal Bentley, die neu gewählte Präsidentin der USA, kommt zu ihrem ersten Staatsbesuch nach Norwegen, dem Land ihrer Vorfahren, und das ausgerechnet am 17. Mai, dem Nationalfeiertag. Doch als die Präsidentin am ersten Morgen ihres Besuchs aus ihrer Suite abgeholt werden soll, ist sie spurlos verschwunden. Die Kameras im Gang vor ihrer Zimmertür zeigen keine Einbrecher, es gibt nur eine Nachricht im leeren Zimmer: „Wir haben sie. Wir werden uns melden“. Bald gehen erste Zeugenaussagen ein: Verschiedene Menschen haben unabhängig voneinander die Präsidentin in Begleitung zweier Männer gesehen, allerdings verteilt über Orte in ganz Südnorwegen. Die Ermittlungen werden nicht einfacher gemacht, da nicht nur die Osloer Polizei, sondern auch der Secret Service und das FBI eigenständig ermitteln und die Zusammenarbeit sich nicht wirklich einfach gestaltet. In den USA ist man derweil auf das Schlimmste gefasst…
Fazit: Dieser Krimi ist ein (achtung, Anglizismus) echter pageturner. Dazu beigetragen hat auch die Tatsache, dass am Anfang viele Charaktere eingeführt werden, die zwar in der Handlung immer wieder auftauchen, deren Rolle in dem Ganzen aber erst sehr spät klar wird. „Schuld“ daran sind auch die vielen falschen Fährten und Andeutungen, die im Laufe der Handlung immer wieder in die Handlung eingewoben werden. Am Ende löst sich nicht alles in Wohlgefallen auf, was allerdings auch die Gegner von offenen Enden nicht verschrecken sollte (denn ein klassisches offenes Ende ist es dann auch wieder nicht…). Also am besten einfach selbst lesen, es lohnt sich!

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